Sie wollen uns erzählen – Bachmannpreis 2011

Ach, das Schriftstellerleben muss herrlich sein! Dem Alltag entfliehen, aufs Wasser starren, in den Wald gehen, in den Streichelzoo, ein bisschen Yoga für das innere Gleichgewicht, ab und zu im Kaffeehaus ein paar Leuchtchen belauschen und ganz ganz viel über sich selbst und sein Schreiben nachdenken. So jedenfalls inszenieren sich – mit wenigen Ausnahmen – die Autoren, die bei den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im Wettbewerb um den Bachmannpreis antreten, in ihren für den ORF-produzierten Vorstellungsvideos.

Das Schreiben sei ihnen eine innere Notwendigkeit, sagen sie. Von Sehnsucht ist viel die Rede und von Schmerzen. Scheinbar autistische Autoren-Ichs, die mit der Gesellschaft nicht sonderlich viel zu tun zu haben scheinen. „Ich hab das oft gehabt … beim Schreiben … dieses Gefühl – will das jemand noch mal wissen?“, fragt sich da etwa vermutlich nicht ganz zu unrecht die junge Autorin Antonia Baum.

Nun weiß man natürlich, dass das Fernsehen ein ziemliches armseliges Medium ist, flüchtig und schriftlos, ein großer Tiefgründigkeits- und Inhaltsvernichter, eine Klischeereproduktionsmaschine. Und darum tun einem die Autoren auch ein bisschen leid, wenn sie sich da so naiv und ungeschützt vor die Kamera stellen, um anscheinend stante pede das Unsagbare zu formulieren. Selbst die Ironisierungsstrategien von Thomas Klupp, Nina Bußmann und Leif Randt wirken ein bisschen hilflos. Der Österreicher Daniel Wisser entzieht sich des Aussagezwangs mithilfe seiner elektronische Musik und wirkt ein bisschen eitel. Lediglich zwei Autoren machen eine gute Figur. Thomas Popp, der ganz auf eine Videovorstellung verzichtet, und Maximilian Steinbeis, Autor des unheimlichen Heimatromans „Pascolini“, der sich im Berliner Regierungsviertel filmen ließ und kluge Sachen sagt zum Verhältnis von Journalismus und Literatur, Rationalität und Fantasie.

Ab Donnerstag, 10.15 Uhr, werden die insgesamt 14 Teilnehmer vor die siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Burkhard Spinnen treten und ihre Texte vortragen. Hoffen wir mal, dass die ein bisschen welthaltiger, origineller, unbequemer und komischer ausfallen als die Selbstvorstellungen. Und natürlich hoffen wir  auf unterhaltsame und erhellende Jury-Diskussionen.

Ob es wieder so schön wird wie früher mal?

 

 

PS: Und so sehen Literaturwettbewerbe in England aus:

 

 

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