“Tatort”-Mörder verzweifelt gesucht
14.05.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Bin ich die Einzige, die es bescheuert findet, dass sie jetzt selbst ihren “Tatort”-Mörder suchen muss? Wofür gibt es denn Lena Odenthal und Mario Kopper? “Der Wald steht schwarz und schweiget” war gestern eigentlich endlich mal wieder eine gute Folge aus Ludwigshafen: Odenthal entdeckt einen Toten, wird von fünf jugendlichen Rabauken entführt, Kopper macht sich auf die Suche nach ihr. Inzwischen versucht sie herauszufinden, wer den Erzieher umgebracht hat – und selbst nicht erschossen zu werden. Der eine Halbstarke ist auf Drogen, der andere hat ein Inkontinenzproblem, und alle sind schwerst traumatisiert. Die schlimme Kindheit natürlich! Trotz der Klischees war der “Tatort” spannend wie selten und nicht so verquast wie zuletzt. Aber eine richtige Auflösung gab es am Ende nicht. “AZOK” (“alle zusammen oder keiner”) lautet das Motto der fünf Freunde: Sie verraten nicht, wer es war.
Und damit hört der “Tatort” einfach auf, und wir sollen den Täter im Internet herausfinden. Habe ich nach kurzem Ringen mit der eigenen Faulheit sogar versucht, weil die Runde bei Günther Jauch sowieso langweilig war. Aber da war der WDR-Server schon zusammengebrochen, nichts ging mehr. Die ARD wertet das wahrscheinlich als Triumph, weil angeblich trotzdem noch 20.000 User am Ball blieben und weiterhin wissen wollen, wer es war. Ich auch. Aber dass ich dafür “interaktiv” werden und auf Türen klicken muss, die dann nicht aufgehen, und in Spinde gucken, in denen ich nichts Entlarvendes sehe, das nervt mich sehr. Ich will, dass Ulrike Folkerts den Fall für mich löst – sie ist kompetenter als ich, sie ist sportlicher, und sie wird auch dafür bezahlt.
Am Samstag sollen die Online-Ermittlungen all der Hobby-Kriminologen abgeschlossen sein, dann wird der Fall “der virtuellen Staatsanwaltschaft übergeben”. Bin ich die Einzige, die das lächerlich findet? Crossmedia my ass. Ich sehe doch fern, weil ich nichts tun will. Außer gelegentlich umschalten.
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Erotisches mit Bon Iver
27.04.2012 | Autor: Daniel Koch | in: Netzfundstück
Dass es im Internet auch Platz für die obskursten erotischen Vorlieben gibt, ist kein Geheimnis. Dass es aber auch Menschen gibt, die sich erotische Geschichten mit Bon Iver in der Hauptrolle ausdenken, hätte man jetzt nicht unbedingt gedacht. Dennoch gibt es nun seit zehn Tagen den Tumblr-Blog http://boniverotica.tumblr.com, auf dem nun in schöner Regelmäßigkeit und stets in knappen Zeilen über Zweisamkeiten mit Justin Vernon sinniert wird. Den Anfang machte diese Szene: “Bon Iver woke me up this morning with 40 solid minutes of loving cunnilingus, then whistled a new song while he pulled on his Carhartt jeans.” Na denn…
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“Beavis und Butt-head” sind zurück
18.04.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Ach, ich habe sie vermisst! Damals, in den 90er-Jahren, habe ich sie zuerst gehasst, weil sie das lästige Klischee des depperten Metal-Fans zu verkörpern schienen, aber dann musste ich sie doch mögen, weil sie so witzig waren. Und in ihrer Hässlichkeit und Gehässigkeit so rührend. Außerdem waren ihre Popkultur-Analysen stets einwandfrei. “Beavis And Butt-head” trafen auf ihre uneloquente, dumpfe Art sehr oft den Nagel auf den Kopf, und das hat sich nicht geändert. Wie auch sonst nichts. Erwachsen werden die beiden nicht mehr – zum Glück. Butt-head trägt immer noch sein AC/DC-, Beavis sein Metallica-Shirt, und beide sitzen natürlich auf ihrer versifften Couch. Beavis klingt ein bisschen tiefer, aber der größte Unterschied zu damals ist: Es gibt jetzt kaum noch Musikvideos, die man auf MTV gucken könnte (geschweigen denn Hair-Metal- oder Grunge-Bands), deshalb sprechen sie über Sendungen wie “Teen Mom” und “The Bachelor” – oder über die lahmen Vampire in “Twilight”. Folgender Dialog zeigt, wie sehr die beiden Bescheid wissen:
Butt-head: “How come everyone whispers in these movies?”
