Einträge von: April 2012
Erotisches mit Bon Iver
27.04.2012 | Autor: Daniel Koch | in: Netzfundstück
Dass es im Internet auch Platz für die obskursten erotischen Vorlieben gibt, ist kein Geheimnis. Dass es aber auch Menschen gibt, die sich erotische Geschichten mit Bon Iver in der Hauptrolle ausdenken, hätte man jetzt nicht unbedingt gedacht. Dennoch gibt es nun seit zehn Tagen den Tumblr-Blog http://boniverotica.tumblr.com, auf dem nun in schöner Regelmäßigkeit und stets in knappen Zeilen über Zweisamkeiten mit Justin Vernon sinniert wird. Den Anfang machte diese Szene: “Bon Iver woke me up this morning with 40 solid minutes of loving cunnilingus, then whistled a new song while he pulled on his Carhartt jeans.” Na denn…
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“Beavis und Butt-head” sind zurück
18.04.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Ach, ich habe sie vermisst! Damals, in den 90er-Jahren, habe ich sie zuerst gehasst, weil sie das lästige Klischee des depperten Metal-Fans zu verkörpern schienen, aber dann musste ich sie doch mögen, weil sie so witzig waren. Und in ihrer Hässlichkeit und Gehässigkeit so rührend. Außerdem waren ihre Popkultur-Analysen stets einwandfrei. “Beavis And Butt-head” trafen auf ihre uneloquente, dumpfe Art sehr oft den Nagel auf den Kopf, und das hat sich nicht geändert. Wie auch sonst nichts. Erwachsen werden die beiden nicht mehr – zum Glück. Butt-head trägt immer noch sein AC/DC-, Beavis sein Metallica-Shirt, und beide sitzen natürlich auf ihrer versifften Couch. Beavis klingt ein bisschen tiefer, aber der größte Unterschied zu damals ist: Es gibt jetzt kaum noch Musikvideos, die man auf MTV gucken könnte (geschweigen denn Hair-Metal- oder Grunge-Bands), deshalb sprechen sie über Sendungen wie “Teen Mom” und “The Bachelor” – oder über die lahmen Vampire in “Twilight”. Folgender Dialog zeigt, wie sehr die beiden Bescheid wissen:
Butt-head: “How come everyone whispers in these movies?”
Beavis: “They are probably embarrassed.”
Ich muss schon lachen, wenn ich die beiden lachen höre. Früher konnte ich das Gegacker von Beavis so gut nachmachen, dass meine Schwester Angst bekam. Heute schaut mich mein Kollege ein bisschen komisch an, dass ich immer noch über die pubertären Späße der beiden lachen kann und darüber, wie sie ein Skrillex-Video auseinandernehmen. Aber sie machen das doch mindestens so gut wie Stefan Raab! Nicht ganz so lustig ist es leider, wenn sie sich über armselige Pornosüchtige in einer Reality-Show lustigmachen – das sind einfach zu billige Opfer. LMFAO hingegen – da sind die beiden Philosophen in ihrem Element:
Beavis: “I thought that, like, the economy sucks and that, like, nobody has a job, but these guys are just spraying around expensive champagne everywhere!”
Butt-head: “I heard they have, like, a really rich dad. And then that one tall dude is the other dude’s uncle and then, like, their grandpa is, like, the same guy. So they don’t care.”
Beavis: “Really?”
Butt-head: “Too bad we weren’t born as them.”
Gut, dass wir nicht als Beavis oder Butt-head geboren sind! Zu viele Hormone, zu viel Ablehnung, zu viel Stress im Sportunterricht. Aber wir schauen nächste Woche gern wieder vorbei.
Tags: Beavis und Butt-head · MTV · Twilight
Ravi Shankar: Anoushka zum 92. Geburtstag ihres Vaters
07.04.2012 | Autor: Daniel Koch | in: Allgemein
Am Ostersamstag hat Ravi Shankar Geburtstag. Der berühmteste Sitarspieler der Welt wird 92 Jahre alt. Mit Ravis Tochter Anoushka sprach Lars Friedrich über die magische Beziehung ihres Vaters zur Musik und seinen gesundheitlichen Zustand.
