Der überregionale Charme von “München 7″

Die Bayern übernehmen das öffentlich-rechtliche Fernsehen: Erst bekam die Kabarettistin Monika Gruber ihre eigene ZDF-Show (“Leute, Leute!”), jetzt ermittelt das bewährte Team von “München 7″ mittwochs als Teil der “Heiter bis tödlich”-Reihe in der ARD. G’scheit! Schließlich ist Franz Xaver Bogers Serie viel zu unterhaltsam, um im Bayrischen Rundfunk zu versauern. Was für ein Team, was für G’schichten! Ich muss schon lachen, wenn ich den breiten Rücken von Andreas Giebel sehe – und den kritischen Blick, mit dem er nicht nur Kriminelle straft. Und die Gruberin ist auch dabei! Leider bringt sich als Standlfrau Elfi wieder die unsinkbare Christine Neubauer in Position (Hände in die Hüften, Ausschnitt nach vorn schieben, entrüstet gucken – wie immer), aber sie soll ausnahmsweise nicht weiter stören.

Bogner erschuf in den 80er-Jahren die wunderbaren Serien “Irgendwie und sowieso” (u.a. mit Ottfried Fischer, Olivia Pascal und Elmar Wepper) und “Zur Freiheit” (u.a. mit Ruth Drexel, Michaela May und Udo Wachtveitl), dann noch mehr als ein Jahrzehnt lang “Cafe Meineid”. Seit 2007 kümmert er sich um den “Kaiser von Schexing” – und nachdem “München 7″ 2004 und 2006 so erfolgreich im Dritten lief, kommt die Fortsetzung jetzt also in der ARD – 16 Folgen wurden zunächst gedreht.

Im Mittelpunkt steht natürlich wieder das Polizisten-Duo Xaver Bartl (Giebel) und Felix Kandler (Florian Karlheim). Der eine wird von seiner unerfüllten Liebe zu Elfi gequält, der andere von seiner ehrgeizigen Ehefrau. Und die Verbrechen? Ach ja, die! Eigentlich wurscht, aber es geht einerseits um alberne Flashmobs (ein zu modernes Konzept für die angebliche “Weltstadt mit Herz”), andererseits um die Kosmopolitin Moni, deren hochnäsige Penetranz und wütende Verzweiflung von Gruber mit voller Wucht ausgespielt wird – sie hat aber auch Grund dazu: Ein mieser Typ namens Angelo hat sie übers Ohr gehauen, und jetzt steht sie ohne Geld und Papier am Flughafen. Die Moni hat allerdings Glück, denn sie kennt den Xaver, der bürgt für sie, “total und ganz gern”. Sie dankt’s ihm nicht wirklich, aber ein bisschen Spaß hat er mit der wilden Blondine schon – und der wird weitergehen, denn das Ende ist – ganz krimi-untypisch – offen, der Fall nicht gelöst.

Das heimelige “Hotel am Markt”, das Bartls Schwester Irmi gehört, der Viktualienmarkt, das altmodische Revier – natürlich wird München hier wieder als Puppenstube dargestellt, als gemütliches Weltdorf, dessen Bewohner zwar manchmal grantig sind, aber niemals richtig böse. Das spießige Kleinbürgertum kommt eher nicht vor, zumindest nicht in all seiner Grässlichkeit. Doch wer will schon, dass eine Fernsehserie allzu realistisch ist! Dieses München guckt man sich gern an, und Giebel bewegt sich darin wie eine Schildkröte im Terrarium – bedächtig, stets alles im Blick, nur im Notfall zuschnappend. Aber wo ist Eisi Gulp als Feuerwehrmann Wasti geblieben? Der fehlt noch!

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