Beavis: “They are probably embarrassed.”
Ich muss schon lachen, wenn ich die beiden lachen höre. Früher konnte ich das Gegacker von Beavis so gut nachmachen, dass meine Schwester Angst bekam. Heute schaut mich mein Kollege ein bisschen komisch an, dass ich immer noch über die pubertären Späße der beiden lachen kann und darüber, wie sie ein Skrillex-Video auseinandernehmen. Aber sie machen das doch mindestens so gut wie Stefan Raab! Nicht ganz so lustig ist es leider, wenn sie sich über armselige Pornosüchtige in einer Reality-Show lustigmachen – das sind einfach zu billige Opfer. LMFAO hingegen – da sind die beiden Philosophen in ihrem Element:
Beavis: “I thought that, like, the economy sucks and that, like, nobody has a job, but these guys are just spraying around expensive champagne everywhere!”
Butt-head: “I heard they have, like, a really rich dad. And then that one tall dude is the other dude’s uncle and then, like, their grandpa is, like, the same guy. So they don’t care.”
Beavis: “Really?”
Butt-head: “Too bad we weren’t born as them.”
Gut, dass wir nicht als Beavis oder Butt-head geboren sind! Zu viele Hormone, zu viel Ablehnung, zu viel Stress im Sportunterricht. Aber wir schauen nächste Woche gern wieder vorbei.
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Ravi Shankar: Anoushka zum 92. Geburtstag ihres Vaters
07.04.2012 | Autor: Daniel Koch | in: Allgemein
Am Ostersamstag hat Ravi Shankar Geburtstag. Der berühmteste Sitarspieler der Welt wird 92 Jahre alt. Mit Ravis Tochter Anoushka sprach Lars Friedrich über die magische Beziehung ihres Vaters zur Musik und seinen gesundheitlichen Zustand.
Er ist der berühmteste Sitarspieler der Welt – und einer der ältesten. Ravi Shankar wurde am 7. April 1920 in Indien geboren. Er brachte den Beatles und damit der gesamten westlichen Welt klassische indische Musik näher. Am Ostersamstag wird Ravi 92 Jahre alt. Er tritt immer noch auf. „Es ist fast so, als würde er wachsen, während er spielt“, sagt Anoushka Shankar, „man glaubt, er würde jünger, stärker werden.“ Anoushka ist Ravis Tochter und ebenfalls Sitarspielerin. Mit ihr führten wir nicht nur ein ausführliches Interview, sondern unterhielten uns auch über ihren Vater, der zugleich ihr musikalischer Lehrer war.
„Ravi hat mich als Musikerin sehr geformt. Im 20. Jahrhundert war er definitiv der berühmteste Sitar-Spieler. Selbst wenn ich ihn nicht gekannt hätte, wäre er also wahrscheinlich ein starker Einfluss gewesen. Ravis Stil ist sehr eigen: Auch an den sehr aufregenden und schnellen Stellen weicht er nie vom Kern der Ragas (indische Melodieformen) ab. Er findet immer einen Weg, um eindrucksvolle Sachen zu tun, aber dabei trotzdem stets dem Charakter des Ragas treu zu bleiben. Das zählt zu seinen großen Stärken und hat mir immer viel bedeutet. Aber was mich mehr als alles andere gepackt hat, war Ravis Liebe zur Musik. Neben den Konzerten habe ich ihm natürlich auch jeden Tag beim Üben zugeschaut. Mich hat sehr angezogen, dass ihn die Musik so tief mit etwas erfüllte, das offenbar so magisch war, dass ich es in seinem Gesicht sehen konnte, während er spielte. Die Beziehung, die er zu seinem Instrument hatte – ich spürte, dass dies etwas war, das ich für mich auch haben wollte.
