Einträge von: Oktober 2011
Die Woche des Missvergnügens
27.10.2011 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Unheimlich, diese Koinzidenz. Wenn gerade mal nichts richtig läuft, dann geht auch bei meinen liebsten Fernsehserien alles schief.
Montag: Dass sich Chuck und Blair bei “Gossip Girl” immer noch herumquälen, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie zusammengehören, kann ich gerade noch verschmerzen, weil sie eben erst dem Teenageralter entwachsen sind und ruhig ein bisschen leiden können, bevor sie irgendwann heiraten und viele kleine Nachwuchsbiestern zeugen.
Dienstag: Genau wie Dr. Wilson ertrage ich es nicht, dass Cuddy Schluss gemacht hat mit dem Mann, den sie angeblich seit Ewigkeiten liebt. Bloß weil er ein bisschen egoistisch ist und drogenabhängig und nicht immer zuverlässig. Immerhin bemüht er sich! Ich finde es unfair, dass sie ihm nicht noch ein paar Jahre Zeit gibt, und wenn ich eine Stunde lang anschauen muss, wie House leidet, dann will ich auch Vicodin.
Sogar beim normalerweise so amüsant oberflächlichen “White Collar” gab es am Ende eine fiese Finte: Kann es wahr sein, dass FBI-Agent Peter Burke gar nicht zu den Guten gehört? Wurden wir zusammen mit dem sonst so misstrauischen Neal Caffrey hinters Licht geführt? Da es in den USA inzwischen vier Staffeln gibt und die zwei Hauptdarsteller immer noch die selben sind, ist das ziemlich sicher eine falsche Fährte, aber ich befürchte trotzdem, dass Neals Suche nach seiner verschollenen Freundin nicht gut ausgeht, und leide jetzt schon mit dem charmanten Gauner.
Mittwoch: das Staffelfinale von “Desperate Housewives”. Die hysterische Gefühligkeit von Susan geht mir nur noch auf die Nerven, die Verzweiflung von Gaby konnte ich besser verstehen – aber selbst die Leiche, die am Ende versteckt wurde, war nichts gegen den eigentlichen Schocker der Folge: die Trennung der Scavos. Das geht ja gar nicht! Andere Paare können sich auseinanderleben, sich hassen, sich meinetwegen sogar umbringen (hatten wir ja alles schon), aber nicht Lynette und Tom. Die Machtkämpfe der beiden zeigten stets exemplarisch die Probleme der modernen Ehe: Was, wenn einer erfolgreicher ist als der andere? Was, wenn das auch noch die Frau ist? Wer kümmert sich um das Geld, die Kinder – und darum, dass man über all dem Alltag die Lieben nicht vergisst? Lynette konnte Tom wie einen Deppen behandeln, und man merkte doch, wie sehr sie ihn braucht. Tom konnte trotzen wie ein Kleinkind, und man wusste doch, dass er Lynette niemals im Stich lassen würde. Und das soll jetzt alles nicht mehr gelten, bloß weil er plötzlich der Karrieremacker ist und sie nicht damit klarkommt? Als würde Lynette das nicht auch noch aushalten können! Nein, ich glaube das nicht, so kann “Desperate Housewives” nicht zu Ende gehen. Das muss in der achten Staffel korrigiert werden, aber 2011 muss ich nun mit dieser miesen Geschichte leben.
“Body Of Proof” geht gleich mit in die Pause, obwohl es doch gerade erst richtig begonnen hat. Zumindest Dr. Megan Hunt ist ein Lichtblick: Es hat jede Woche Spaß gemacht zu beobachten, wie sie liebevoll die Leichen seziert und gnadenlos den Mördern sucht. Leider ist unter den Männern um sie herum keiner, der ihr das Wasser reichen könnte. Also auch hier kein Glück in Sicht.
Fast habe ich Angst davor, heute abend “Californication” und “Nurse Jackie” einzuschalten.
