Rätseln mit “Rizzoli & Isles”

Eigentlich gibt es ja schon mehr Krimi-Serien, als ein arbeitender Mensch anschauen kann. Und genügend coole Rechtsmedizinerinnen (“Body Of Proof”!) und abgebrühte Polizistinnen (“Die Chefin”!). Außerdem läuft mittwochs schon “Desperate Housewives”, wo auch immer ein Toter die Stimmung verdirbt. Trotzdem: Eine Chance kann man “Rizzoli & Isles” (VOX) mal geben. Die Serie entstand nach den Büchern von Tess Gerritsen, spielt in Boston und bedient sich der genretypischen Spannungs-Zutaten: Zwei attraktive Frauen – Ermittlerin Jane Rizzoli (Angie Harmon) und Forensikerin Dr. Maura Isles (Sasha Alexander) – lösen komplizierte Fälle, wobei die eine “nebenbei” noch von einem Serienmörder verfolgt wird. Erinnert ziemlich an “Profiler”, bloß leider ohne Südstaatenflair und den subtilen Grusel.

Besonders raffiniert ist zumindest der Auftakt der Geschichte nicht, und die hölzerne Übersetzung hilft da kaum. Ich bin ja normalerweise gern bereit, Synchronisationen zu verteidigen (etwa die von “True Blood” oder “House”), aber hier hat man sich offensichtlich wenig Mühe gegeben. Welcher normale Mensch würde denn eine Bestie, die gefinkelte Pläne entwirft, um einen umzubringen, als “Schleimscheißer” bezeichnen? Nicht einmal eine trockene Beamtin wie Jane Rizzoli. Die Besetzung ist vielleicht der größte Schwachpunkt der Serie: Das herbe Ex-Model Harmon ist angeblich erst 39, sieht aber Jahre älter aus – so dass es irgendwie surreal wirkt, dass ihre Mutter von Lorraine Bracco (Dr. Melfi bei den “Sopranos) gespielt wird. Wenn deren Rolle noch größer wird, wenn sich ein paar Ungereimtheiten auflösen und die Fälle etwas origineller werden – dann verstehe ich vielleicht auch die irren Einschaltquoten, die “Rizzoli & Isles” in den USA eingefahren hat. Die Original-Folgen tragen übrigens Titel wie “Sympathy For The Devil”, “I Kissed A Girl” und “Born To Run” – ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das eingedeutscht wird. Geboren um zu rennen!

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