Rückblickend kann ich sagen, dass Musik spielen für mich bedeutete, eine Art spirituellen Pfad zu beschreiten. Vielleicht wusste ich es damals noch nicht, aber wenn man spielt, transportiert einen das sehr tief. Man verliert sich in gewisser Weise und bewegt sich jenseits von Raum und Zeit – vielleicht, aufgrund des Fokus’, den man in diesem Moment haben muss, diesen Grad der Konzentration, der einen auf eine Art aus dem eigenen Kopf befördert. Als ich erwachsen wurde, erkannte ich, dass das sehr dem Yoga-Unterricht oder Meditation ähnelt. Als ich spirituelle Bücher las, erkannte ich die Erklärungen darin als etwas, dass ich in meiner Musik fühlte. Das half mir wiederum, zu erkennen, wonach ich bei spirituellen Praktiken suchen musste. Weil ich durch meine Musik bereits dorthin gekommen war. Für mich war Musik wirklich die Tür zu dieser Art von Erfahrung, die vielleicht der wichtigste Teil an der ganzen Sache ist. Man geht über sich selbst hinaus. Außerdem habe ich so ganz klassisch gelernt, dass Disziplin, Übung und all diese Dinge sehr wichtig sind. Ich glaube, ich hätte das nicht so sehr in meiner Persönlichkeit gehabt, aber mit meinem Vater zu lernen, diese Musik zu spielen und sich etwas so zu widmen und hinzugeben, war eine gute Lektion.
Mein Vater ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Vorbild. Das war besonders wichtig in den Momenten, in denen ich aufgeben wollte. Je älter ich werde, desto distanzierter kann ich ihn betrachten; er ist nicht mehr nur das Idol. Andererseits ist es genau andersherum: Ich kann jetzt besser verstehen, wie groß er ist. Ich vergöttere ihn nicht, sondern vieles ist einfach wahr. Er ist wirklich eine sehr außergewöhnliche, einzigartige Figur. Er wird jetzt 92 und tourt noch immer. Das ist unglaublich, weil es eigentlich keinen Sinn ergibt. Es ist nicht so, dass er einfach Glück gehabt hätte und immer noch völlig gesund wäre. Ist er nicht! Er hat Millionen gesundheitlicher Probleme und trotzdem sehe ich, wie er in der Lage ist, sie zu transzendieren, wenn er Musik spielt. Weil er sie so liebt und sich ihr so hingibt, vergisst er alles andere. Der Schmerz verschwindet. Es ist fast so, als würde er wachsen, während er spielt; man glaubt, er würde jünger, stärker werden. Das ist wie eine Verwandlung. Ich habe oft von Leuten aus dem Publikum gehört, dass sie sich in dem Moment, wo er auf die Bühne kommt, fast Sorgen um ihn machen. Er braucht Hilfe beim Laufen. Und dann sehen sie, wie er sich durch die Musik transformiert. Am Ende – nach zwei erstaunlichen Stunden, während denen er einfach fliegt und spielt –, hat man ein völlig anderes Bild von ihm. Man sieht, was die Musik jemandem geben kann. Das ist ein unglaubliches Erlebnis.
Ich finde seine Aufrichtigkeit und Hingabe wirklich inspirierend. Es gibt nie eine Show, die er für weniger wichtig hält als eine andere, ganz egal, wie viele tausend er schon gespielt hat. Auf einer langen Tour gibt es manchmal Tage, an denen man einfach müde ist und es ruhig angehen lassen will. Aber ich tue das nicht, weil ich von ihm diese Hingabe gelernt habe. Ich habe Ravi an keinem Punkt, Tag oder Moment seines Lebens erlebt, an dem er alles als selbstverständlich hingenommen und sich einfach zurückgelehnt hätte. Er hat nie gedacht, er hätte genug getan – und er hat mehr getan als jeder andere indische Musiker oder jeder andere Weltmusiker oder 92-jährige Mann. Er hat nie diese Einstellung: ,Ich bin so cool, und ihr Glückspilze seid hier, um mich zu sehen.’ Nie! Es ist eher, als würde er einen Dienst leisten, wenn er Musik spielt.