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Rösten und geröstet werden
17.10.2011 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Grundsätzlich bin ich ja dafür, sich über andere Leute lustig zu machen – vor allem, wenn sie anwesend sind. Dann braucht man ein bisschen Mut dafür und das richtige Gespür, was geht und was nicht, um jemanden zu treffen, aber nicht wirklich zu verletzen. Das ist allerdings genau das Problem der “Roasts”, die momentan auf Comedy Central laufen: Sie funktionieren nur, wenn der Gegrillte seine Würde behalten darf. Das Konzept ist genial einfach: Ein Prominenter mit zweifelhafter Vergangenheit setzt sich auf den heißen Stuhl, etliche Kollegen halten eineinhalb Stunden Schmähreden auf ihn. Bei William Shatner war das teilweise sehr komisch – etwa als George “Lt. Sulu” Takei die Eitelkeit des Captains geißelte. An Shatner prallte jeder fiese Kommentar ab, und er amüsierte sich köstlich, weil er längst erkannt hat, dass der öffentliche Shatner zwar eine Witzfigur ist, aber eine sehr beliebte. Damit kann man leben.
Doch bei David Hasselhoff gelang es mir am Samstag nicht, alles anzuschauen, zu schlimm war das Fremdschämen. Dass The Hoff singend die Arena betritt und anscheinend immer noch glaubt, in Deutschland der Größte zu sein – geschenkt. Auch sein Dauergrinsen und die mentale Breitbeinigkeit wären keiner Rede wert, aber es gibt unter vielen, vielen peinlichen Momenten im Leben des “Schauspielers” einen, der einfach nicht für billige Scherze geeignet ist: das Video, in dem er betrunken versucht, einen Hamburger zu essen. Jeder Gag dazu wirkte so gequält wie das Feixen Hasselhoffs, und wer guckt schon gern dabei zu, wie ein Am-Boden-Liegender weiter getreten wird? Die Töchter im Publikum auf jeden Fall nicht, auch wenn sie tapfer wie Schaufensterpüppchen lächelten.
Nur Pamela Anderson schaffte es, ihre Spitzen so zu setzen, dass sie bloß sanft am Lack des Gecken kratzten. Man kann alles Mögliche über die Blondine denken, unsympathisch ist sie nicht. Während sie selbst noch den dümmsten Silikonwitz schulterzuckend ertrug, riss sie bei jeder ihrer Beleidigungen die Augen weit auf und schien Hasselhoff damit zu sagen: Mensch, wir müssen so gemein sein, nimm’s uns nicht übel, wir haben dich doch lieb. Aber von wegen: Keiner außer ihr schien Hasselhoff wirklich zu mögen, und guter Spott braucht ein Mindestmaß an Empathie, sonst wird es bitter. Anderson, die selbst schon einmal “geröstet” wurde, hatte das begriffen.
Man kann natürlich auch sagen: Selbst schuld, Hasselhoff. Anderson war bei ihrem “Roast” nämlich so schlau zu fordern, dass ihre Hepatitis-C-Infektion ausgespart wird. Und Shatner hatte darum gebeten, dass keiner erwähnt, wie seine Frau damals im Swimmingpool ertrank. Manchmal ist weniger mehr. Sogar Charlie Sheen, der nächsten Samstag ab 22 Uhr in die Mangel genommen wird, ließ nachträglich ein paar Witze entfernen – über seine Mutter.
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Willkommen in “Haven”!
07.10.2011 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Ich gebe zu, seit “Akte X” hat mein Interesse an sogenannten Mystery-Serien stark nachgelassen – zumindest wenn sie nicht von J.J. Abrams kommen. Obwohl ich mich bei “Lost” schon gefragt habe, ob der Zauber möglicherweise zwei, drei Staffeln zu lange lief. Am Ende wirkte es, als hätte man sich am Anfang nicht so genau überlegt, wie die Auflösung all der Geheimnisse funktionieren könnte, und das war bei “Alias” nicht anders. Aber wie sollen Serien-Erfinder auch über Jahre hinaus planen, wenn es doch immer von der Quote abhängt, ob es überhaupt eine nächste Staffel gibt? Oft bleiben die Charaktere dann gleich an der Oberfläche (wie bei “Warehouse 13″), oder ihre Lebensdauer wird radikal verkürzt (wie die von “Tru Calling”).
