Einträge von: Februar 2012
Davy Jones, 1945-2012
29.02.2012 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Chip: „7A“
Davy: „What number is this Chip?“
Chip & Mike & Pete & Micky: „7A!!!!“
Davy: „Ok, you know what I mean, like don’t get excited man, it’s because I’m short I know.“
Vielleicht musste es der 29. Februar sein, dieser nur alle vier Jahre unnatürlich in den Kalender gequetschte Tag, der der größten Casting-Band aller Zeiten ein Ende bereitet. Am Morgen dieses Tages ist Davy Jones, Sänger der Monkees, in Indiantown, Florida nach einem Herzinfarkt gestorben. Er war die Stimme so unglaublich perfekter Popsongs wie „I Wanna Be Free“ und „Daydream Believer“, die noch immer die Welt anhalten können, wenn sie im Radio laufen.
Jones wurde am 30. Dezember 1945 in der Nähe von Manchester geboren. Mit elf spielte er eine Rolle in der englischen Soap Opera „Coronation Street“. Als er 14 war, starb seine Mutter und er ließ sich zum Jockey ausbilden. Doch schon bald zog es ihn zurück ins Showbiz. Er sang Musicals im Londoner Westend, brachte es schließlich bis zum Broadway und trat in der Ed-Sullivan-Show auf. In derselben Folge wie die Beatles. Die vier Landsleute aus Liverpool sollten entscheidend werden für seine weitere Karriere.
Nachdem die aufstrebenden Filmemacher Bob Rafelson und Bert Schneider den Fab-Four-Film „A Hard Day’s Night“ gesehen hatten, kam ihnen die Idee für eine Comedy-Show um eine Boyband. Davy Jones ging zum Casting und war der erste, für den die beiden Macher sich entschieden. Dazu kamen schließlich ein Folkie aus Greenwich Village namens Peter Tork, ein Singer/Songwriter aus Texas namens Mike Nesmith und der ehemalige Kinderstar Micky Dolenz. Nur zwei von ihnen konnten wirklich ein Instrument spielen, aber gute Musiker gab es genug in Los Angeles. Dazu engagierten Rafelson und Schneider einige der besten Songwriter des Landes – Goffin/King, Boyce & Hart, Neil Sedaka, Neil Diamond … Davy, Mike, Pete und Micky liehen der imaginären Band ihre Körper und ihre Stimmen. So entstand „The Monkees“ – Anarchie für den Fernsehschirm und Gold für die Plattenläden.
Hey, hey, we’re the Monkees
And people say we monkey around.
But we’re too busy singing
To put anybody down.
We’re just tryin’ to be friendly,
Come and watch us sing and play,
We’re the young gneration,
And we’ve got something to say.
Vor allem Nesmith und Tork sahen sich allerdings als ernsthafte Musiker und legten sich bald mit ihrem Produzenten Don Kirshner an. Und so kam es, dass die Monkees sich mit wachsendem Erfolg der Show langsam emanzipierten, aus der Fiktion heraustraten und eine echte Band wurden. Für ihr drittes Album setzte Nesmith seinen Freund Chip Douglas als Produzenten ein, alle Bandmitglieder steuerten Songs bei und spielten die Instrumente selbst– Dolenz hatte für die erste Tournee Schlagzeug gelernt, Nesmith spielte Gitarre, Tork den Bass und der an Statur eher kleine Mädchenliebling Davy Jones, der bei Konzerten immer vorne stehen musste, schlug das Tamburin. So entstanden 1967 mit „Headquarters“ und „Pisces, Aquarius, Capricorn & Jones Ltd.“ zwei Meisterwerke des 60s-Pop. Zeitgeistsampling mit Beatles-Pastiche und Countrysong, klassischem Bacharach-Pop und surrealen Albernheiten.
Die TV-Serie profitierte anfangs ebenfalls vom neuen Selbstverständnis der Band. Die Gags wurden subtiler, das Gelächter vom Band verschwand, die Bandmitglieder führten selbst Regie, spielten mit dem Medium und ihrer eigenen Rolle darin und luden „richtige“ Musiker ein. In der vorletzten Folge ist Frank Zappa zu Gast, in der letzten Tim Buckley. Doch als die Fernsehserie beendet war, schien auch die Band auseinanderzufallen. Ebenso wie Lennon, McCartney, Harrison und Starr gingen auch Nesmith, Dolenz, Tork und Jones zu dieser Zeit immer seltener gemeinsam ins Studio und nahmen ihre Songs lieber ohne die Bandkollegen mit professionellen Studiomusikern wie der legendären Wrecking Crew auf. Nesmith veröffentlichte 1968 ein erstes Soloalbum mit Instrumentalstücken (George Harrison übrigens auch). Im selben Jahr entstand der dadaeske, zynische Spielfilm „Head“, für den Bob Rafelson und Jack Nicholson das Drehbuch schrieben. Auch den Erkennungssong der Band wandelten sie ab.