Ich schätze, Musik war immer das Wichtigste für ihn. Wahrscheinlich besteht die Gefahr, dass andere Dinge im Leben nicht mehr so wichtig sind, wenn man sein Leben so sehr der Musik widmet. Erst jetzt, in diesen sehr späten Jahren seines Lebens, werden ihm plötzlich Familie, häusliche Angelegenheiten und solche Sachen genauso wichtig. Früher waren sie ihm auch wichtig, aber sie hatten nicht denselben Stellenwert. Gewissermaßen muss es wohl so sein. Wenn man diese Höhen erklimmen will, kann man das wahrscheinlich auf keine andere Art, als sich so einzubringen.“
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Altlasten-Alarm beim “X-Factor”
29.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Neulich habe ich von einem Leser den Rat bekommen, den Fernseher einfach abzuschalten, wenn mir das Programm nicht gefällt. Das ist eine gute Idee, aber so schwer durchzuhalten! Bei “DSDS” schaffe ich es seit längerem, weil an der Sendung inzwischen gar nichts mehr spannend, lustig oder auch nur minimal unterhaltsam ist. Aber ich ahne Schlimmes, wenn demnächst wieder “X-Factor” beginnt. Die Jury um Show-Mutti Sarah Connor wurde gerade neu besetzt. Raus mit Till Brönner und Das Bo, rein mit – und jetzt kommt’s: Moses Pelham! H.P. Baxxter! Sandra Nasic! So eine irre Mischung gab es nicht mehr, seit Bohlen fürs “Supertalent” (das noch öder ist als “DSDS”) neben die Barbie-Puppe Sylvie van der Vaart auch noch die treuherzige Tänzerin Motsi Mabuse setzte.
Spontan fühlte ich mich in meine gar nicht so glorreiche VIVA-Zeit zurückversetzt. Als man noch an Musiksender glaubte, Mitte der 90er-Jahre, durfte ich eine Weile für den Teletext der Kölner arbeiten. Die Kollegen waren toll, die Honorare auch, aber die sogenannten Musiker, die hin und wieder zu Interviews vorbeischauten, ließen leider zu wünschen übrig. Die Zicken von Tic Tac Toe hätten man schon damals gern in den Dschungel versetzt, auch Sabrina Setlur und Mr. President begeisterten mich nicht. Die beiden nettesten Typen, die je auftauchten, waren der bescheidene DJ Bobo und – Scooter-Shouter H.P. Baxxter. Der ostfriesische Blonde hatte schon damals eine angenehme Distanz zu seiner Bühnenpersönlichkeit eingenommen, er spielte auf der Bühne mit Vergnügen den aufgedrehten “Hyper Hyper”-Sänger und hatte es ansonsten nicht nötig, sich aufzuplustern. Wahrscheinlich soll er bei “X-Factor” den trockenen Stichwortgeber spielen für den einstigen Pöbler Moses Pelham.
Wo hat sich der eigentlich zuletzt verkrochen? Rödelheim Hartreim Projekt, Schwester S., Xavier Naidoo, Glashaus – was haben wir dem Mann alles zu verdanken! Schlimmer kann der Gewinner von “X-Factor” auch nicht sein. Pelham habe ich in der VIVA-Zeit nur einmal gesehen – aus der Entfernung, bei der “Echo”-Verleihung 1997, als er Stefan Raab die Nase brach. Wenn ich heute sehe, wie Raab bei all seinen Shows bis zur Besinnungslosigkeit kämpft, um zu gewinnen, dann weiß ich, wie viel Beherrschung es ihn gekostet haben muss, nicht zurückzuhauen. Schade eigentlich. Und dann noch Sandra Nasic! Die habe ich auch in bester Erinnerung. Die Guano-Apes-Brüllerin dachte damals ganz offensichtlich, sie wäre ein mindestens so großer Rockstar wie Anthony Kiedis, nörgelte an jeder Kleinigkeit herum (dabei waren die bereitgestellten Brötchen gar nicht so schlecht!) und drangsalierte alle Assistentinnen. Ich dachte nur, wenn ich noch einmal “Open Your Eyes” hören muss, schreie ich lauter als sie.
Und jetzt sollen diese drei Figuren aus der Vergangenheit also über ein Talent für die Zukunft entscheiden. Aber halt, jetzt habe ich wieder einen Denkfehler begangen! Es geht bei Castingshows ja gar nicht um die Zukunft, sondern um die Einschaltquoten. Muss ich mir endlich mal merken.