Auf die kanadische Mystery-Serie “Haven”, die zunächst nur bei SyFy lief, seit September auch bei RTL2, verzichtete ich deshalb erst mal. Aber die Anziehungskraft der DVD-Box, sie hat mich wieder überwältigt. Also: “Willkommen in Haven”. Bei der ersten Folge überlegt man noch, wie viel Stephen King in der Geschichte steckt. Auf seinem “Colorado Kid” basiert “Haven”, aber die Überschneidungen sind marginal. Es ist eher das Grundgefühl, das an King erinnert: Hinter der Kleinstadtidylle in Maine lauert jederzeit Gefahr. FBI-Agentin Audrey Parker ist eigentlich vor Ort, um einen entlaufenden Sträfling zu fangen. Der ist längst tot, doch Parker bleibt – erst für einen langen Urlaub, dann als Polizistin. (Warum das FBI das mitmacht? Ob sie trotzdem dasselbe Gehalt bezieht? Diese Fragen werden erst mal nicht thematisiert.) Sie kann diesen Ort nicht loslassen, zu faszinierend sind all die übernatürlichen Phänomene, die ihr begegnen – und dann reden auch noch alle von der “Zeit der Probleme”. Dass diese Zeit gerade wieder beginnt, wird schnell deutlich.
“Haven” spielt mit den klassischen Ängsten: Dass sich plötzlich der Boden auftut und einen verschluckt. Dass uns der Blitz trifft oder ein Sturm uns über die Kippen treibt. Und unter jeder Plane liegt garantiert ein Toter oder etwas anderes Verwesendes. Jeder einsame Schulkorridor wird zur Falle. Jedes ausgestopfte Tier erwacht irgendwann zum Leben. Kurzum: Jeder Albtraum wird Wirklichkeit. Und sogar der schöne Leuchtturm im Vorspann sieht plötzlich bedrohlich aus.
Während Priester durchdrehen und Ärzte zu Bestien werden, bleibt Parker (Emily Rose) immer cool, auf ihre eigene freundlich-distanzierte Art. Die Dialoge sind manchmal etwas holprig, besonders wenn sie ein bisschen mit dem Polizisten Nathan Wournos (Lucas Bryant) herumschäkern will. Rose sieht aus wie eine Mischung aus Elisha Cuthbert (Jack Bauers Tochter in “24″) und Anna Paquin (Sookie Stackhouse in “True Blood”), aber ihr fehlt die Renitenz der einen und der Charme der anderen. Mit ihrer spröden Art passt sie allerdings perfekt nach Haven. Nur einer fällt zwischen den trockenen Kleinstadtschleichern auf: Duke Crocker, ein Filou, der windige Geschäft macht und bald ein Restaurant geschenkt bekommt, in dem er weiter Frauen bezirzt und Parker anflirtet. Duke wird gespielt von Eric Balfour, den Serienfans als Milo Pressman aus “24″ kennen. Oder als Theresas Verlobten in “The O.C.”. Oder als Claires Freund in “Six Feet Under”. Er ist eigentlich immer zur Stelle, wenn man einen sexy Nichtsnutz braucht.
Das Nebenpersonal setzt sich aus den üblichen Freaks zusammen: Die Zeitungsreporter sind bebrillte Nerds, so ungeschickt wie neugierig und außerdem noch Brüder, der missmutige Polizeichef ist natürlich Nathans Vater. Aber sie sind nicht holzschnittartig gezeichnet, sondern durchaus liebevoll. Und allzu viel Gedanken kann man sich über sie ohnehin nicht machen, weil immer schon der nächste Schock wartet. Der Cliffhanger am Ende der letzten Folge von Staffel 1 ist dann so gemein, dass schwache Menschen wahrscheinlich das Internet konsultieren müssen, um schon mal zu nachzusehen, was es damit auf sich hat. Auch das gebe ich zu: Geduld war nie meine Stärke. Ich werde mir ein Vorbild an Audrey Parker nehmen. Falls die in Staffel 2 noch so gelassen bleiben kann …
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Tomas Tranströmer hat den Nobelpreis für Literatur gewonnen
06.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein, Literatur
Halten wir fest: Philip Roth hat den Literaturnobelpreis wieder nicht bekommen.
Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer ist ein würdiger Preisträger, auch wenn ich – außer auf den Webseiten von englischen Wettbüros – noch nie etwas über ihn, geschweige denn von ihm gelesen hat.