Hey hey we are the Monkees
You know we love to please
A manufactured image
With no philosophies
Der Film war naturgemäß ein Flop. Denn die Betriebsgeheimnisse des Pop plaudert man nicht ungestraft aus. Tork verließ kurz darauf die Band, ein Album später ging auch Nesmith, der anschließend einige wundervolle Songwriteralben veröffentlichte, MTV erfand und zum Internet-Pionier wurde. Die drei anderen Monkees versuchten sich erfolglos an Solokarrieren, Jones und Dolenz arbeiteten zudem öfter zusammen. Später gab es einige traurige Reunions – mal mit, mal ohne Nesmith. Jones, Dolenz and Tork spielten das letzten Mal im Sommer 2011 als The Monkees , brachen die gemeinsame Tour aber aufgrund von Streitigkeiten ab.
Doch all das kann die großen Taten dieser Band, den Charme, den Witz und die Melodien nicht zerstören. Die Monkees waren gemacht, und sie waren echt, sie kopierten, und sie erfanden, sie waren die ersten Roboter, die die Weltherrschaft übernahmen, und sie waren Pioniere des Country-Rock – eine zeitlang beherrschten sie das bunte Spiel namens Pop besser als jeder andere Künstler auf diesem Planeten. In der offiziellen Geschichtsschreibung kommen sie trotzdem nicht vor. So wurden sie etwa nicht in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Wohl weil Buchhalter und amerikanische Rockjournalisten sie nicht mögen. Man könnte auch sagen: Die Monkees sind keine Band fürs Museum, sie sind und bleiben eine Band für den Moment. Das ist Pop im eigentlichen Sinne. Davy Jones, dessen Todestag sich nur alle vier Jahre jährt, war der erste Monkee, R.I.P.
Tags: Davy Jones · Monkees · Nachruf
“Leute, Leute!”: Die Gruberin im ZDF
22.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Das jüngste Kabarettprogramm von Monika Gruber hieß “Wenn ned jetzt, wann dann!”, und als das ZDF verkündete, dass die Komikerin eine eigene Sendung bekommt, dachte man genau das. Die 40-Jährige aus Tittenkofen war längst zu lustig für den “Kaiser von Schexing”, sie hatte sich bei “Wetten, dass..?” elegant aus der Affäre gezogen, als ihr Teleprompter ausfiel – und jetzt also endlich der Triumph: raus aus dem Regional-, ab ins Spätprogramm. Ihre Sendung heißt “Leute, Leute!”, was nicht unabsichtlich an das Boulevard-Magazin “Leute heute” erinnert. Auch bei Gruber geht es “um Prominente, Celebrities, Adelige und andere Leute ohne richtigen Beruf”.
Routiniert spottet Gruber über Wulff und Wepper – am schönsten ist dabei, wie sie immer “G’sicht” sagt und noch bayrisch genug schwatzt, um sich auch derbere Scherze erlauben zu können – im Dialekt klingt vieles einfach eher niedlich, wenn es nicht gerade allzu gschert (für Nicht-Bayern: grob) ist. Zum Thema Whitney Houston fällt ihr dann allerdings auch nur “Scho’ schlimm, ge?” ein, gefolgt von einem Wendler-Witz. Am besten ist sie, wenn sie nicht die leichten Promi-Opfer, sondern das Reporter-Personal aufs Korn nimmt – auch der eigene Sender wird nicht verschont: Herrlich, wie Gruber das gestelzte Bussi-Bussi-Getue der sogenannten Society-Expertin Nadja “fröstel, fröstel” Al-Chalabi bloßstellt.
Etwas unlustig sind leider all die Gäste, die Grubers Redefluss stören und auch sonst nicht viel beizutragen haben. Das Pointen-Pingpong mit Sebastian Pufpaff funktioniert nicht, weil dessen Sätze so einstudiert wirken, dass man nicht mal darüber lachen kann, dass so ein graumelierter Schmierlappen von “Bunga-Bunga-Nutten-Vögelei” redet. Merke auch: Umfragen beim Karneval sind niemals lustig, niemals. Auch nicht, wenn sie von Markus Lanz handeln.