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Rätseln mit “Rizzoli & Isles”
15.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Eigentlich gibt es ja schon mehr Krimi-Serien, als ein arbeitender Mensch anschauen kann. Und genügend coole Rechtsmedizinerinnen (“Body Of Proof”!) und abgebrühte Polizistinnen (“Die Chefin”!). Außerdem läuft mittwochs schon “Desperate Housewives”, wo auch immer ein Toter die Stimmung verdirbt. Trotzdem: Eine Chance kann man “Rizzoli & Isles” (VOX) mal geben. Die Serie entstand nach den Büchern von Tess Gerritsen, spielt in Boston und bedient sich der genretypischen Spannungs-Zutaten: Zwei attraktive Frauen – Ermittlerin Jane Rizzoli (Angie Harmon) und Forensikerin Dr. Maura Isles (Sasha Alexander) – lösen komplizierte Fälle, wobei die eine “nebenbei” noch von einem Serienmörder verfolgt wird. Erinnert ziemlich an “Profiler”, bloß leider ohne Südstaatenflair und den subtilen Grusel.
Besonders raffiniert ist zumindest der Auftakt der Geschichte nicht, und die hölzerne Übersetzung hilft da kaum. Ich bin ja normalerweise gern bereit, Synchronisationen zu verteidigen (etwa die von “True Blood” oder “House”), aber hier hat man sich offensichtlich wenig Mühe gegeben. Welcher normale Mensch würde denn eine Bestie, die gefinkelte Pläne entwirft, um einen umzubringen, als “Schleimscheißer” bezeichnen? Nicht einmal eine trockene Beamtin wie Jane Rizzoli. Die Besetzung ist vielleicht der größte Schwachpunkt der Serie: Das herbe Ex-Model Harmon ist angeblich erst 39, sieht aber Jahre älter aus – so dass es irgendwie surreal wirkt, dass ihre Mutter von Lorraine Bracco (Dr. Melfi bei den “Sopranos) gespielt wird. Wenn deren Rolle noch größer wird, wenn sich ein paar Ungereimtheiten auflösen und die Fälle etwas origineller werden – dann verstehe ich vielleicht auch die irren Einschaltquoten, die “Rizzoli & Isles” in den USA eingefahren hat. Die Original-Folgen tragen übrigens Titel wie “Sympathy For The Devil”, “I Kissed A Girl” und “Born To Run” – ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das eingedeutscht wird. Geboren um zu rennen!
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Der überregionale Charme von “München 7″
07.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Die Bayern übernehmen das öffentlich-rechtliche Fernsehen: Erst bekam die Kabarettistin Monika Gruber ihre eigene ZDF-Show (“Leute, Leute!”), jetzt ermittelt das bewährte Team von “München 7″ mittwochs als Teil der “Heiter bis tödlich”-Reihe in der ARD. G’scheit! Schließlich ist Franz Xaver Bogers Serie viel zu unterhaltsam, um im Bayrischen Rundfunk zu versauern. Was für ein Team, was für G’schichten! Ich muss schon lachen, wenn ich den breiten Rücken von Andreas Giebel sehe – und den kritischen Blick, mit dem er nicht nur Kriminelle straft. Und die Gruberin ist auch dabei! Leider bringt sich als Standlfrau Elfi wieder die unsinkbare Christine Neubauer in Position (Hände in die Hüften, Ausschnitt nach vorn schieben, entrüstet gucken – wie immer), aber sie soll ausnahmsweise nicht weiter stören.
Bogner erschuf in den 80er-Jahren die wunderbaren Serien “Irgendwie und sowieso” (u.a. mit Ottfried Fischer, Olivia Pascal und Elmar Wepper) und “Zur Freiheit” (u.a. mit Ruth Drexel, Michaela May und Udo Wachtveitl), dann noch mehr als ein Jahrzehnt lang “Cafe Meineid”. Seit 2007 kümmert er sich um den “Kaiser von Schexing” – und nachdem “München 7″ 2004 und 2006 so erfolgreich im Dritten lief, kommt die Fortsetzung jetzt also in der ARD – 16 Folgen wurden zunächst gedreht.