Bob Dylan, der von den englischen Buchmachern heiß gehandelt wurde
Bob Dylan, der sich weigert, seine Texte auf die Plattenhüllen zu drucken
Bob Dylan der „moon“ auf „spoon“ reimte, „my“ auf „pie“ und „cousin“ auf „buzzin’“
Bob Dylan, der seine Melodien und Texte zusammenmontiert aus den Melodien und Texten anderer Leute
Bob Dylan, der Copy/Paste erfunden hat, bevor jemand die Tastenkombination Strg+C/Strg+V kannte
Bob Dylan, der Triviales und Hochgeistiges, Literarisches und Cineastisches, lang Vergangenes und kaum Geschehenes mittels seiner Stimme zu einer Geschichte formen kann
Bob Dylan, der Stimmenimitator und der Maskenmann
Bob Dylan, der Erzähler
Bob Dylan, den wir nicht verstehen, weil seine Texte nicht aus Worten und Sätzen bestehen, sondern aus Silben und Lauten
Bob Dylan, der manchmal von der Sprache zu singen scheint, nicht von ihrer Bedeutung
Bob Dylan, der einem die Augen und Ohren nicht durch das öffnet, was er singt, sondern dadurch, wie er es singt
Bob Dylan, der Heimatlose
Bob Dylan, die Spur
Bob Dylan, der Bob Dylan singt, wir nur Bob Dylan Bob Dylan singen kann
Dieser Bob Dylan hat den Nobelpreis für Literatur in diesem Jahr nicht bekommen
Was ein bisschen schade ist, denn das hätte zumindest zu einigen Diskussionen geführt. So hat man morgen die ganze Zeremonie schon wieder vergessen. Auf den Titelseiten wird Steve Jobs (R.I.P.) stehen. Bob Dylan selbst wird es recht sein. Seine Unlust auf akademische Weihen und sonstige Ehrungen hat der Pulitzer-Preisträger schon des öfteren unter Beweis gestellt. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Princeton University 1970 verarbeitete er in seinem Song “Days Of The Locusts”.
“Oh, the benches were stained with tears and perspiration
The birdies were flying from tree to tree
There was little to say, there was no conversation
As I stepped to the stage to pick up my degree …”
Und er war schon damals froh, als er die universitären Hallen wieder verlassen konnte.
“I put down my robe, picked up my diploma
Took hold of my sweetheart and away we did drive”
Bob Dylan spielt heute abend in Dublin.
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Nachtrag: Literaturnobelpreis 2011 für den Stimmenimitator?
05.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Nun wird also tatsächlich Bob Dylan von englischen Buchmachern als der große Favorit auf den Nobelpreis für Literatur gehandelt. Im Falle des Falles wäre das eine ziemliche Sensation. Auf die Begründung kann man gespannt sein, wobei Dylan die beste natürlich schon längst selbst geliefert hat:
I’m listening to Billy Joe Shaver
And I’m reading James Joyce
Some people they tell me
I got the blood of the land in my voice
Eine Auszeichnung Dylans käme fast einer Neudefinition des Preises gleich. Denn ein Dichter im herkömmlichen Sinne ist er ja nicht. Der Reiz seiner Songpoesie liegt mindestens so sehr in der Performance wie in der Materialität. Das gilt natürlich für die Texte von Dramatikern auch, doch Dylans Werk ist zudem ohne diese spezifische Stimme, diesen Körper nicht denkbar. Und dann sind da natürlich noch all die anderen Stimmen aus Literatur, Musik und Film, die aus seinen Lieder immer wieder sprechen. Es wäre eine Auszeichnung für eine Tradition, für einen Stimmenimitator, für Liebe und Diebstahl.
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Ein letzter Abschied von R.E.M.
04.10.2011 | Autor: birgitfuss | in: Allgemein
Man muss das nicht lesen, wenn man all das Gewese um die Auflösung von R.E.M. gar nicht versteht. Aber weil ich persönlich ungefähr 237 Leute kenne, die seit zwei Wochen ähnlich traurig sind wie ich, kommt hier mein letzter Abschied von R.E.M. – jetzt aber wirklich. (Ist englisch, weil all die Songtexte und die Erinnerungen eben auch englisch sind.)
LIFE AND HOW TO LIVE IT – WHAT I LEARNED FROM R.E.M.