Der grasierende Diät-Wahnsinn ist natürlich ein leichtes Ziel für Monika Gruber (die selbst ja einst an Magersucht litt), da bräuchte es die – zugebenermaßen amüsante – Maren Kroymann als “Idylle Seichtenberg” gar nicht. Und dann kommt auch noch Oliver Kalkofe zum Thema “Der Bachelor” (RTL). Natürlich stimmt jeder der gedrechselten Sätze des obersten Fernsehkritikers, natürlich ist das eine grausame Sendung, in der Frauen sich auf peinlichste Weise anbieten – und der Typ auch nichts anderes ist als das männliche Pendant zu einer billigen Schlampe, die obendrein noch aussieht und spricht wie Dieter Bohlen. Wirklich übel, dieses Format. Heute ist das Finale. Wird er die energische Anja oder die süße Sissi wählen? Ich wünschte, ich würde die Namen nicht kennen! Aber dann hätte ich ja auch Georgina, Katja und Jin-Jin verpasst – und andere Verzweifelte ohne richtigen Beruf. Leute, Leute!
Tags: Der Bachelor · Leute Leute! · Maren Kroymann · Monika Gruber · Oliver Kalkofe
Jetzt offiziell: “House” hört auf
09.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Eine kleine Meldung auf Facebook bestätigt die schon lange kursierenden Gerüchte: “After much deliberation, the producers of ,House M.D.’ have decided that this season of the show, the 8th, should be the last. By April this year they will have completed 177 episodes, which is about 175 more than anyone expected back in 2004.” Gut und schön, aber: warum?? Natürlich hatte Hugh Laurie schon häufiger den Blues und fragte sich, wie lange das noch so weitergehen könne – immer humpeln, immer Medikamente einwerfen, immer scheitern beim Versuch, mit den Mitmenschen auf gewöhnliche Weise zu kommunizieren. Und natürlich war es nach dem katastrophalen Ende der Liebe zu Dr. Cuddy schwierig, sich vorzustellen, dass es noch einmal eine so packende Staffel geben könnte. Aber selbst wenn eine neunte Staffel von “House” nur halb so gut gewesen wäre wie die ersten sieben (die achte läuft auf RTL erst ab dem 6. März), dann heißt das immer noch: besser als 90 Prozent aller anderen Serien. Der lustige Hank Lawson aus “Royal Pains” ist kein Trost, die launische “Nurse Jackie” auch nicht. Also hat Gregory House wieder mal recht: “Things change. Doesn’t mean they get better.”
Tags: House · Hugh Laurie · Nurse Jackie · Royal Pains
Eva, KK und “Das perfekte Model”
01.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Als die Trailer langsam nicht mehr auszuhalten war, ging es endlich los – gestern abend: “Das perfekte Model” auf Vox. Zwischen “Unser Star für Baku” und “DSDS”, “The Voice Of Germany” und “Germany’s Next Topmodel”, nach Dschungelcamp und vor “X-Factor” war eine Castingshow aber auch dringend nötig! Und dann noch eine mit solch einem Duo. Es ist – um noch einmal mit Heidi Klum zu sprechen – wunderhübsch, wie gut sich Eva Padberg und Karolina Kurkova ergänzen. Die eine schaut dauernd belämmert bis grimmig, dafür lächelt die andere immer, wenn sie nicht gerade eine Schnute zieht. Deutsche Disziplin trifft auf tschechische Listigkeit – und natürlich sehen beide dabei permanent gut aus. Padbergs spitze Nase passt zu ihren strengen Klamotten, Kurkovas riesiges Gebiss korrespondiert mit den furchteinflößenden Lederhosen, in denen die längsten Beine der Welt stecken. Natürlich erzählen beide, wie schüchtern und unsicher sie früher waren. Laaaaaangweilig.
Sprachbarrieren haben auch beide. Padberg versucht, nicht zu sächseln und dermaßen professionell zu klingen, dass dagegen sogar Heidi Klum natürlich wirkt. KK (so nennt sie sich selbst) spricht putziges Englisch, das aber immerhin, ohne sich allzu große Mühe damit zu geben. Klischees? Klar, gern: Ein Model muss Persönlichkeit haben! Das gewisse Etwas haben! Und – Achtung, Eva weiß es noch besser! – auch mal “unperfekt” sein. Echt! Dabei bemühen sich alle Kandidatinnen, den Anforderungen zu entsprechen – ein Mädchen ist ehrgeiziger als das andere, dünner sowieso. Und ein Transvestit darf auch ein bisschen mitmachen, für die lustige Mischung. Eine Stunde lang habe ich durchgehalten und noch mitverfolgt, wie Padberg an der Uni Münster kein Talent fand, auch im Einkaufszentrum war es schwierig. Kurkova ging lieber gleich zu einer Model-Agentur, die hatten ein hübsches Mädchen im Angebot. Dann musste ich umschalten – zu “Royal Pains”, das immer mit den schönen Zeilen von The Blue Van beginnt: “My independence went away/ I didn’t listen when it said/ ‘Rely on yourself! Trusting someone else/ Is a path for the silent ghost’.” Hat den Model- Aspirantinnen keiner gesagt.
Tags: Das perfekte Model · Eva Padberg · Karolina Kurkova · Royal Pains