Im Mittelpunkt steht natürlich wieder das Polizisten-Duo Xaver Bartl (Giebel) und Felix Kandler (Florian Karlheim). Der eine wird von seiner unerfüllten Liebe zu Elfi gequält, der andere von seiner ehrgeizigen Ehefrau. Und die Verbrechen? Ach ja, die! Eigentlich wurscht, aber es geht einerseits um alberne Flashmobs (ein zu modernes Konzept für die angebliche “Weltstadt mit Herz”), andererseits um die Kosmopolitin Moni, deren hochnäsige Penetranz und wütende Verzweiflung von Gruber mit voller Wucht ausgespielt wird – sie hat aber auch Grund dazu: Ein mieser Typ namens Angelo hat sie übers Ohr gehauen, und jetzt steht sie ohne Geld und Papier am Flughafen. Die Moni hat allerdings Glück, denn sie kennt den Xaver, der bürgt für sie, “total und ganz gern”. Sie dankt’s ihm nicht wirklich, aber ein bisschen Spaß hat er mit der wilden Blondine schon – und der wird weitergehen, denn das Ende ist – ganz krimi-untypisch – offen, der Fall nicht gelöst.
Das heimelige “Hotel am Markt”, das Bartls Schwester Irmi gehört, der Viktualienmarkt, das altmodische Revier – natürlich wird München hier wieder als Puppenstube dargestellt, als gemütliches Weltdorf, dessen Bewohner zwar manchmal grantig sind, aber niemals richtig böse. Das spießige Kleinbürgertum kommt eher nicht vor, zumindest nicht in all seiner Grässlichkeit. Doch wer will schon, dass eine Fernsehserie allzu realistisch ist! Dieses München guckt man sich gern an, und Giebel bewegt sich darin wie eine Schildkröte im Terrarium – bedächtig, stets alles im Blick, nur im Notfall zuschnappend. Aber wo ist Eisi Gulp als Feuerwehrmann Wasti geblieben? Der fehlt noch!
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Davy Jones, 1945-2012
29.02.2012 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Chip: „7A“
Davy: „What number is this Chip?“
Chip & Mike & Pete & Micky: „7A!!!!“
Davy: „Ok, you know what I mean, like don’t get excited man, it’s because I’m short I know.“
Vielleicht musste es der 29. Februar sein, dieser nur alle vier Jahre unnatürlich in den Kalender gequetschte Tag, der der größten Casting-Band aller Zeiten ein Ende bereitet. Am Morgen dieses Tages ist Davy Jones, Sänger der Monkees, in Indiantown, Florida nach einem Herzinfarkt gestorben. Er war die Stimme so unglaublich perfekter Popsongs wie „I Wanna Be Free“ und „Daydream Believer“, die noch immer die Welt anhalten können, wenn sie im Radio laufen.
Jones wurde am 30. Dezember 1945 in der Nähe von Manchester geboren. Mit elf spielte er eine Rolle in der englischen Soap Opera „Coronation Street“. Als er 14 war, starb seine Mutter und er ließ sich zum Jockey ausbilden. Doch schon bald zog es ihn zurück ins Showbiz. Er sang Musicals im Londoner Westend, brachte es schließlich bis zum Broadway und trat in der Ed-Sullivan-Show auf. In derselben Folge wie die Beatles. Die vier Landsleute aus Liverpool sollten entscheidend werden für seine weitere Karriere.
Nachdem die aufstrebenden Filmemacher Bob Rafelson und Bert Schneider den Fab-Four-Film „A Hard Day’s Night“ gesehen hatten, kam ihnen die Idee für eine Comedy-Show um eine Boyband. Davy Jones ging zum Casting und war der erste, für den die beiden Macher sich entschieden. Dazu kamen schließlich ein Folkie aus Greenwich Village namens Peter Tork, ein Singer/Songwriter aus Texas namens Mike Nesmith und der ehemalige Kinderstar Micky Dolenz. Nur zwei von ihnen konnten wirklich ein Instrument spielen, aber gute Musiker gab es genug in Los Angeles. Dazu engagierten Rafelson und Schneider einige der besten Songwriter des Landes – Goffin/King, Boyce & Hart, Neil Sedaka, Neil Diamond … Davy, Mike, Pete und Micky liehen der imaginären Band ihre Körper und ihre Stimmen. So entstand „The Monkees“ – Anarchie für den Fernsehschirm und Gold für die Plattenläden.
Hey, hey, we’re the Monkees
And people say we monkey around.
But we’re too busy singing
To put anybody down.
We’re just tryin’ to be friendly,
Come and watch us sing and play,
We’re the young gneration,
And we’ve got something to say.