Peter Buck once said: “In a world that doesn’t make any sense, you have to make your own sense.” That’s harder than it sounds, so in the past decades I sometimes relied on R.E.M. for help. They seemed to know what they are doing, they hardly made mistakes – music wise and as human beings in the spotlight. They started as geeks in a small town and ended up being the best rock band in the world. On the way they showed us how that can be done without losing your integrity, without becoming a business instead of a band, and without looking stupid (except in that video, I know). Peter Buck never lost his wit, Mike Mills never lost his smile, Michael Stipe never lost his sensitivity. Bill Berry never lost his place in the band although he left in 1997. He was not replaced, they remained friends. Bertis Downs is the only manager I’ve ever met that seriously seemed to care about his band as much as about money or fame, just like everyone in the R.E.M. camp seemed to hold their love-me-or-leave-me high. In all these years I have learned a lot from this band and the way they handled their lives and career, and these are a few of those things. (I know you must never quote Michael’s lyrics and apply them to his or their real lives, but applying them to my own should be allowed, right? Right!)
“A perfect circle of acquaintances and friends”
If you live in a difficult world, surround yourself by people you trust. The more R.E.M. associates I met, the more I realized: Many of these people have been around for years and years. Not only Bertis who was their lawyer from beginning on, then their manager (after whatever happened with the first one, Jefferson Holt. Another lesson: If R.E.M. do not want you to know something, you’ll never find out. They are a bit like the mafia, no one talks if they agreed not to talk.), but also tour personnel, the people in the Athens office – while in the music business fluctuation seemed to be the only constant, R.E.M. remained a perfect circle. (See also: “We could gather, throw a fit…”)
“Heaven is yours where I live”
I went to Athens once (yes, “Pilgrimage”, laugh now, please!). I arrived on the day Bill Berry quit the band. No kidding. A guy from Olivia Tremor Control slammed the local newspaper on the table, headline: “Drummer leaving R.E.M.” I was dumbstruck. The first scene that came to my mind: R.E.M. being interviewed, Michael saying “If one of us was to leave this couch…“ – Bill interrupting: “… we would be a lot more comfortable” – everyone laughing, Michael continuing: “Yeah, but we would not be R.E.M. anymore.” They carried on, as a “three legged dog”, and they ran a long way. I try to see the 14 years since 1997 as an encore, so that the end doesn’t hurt as much. Without R.E.M., I might never have seen the beauty of the South, the red dirt, the kudzu, the gargoyles, the dreamlike afternoon sun on a front porch. The blurry dreams and myths. (See also: “It’s a Man Ray kind of sky…”, “Take a picture here, take a souvenir…”)
“We are young despite the years / We are concern / We are hope despite the times”
The Reagan years, the Bush years: While the American dream turned out to be a nightmare every now and then, R.E.M. tried to keep at least some of it alive. First by being active in the Athens community, then by saying sorry for the president and campaigning for “Vote For Change”. They always spoke their mind and didn’t care if lighter headed people thought they were way too serious. If you get the chance to be listened to, speak. If you get the chance to help, spend some time and money. If you happen to be a rock star, don’t be a stupid one. (See also: “Let’s put our heads together and start a new country up…” or “The only thing to fear is fearlessness”. And of course: “Try to tell us something we don’t know”. Or sometimes: “I feel better having screamed. Don’t you?”)
“Hey kids, rock and roll/ Nobody tells you where to go”
You can make lots of mistakes when you start a band. Peter Buck knew that, and he prevented R.E.M. from making a major one: splitting up copyrights. “All songs by (Berry,) Buck, Mills and Stipe” – that’s it on all R.E.M. records. They shared the credits, so no fighting about certain songs and royalties necessary. Nobody feels left behind, everyone is equal. (Which is of course easier when you have four talented guys and not just one or two.) So modesty is a good idea, but what else helps you making the right decisions? Mike Mills once said that R.E.M. first agree on all the things they do NOT want to do (commercials, sponsoring, trading credibility for heaps of money) – and then see what’s left. Enough apparently. Their egos never exploded, they kept their private lives to themselves as much as possible – and they kept their dignity. Or as Buck said: “If we were sleazebags we’d have a lot more fun. But you have to be stupid to live with it.” (See also: “This star thing, I don’t get it”, “I’m not commodity”)
“If you feel like you’re alone, no, no, no, you’re not alone”
It’s embarrassing to join a fan club if you are not 15 anymore. Even more so if you are a music journalist. But with R.E.M., it was just too good a deal to miss it. Send twelve dollars to Athens, get newsletters, special admission to concerts and most of all: the famous Christmas parcel with cards and calendars and stickers and a single every year – weird cover versions, Christmas songs, always a fun surprise. I suspect that all that cost more than my twelve dollars a year, but then again R.E.M. could afford to give presents to their fans. It’s just that I don’t know many other bands that do the same thing (apart from Pearl Jam). And not that many bands treat their fans with as much respect, even the weirdos. And R.E.M. attracted lots of weirdos, naturally.
“I’ll trip, fall, pick myself up and walk unafraid / I’ll be clumsy instead”
Some people feel comfortable in their skin, they move through life with ease, confident and calm. I am not one of them. So for me, it was always a relief to know that you don’t have to be super cool to be a success on your own terms. You can look like R.E.M. did in the beginning (glasses, bad hair, silly clothes) and still make it. You can behave like a nerd and become one of the greatest front men in rock music. You can wear a pyjama and turn into a rock star. It was absolutely unlikely that these four guys from Athens would be called the “best rock band in the world” by Rolling Stone one day, but that is exactly what makes them so irresistible to geeks and freaks around the world: They proved it’s possible. With talent and intelligence and stamina. (See also: “Perfect is a fault, and fault lines change…”, “Living Well Is The Best Revenge”, “You’re only as big as your battles”)
“Pick up here and chase the ride / The river empties to the tide / All of this is coming your way”
Of course all the decisions and the stubbornness, the ideals and the kindness wouldn’t amount to much if it wasn’t for the songs. All the wonderful, heartbreakingly beautiful songs. There is not one other band that I can always listen to, regardless of my mood. R.E.M. can soothe me, comfort me, and lots more. They can be uplifting and saddening and invigorating and hopeful. And they are never ever boring. You will always find something curious in the background, you will suddenly see a lyric in a different way, you will discover a new meaning. Some lines stick with you for the rest of your life (like “Not every one can carry the weight of the world”), some others you will never understand at all (“Gardening At Night” anyone?). There is a beauty in R.E.M. that escapes every description, it’s joy and wonder. (See also: “Music will provide the light you cannot resist” and countless others – “eviscerate your memory…”)
“Every day is yours to win/ And that’s how heroes are made”
As Lester Bangs once wrote: “It’s tough having heroes. It’s the hardest thing in the world. It’s harder than being a hero.” Because you have to live with the constant fear that they might disappoint you. Which R.E.M never did, not really. Okay, so for an hour or two I felt like they let me down by calling it quits, just like that. But then I remembered that this is the one band that is obviously not able to do something if they can’t commit themselves to it 100 percent. And if they can’t continue as R.E.M. right now, hats off to them for being brave enough to admit it. They have been in R.E.M. all their adult lives, so who am I to complain about having to live without them?
It’s not like years ago. By now I have made my own sense, I don’t need R.E.M. anymore. I just loved having them around, and I will miss them. Not as heroes, but as musicians, people, allies.
“Now is greater than the whole of the past.”
Tags: R.E.M.
Gewinner und Verlierer, Nazan und Tante Eckes: “Der deutsche Fernsehpreis”
03.10.2011 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Da wird “Der deutsche Fernsehpreis 2011″ vergeben, und wer darf’s moderieren? Marco Schreyl! Der Mann, der gar nichts kann. Neben ihm steht – ein bisschen hölzern – Nazan Eckes, der man als Frisur ein kaputtes Vogelnest auf den Kopf gesetzt hat, das zu dem aufgerüschten Kleid passt: Die sonst so hübsche Moderatorin sieht aus wie ihre eigene biedere Tante. Dabei sind wir doch gar nicht bei der ARD, sondern bei RTL.
Hannes Jaenicke darf den Preis für die “Beste Serie” verleihen. Vielleicht hätte er nicht “24″, “Mad Men” und “Breaking Bad” aufzählen soll, dagegen wirken die nominierten deutschen Produktionen dann doch bieder. “Weissensee” gewinnt gegen “Der letzte Bulle” und “Doctor’s Diary”, Diana Amft zieht eine kleine Schnute, aber sie hat ja noch ein paar Jahre Zeit, und Produzentin Regina Ziegler sei der Preis endlich mal gegönnt – selbst wenn “Weissensee” dick aufgetragen und allzu vorhersehbar war. Eine gute alte Ost/West-Tragödie schlägt eben immer noch jede leichte Unterhaltung. Allerdings schlägt das Nazi-Drama-Spektakel “Hindenburg” dann wiederum “Go West” in der Kategorie “Bester Mehrteiler”.