Vor allem Nesmith und Tork sahen sich allerdings als ernsthafte Musiker und legten sich bald mit ihrem Produzenten Don Kirshner an. Und so kam es, dass die Monkees sich mit wachsendem Erfolg der Show langsam emanzipierten, aus der Fiktion heraustraten und eine echte Band wurden. Für ihr drittes Album setzte Nesmith seinen Freund Chip Douglas als Produzenten ein, alle Bandmitglieder steuerten Songs bei und spielten die Instrumente selbst– Dolenz hatte für die erste Tournee Schlagzeug gelernt, Nesmith spielte Gitarre, Tork den Bass und der an Statur eher kleine Mädchenliebling Davy Jones, der bei Konzerten immer vorne stehen musste, schlug das Tamburin. So entstanden 1967 mit „Headquarters“ und „Pisces, Aquarius, Capricorn & Jones Ltd.“ zwei Meisterwerke des 60s-Pop. Zeitgeistsampling mit Beatles-Pastiche und Countrysong, klassischem Bacharach-Pop und surrealen Albernheiten.
Die TV-Serie profitierte anfangs ebenfalls vom neuen Selbstverständnis der Band. Die Gags wurden subtiler, das Gelächter vom Band verschwand, die Bandmitglieder führten selbst Regie, spielten mit dem Medium und ihrer eigenen Rolle darin und luden „richtige“ Musiker ein. In der vorletzten Folge ist Frank Zappa zu Gast, in der letzten Tim Buckley. Doch als die Fernsehserie beendet war, schien auch die Band auseinanderzufallen. Ebenso wie Lennon, McCartney, Harrison und Starr gingen auch Nesmith, Dolenz, Tork und Jones zu dieser Zeit immer seltener gemeinsam ins Studio und nahmen ihre Songs lieber ohne die Bandkollegen mit professionellen Studiomusikern wie der legendären Wrecking Crew auf. Nesmith veröffentlichte 1968 ein erstes Soloalbum mit Instrumentalstücken (George Harrison übrigens auch). Im selben Jahr entstand der dadaeske, zynische Spielfilm „Head“, für den Bob Rafelson und Jack Nicholson das Drehbuch schrieben. Auch den Erkennungssong der Band wandelten sie ab.
Hey hey we are the Monkees
You know we love to please
A manufactured image
With no philosophies
Der Film war naturgemäß ein Flop. Denn die Betriebsgeheimnisse des Pop plaudert man nicht ungestraft aus. Tork verließ kurz darauf die Band, ein Album später ging auch Nesmith, der anschließend einige wundervolle Songwriteralben veröffentlichte, MTV erfand und zum Internet-Pionier wurde. Die drei anderen Monkees versuchten sich erfolglos an Solokarrieren, Jones und Dolenz arbeiteten zudem öfter zusammen. Später gab es einige traurige Reunions – mal mit, mal ohne Nesmith. Jones, Dolenz and Tork spielten das letzten Mal im Sommer 2011 als The Monkees , brachen die gemeinsame Tour aber aufgrund von Streitigkeiten ab.
Doch all das kann die großen Taten dieser Band, den Charme, den Witz und die Melodien nicht zerstören. Die Monkees waren gemacht, und sie waren echt, sie kopierten, und sie erfanden, sie waren die ersten Roboter, die die Weltherrschaft übernahmen, und sie waren Pioniere des Country-Rock – eine zeitlang beherrschten sie das bunte Spiel namens Pop besser als jeder andere Künstler auf diesem Planeten. In der offiziellen Geschichtsschreibung kommen sie trotzdem nicht vor. So wurden sie etwa nicht in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Wohl weil Buchhalter und amerikanische Rockjournalisten sie nicht mögen. Man könnte auch sagen: Die Monkees sind keine Band fürs Museum, sie sind und bleiben eine Band für den Moment. Das ist Pop im eigentlichen Sinne. Davy Jones, dessen Todestag sich nur alle vier Jahre jährt, war der erste Monkee, R.I.P.