Wladimir Klitschko (“Beste Sportsendung”) stammelt wie immer langweiliges Zeug. Rolf Seelmann-Eggebert (“Besondere Leistung”) freut sich wie Bolle über Ulla Kock am Brinks holprige Laudatio und erinnert an die vier Karrieren, die er vor der Hofberichterstattung hatte, an elf Umzüge und eine Familie, die das alles mitgemacht hat. Sehr sympathisch. Vielleicht bin ich heute abend auch besonders milde, ich finde sogar Dieter Nuhr ganz lustig. “Beste Show” geht an den “Eurovision Song Contest”, und Anke Engelke zeigt noch einmal, was sie kann. Im Gegensatz zu Judith Rakers zum Beispiel: charmant sein. Später bekommt sie auch den “Comedy”-Preis, erspart uns damit Bülent Ceylan und freut sich noch mehr.
Natürlich wird Loriot gefeiert, und anschließend als “Bester Schauspieler” Jörg Hartmann für seine Stasi-Rolle in “Weissensee”. Ich hätte es Justus von Dohnanyi gegönnt, aber der ist wohl nicht vor Ort. Dafür bekommt Denis Scheck das verdiente Lob und sagt zum Dank ein Robert-Gernhardt-Gedicht auf – im Privatfernsehen! Herrlich! Dass danach die Toten des Jahres vom pathetischen Gedröhne des Grafen untermalt werden, muss man aushalten können. Aber: Bernd Eichinger. Liz Taylor. Curth Flatow – da hätte man schon Würdigeres auffahren können als nervös herumfahrende Wackelkameras und “Geboren um zu leben”.
“Dokutainment” muss heutzutage auch ausgezeichnet werden. Daniela Katzenberger scheint glücklicherweise abgemeldet, also gewinnt “Stellungswechsel” gegen den “Wettlauf zum Südpol”. Joey Kelly verliert nicht gern, man sieht’s. Markus Lanz auch nicht, aber seine Fassade sitzt. Bei der Kategorie “Schauspielerin” hatte es die Jury schwer: Maria Simon? Alexandra Neldel? Nein, es gewinnt Nina Kunzendorf, völlig zu Recht. Nach ihrer bedächtigen Rede flüchtet sie fast von der Bühne und sinkt selig lächelnd in den Sessel. “Bester Fernsehfilm” wird dann “Homevideo”, und plötzlich kommt Tante Eckes als junge Nazan zurück – mit lockeren Locken und scharfem Kleid. Über meiner Erleichterung hätte ich fast den “Förderpreis” für Jonas Nay verpasst. Die Sendung nimmt aber auch kein Ende, jetzt kommt noch der dröge Johann König und schon wieder Werbung – bald dauert der “Deutsche Fernsehpreis” länger als die “Oscars”, und die Versuchung, zu “Becker” umzuschalten, wird immer größer.
Das Finale beginnt mit dem Preis für die “Beste Information”, Ranga Yogeshwar holt ihn. Fukushima-”Brennpunkt” schlägt also Antonia Rados vs. Gaddafi, die Euro-Krise hatte sowieso keine Chance. Als “Beste Reportage” wird “Adel vernichtet” ausgezeichnet, die Oppenheim/Schickedanz/Karstadt-Tragödie. Allzweckwaffe Christine Neubauer darf noch eine “Besondere Leistung” würdigen, die Spielfilm-Trilogie “Dreileben”. Haben zwar nicht viele Leute gesehen, doch die sollen begeistert gewesen sein.
Nach drei Stunden endlich: der Showdown! Für den begehrten “Publikumspreis” stehen zur Auswahl: Günther Jauch und Stefan Raab sowie Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen wohl als eine Person durchgehen, weil sie gemeinsam alles moderieren können, was das deutsche Fernsehen so hergibt. Haben natürlich leider trotzdem keine Chance – gegen Raab, der tatsächlich mal überrascht ist, dass nicht Jauch das Rennen gemacht hat. Sogar die strenge Sonja Zietlow nickt anerkennend.
Auftritt: Frank Elstner, drei Minuten Laudatio für Joachim Fuchsberger, die sich wie zehn anfühlen. Ich kann mich gerade noch wachhalten – vor allem, weil ich so gern Blackies gnädiges Lächeln sehe. Und weil schließlich natürlich alle aufstehen und applaudieren, bis jeder ganz gerührt ist – auch der Alte, der sich mit der amüsantesten Rede des Abends auch für das “Sitzfleisch” des Publikums bedankt. Er schaut sich den Ehrenpreis an und sagt: “Auf dich habe ich gerade noch gewartet.” Joachim Fuchsberger hat solche Trophäen nicht mehr nötig, aber er nimmt sie gern – und verabschiedet sich mit den Worten: “Mein Herzenswunsch heißt: Auf Wiedersehen!”
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Literaturnobelpreis 2011. Die Nominierten
03.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Literatur
Am Donnerstag wird wieder einmal der Nobelpreis für Literatur vergeben. Ich weiß gar nicht, warum man da jedes Jahr wieder hinschaut, um dann hinterher doch wieder in den alten Post-Preisverleihungsdiskurs zu verfallen, der ungefähr so geht:
1. Philip Roth hat ihn wieder nicht bekommen.
2. All die Großen haben ihn nicht bekommen (was ja nicht mal stimmt, siehe Hamsun, Mann, Eliot, Faulkner, Hemingway, Beckett, Bellow, Coetzee etc).
3. Der Nobelpreis für Literatur ist kein literarischer, sondern ein politischer Preis.
4. Wieder ein würdiger Preisträger dieses Jahr, auch wenn man noch nie was von ihm gehört, geschweige denn gelesen hat.
Kann natürlich sein, dass die Akademie doch ein Einsehen hat und Roth den Preis jetzt, wo Updike tot ist, als einer der letzten Vertreter seiner Art (unglaublich amerikanisch, unglaublich männlich) doch noch bekommt. Dann aber sicher für die falschen Romane. Auch Cormac McCarthy wird in den Wettbüros zurzeit heiß gehandelt. Der letzte amerikanische Preisträger ist auch schon wieder eine Weile her (Toni Morrison, 1993). Wäre ja eine nette Geste, jetzt wo das mit dem Weltmacht-Sein allmählich zuende geht … Wobei Don DeLillo oder Thomas Pynchon sicher die inspiriertere Wahl wären. Auch Bob Dylan wird mal wieder gehandelt. Aber das ist natürlich ein Missverständnis. Wo es doch seit neuestem keine Rolle mehr spielt, ob der Preisträger noch unter den Lebenden weilt, wäre vielleicht Roberto Bolano eine gute Alternative.
Falls das Komitee um Per Wästberg noch Anregungen braucht, hier wären meine Favoriten:
1. Der amerikanische Essayist und Übersetzer Eliot Weinberger, der schon seit langer Zeit die alte Morrissey-Weisheit „America Is Not The World“ beherzigt. Zudem sind seine lyrischen Texte über Götter und die Welten der reinste Genuss.
2. William T. Vollmann, der mindestens so männlich und so amerikanisch ist wie Philip Roth, John Updike und Cormac McCarthy zusammen (er schrieb einen Romanzyklus über Männer und Prostituierte, einen anderen über die Besiedlung des amerikanischen Kontinents), und manchmal gar mit geladener Knarre zur Lesung erscheint. Seine weit über 3000 Seiten starke akribische Abhandlung über Gewalt, „Rising Up, Rising Down“, hat jeden Preis der Welt verdient. Sein „Europe Central“ ist vermutlich einer der packendsten Romane über den Zweiten Weltkrieg überhaupt.
3. Peter Handke – warum? Weil er die schönste Sprache von allen hat – sublim und surreal. Weil er der formal und inhaltlich spannendste und mutigste deutschsprachige Schriftsteller seiner Generation ist. Weil man die (politische) Begründung gerne lesen würde. Weil er vermutlich ablehnen würde.
4. Der umstrittene niederländische Großschriftsteller Adrianus Franciscus Theodorus van der Heijden (kurz: A.F.Th.), der mit seinem Romanzyklus „Die zahnlose Zeit“ einen bilderreichen, sprachmächtigen, dionysischen Romanzyklus verfasst hat, der alle weiteren Coming-of-age-Romane quasi obsolet macht. Nun misst er sich in seinem zweiten Romanzyklus “Homo Duplex” nobelpreiswürdig nur noch mit den griechischen Göttern.
5. Der Engländer Howard Jacobson, der seit vielen vielen Jahren außerhalb seiner Heimat fast unbemerkt einige der komischsten, gewitztesten Romane darüber geschrieben hat, was es heißt, im Hier und Jetzt zu leben.
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