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“Leute, Leute!”: Die Gruberin im ZDF
22.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Das jüngste Kabarettprogramm von Monika Gruber hieß “Wenn ned jetzt, wann dann!”, und als das ZDF verkündete, dass die Komikerin eine eigene Sendung bekommt, dachte man genau das. Die 40-Jährige aus Tittenkofen war längst zu lustig für den “Kaiser von Schexing”, sie hatte sich bei “Wetten, dass..?” elegant aus der Affäre gezogen, als ihr Teleprompter ausfiel – und jetzt also endlich der Triumph: raus aus dem Regional-, ab ins Spätprogramm. Ihre Sendung heißt “Leute, Leute!”, was nicht unabsichtlich an das Boulevard-Magazin “Leute heute” erinnert. Auch bei Gruber geht es “um Prominente, Celebrities, Adelige und andere Leute ohne richtigen Beruf”.
Routiniert spottet Gruber über Wulff und Wepper – am schönsten ist dabei, wie sie immer “G’sicht” sagt und noch bayrisch genug schwatzt, um sich auch derbere Scherze erlauben zu können – im Dialekt klingt vieles einfach eher niedlich, wenn es nicht gerade allzu gschert (für Nicht-Bayern: grob) ist. Zum Thema Whitney Houston fällt ihr dann allerdings auch nur “Scho’ schlimm, ge?” ein, gefolgt von einem Wendler-Witz. Am besten ist sie, wenn sie nicht die leichten Promi-Opfer, sondern das Reporter-Personal aufs Korn nimmt – auch der eigene Sender wird nicht verschont: Herrlich, wie Gruber das gestelzte Bussi-Bussi-Getue der sogenannten Society-Expertin Nadja “fröstel, fröstel” Al-Chalabi bloßstellt.
Etwas unlustig sind leider all die Gäste, die Grubers Redefluss stören und auch sonst nicht viel beizutragen haben. Das Pointen-Pingpong mit Sebastian Pufpaff funktioniert nicht, weil dessen Sätze so einstudiert wirken, dass man nicht mal darüber lachen kann, dass so ein graumelierter Schmierlappen von “Bunga-Bunga-Nutten-Vögelei” redet. Merke auch: Umfragen beim Karneval sind niemals lustig, niemals. Auch nicht, wenn sie von Markus Lanz handeln.
Der grasierende Diät-Wahnsinn ist natürlich ein leichtes Ziel für Monika Gruber (die selbst ja einst an Magersucht litt), da bräuchte es die – zugebenermaßen amüsante – Maren Kroymann als “Idylle Seichtenberg” gar nicht. Und dann kommt auch noch Oliver Kalkofe zum Thema “Der Bachelor” (RTL). Natürlich stimmt jeder der gedrechselten Sätze des obersten Fernsehkritikers, natürlich ist das eine grausame Sendung, in der Frauen sich auf peinlichste Weise anbieten – und der Typ auch nichts anderes ist als das männliche Pendant zu einer billigen Schlampe, die obendrein noch aussieht und spricht wie Dieter Bohlen. Wirklich übel, dieses Format. Heute ist das Finale. Wird er die energische Anja oder die süße Sissi wählen? Ich wünschte, ich würde die Namen nicht kennen! Aber dann hätte ich ja auch Georgina, Katja und Jin-Jin verpasst – und andere Verzweifelte ohne richtigen Beruf. Leute, Leute!
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Jetzt offiziell: “House” hört auf
09.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Eine kleine Meldung auf Facebook bestätigt die schon lange kursierenden Gerüchte: “After much deliberation, the producers of ,House M.D.’ have decided that this season of the show, the 8th, should be the last. By April this year they will have completed 177 episodes, which is about 175 more than anyone expected back in 2004.” Gut und schön, aber: warum?? Natürlich hatte Hugh Laurie schon häufiger den Blues und fragte sich, wie lange das noch so weitergehen könne – immer humpeln, immer Medikamente einwerfen, immer scheitern beim Versuch, mit den Mitmenschen auf gewöhnliche Weise zu kommunizieren. Und natürlich war es nach dem katastrophalen Ende der Liebe zu Dr. Cuddy schwierig, sich vorzustellen, dass es noch einmal eine so packende Staffel geben könnte. Aber selbst wenn eine neunte Staffel von “House” nur halb so gut gewesen wäre wie die ersten sieben (die achte läuft auf RTL erst ab dem 6. März), dann heißt das immer noch: besser als 90 Prozent aller anderen Serien. Der lustige Hank Lawson aus “Royal Pains” ist kein Trost, die launische “Nurse Jackie” auch nicht. Also hat Gregory House wieder mal recht: “Things change. Doesn’t mean they get better.”
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