Er ist der berühmteste Sitarspieler der Welt – und einer der ältesten. Ravi Shankar wurde am 7. April 1920 in Indien geboren. Er brachte den Beatles und damit der gesamten westlichen Welt klassische indische Musik näher. Am Ostersamstag wird Ravi 92 Jahre alt. Er tritt immer noch auf. „Es ist fast so, als würde er wachsen, während er spielt“, sagt Anoushka Shankar, „man glaubt, er würde jünger, stärker werden.“ Anoushka ist Ravis Tochter und ebenfalls Sitarspielerin. Mit ihr führten wir nicht nur ein ausführliches Interview, sondern unterhielten uns auch über ihren Vater, der zugleich ihr musikalischer Lehrer war.
„Ravi hat mich als Musikerin sehr geformt. Im 20. Jahrhundert war er definitiv der berühmteste Sitar-Spieler. Selbst wenn ich ihn nicht gekannt hätte, wäre er also wahrscheinlich ein starker Einfluss gewesen. Ravis Stil ist sehr eigen: Auch an den sehr aufregenden und schnellen Stellen weicht er nie vom Kern der Ragas (indische Melodieformen) ab. Er findet immer einen Weg, um eindrucksvolle Sachen zu tun, aber dabei trotzdem stets dem Charakter des Ragas treu zu bleiben. Das zählt zu seinen großen Stärken und hat mir immer viel bedeutet. Aber was mich mehr als alles andere gepackt hat, war Ravis Liebe zur Musik. Neben den Konzerten habe ich ihm natürlich auch jeden Tag beim Üben zugeschaut. Mich hat sehr angezogen, dass ihn die Musik so tief mit etwas erfüllte, das offenbar so magisch war, dass ich es in seinem Gesicht sehen konnte, während er spielte. Die Beziehung, die er zu seinem Instrument hatte – ich spürte, dass dies etwas war, das ich für mich auch haben wollte.
Rückblickend kann ich sagen, dass Musik spielen für mich bedeutete, eine Art spirituellen Pfad zu beschreiten. Vielleicht wusste ich es damals noch nicht, aber wenn man spielt, transportiert einen das sehr tief. Man verliert sich in gewisser Weise und bewegt sich jenseits von Raum und Zeit – vielleicht, aufgrund des Fokus’, den man in diesem Moment haben muss, diesen Grad der Konzentration, der einen auf eine Art aus dem eigenen Kopf befördert. Als ich erwachsen wurde, erkannte ich, dass das sehr dem Yoga-Unterricht oder Meditation ähnelt. Als ich spirituelle Bücher las, erkannte ich die Erklärungen darin als etwas, dass ich in meiner Musik fühlte. Das half mir wiederum, zu erkennen, wonach ich bei spirituellen Praktiken suchen musste. Weil ich durch meine Musik bereits dorthin gekommen war. Für mich war Musik wirklich die Tür zu dieser Art von Erfahrung, die vielleicht der wichtigste Teil an der ganzen Sache ist. Man geht über sich selbst hinaus. Außerdem habe ich so ganz klassisch gelernt, dass Disziplin, Übung und all diese Dinge sehr wichtig sind. Ich glaube, ich hätte das nicht so sehr in meiner Persönlichkeit gehabt, aber mit meinem Vater zu lernen, diese Musik zu spielen und sich etwas so zu widmen und hinzugeben, war eine gute Lektion.
Mein Vater ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Vorbild. Das war besonders wichtig in den Momenten, in denen ich aufgeben wollte. Je älter ich werde, desto distanzierter kann ich ihn betrachten; er ist nicht mehr nur das Idol. Andererseits ist es genau andersherum: Ich kann jetzt besser verstehen, wie groß er ist. Ich vergöttere ihn nicht, sondern vieles ist einfach wahr. Er ist wirklich eine sehr außergewöhnliche, einzigartige Figur. Er wird jetzt 92 und tourt noch immer. Das ist unglaublich, weil es eigentlich keinen Sinn ergibt. Es ist nicht so, dass er einfach Glück gehabt hätte und immer noch völlig gesund wäre. Ist er nicht! Er hat Millionen gesundheitlicher Probleme und trotzdem sehe ich, wie er in der Lage ist, sie zu transzendieren, wenn er Musik spielt. Weil er sie so liebt und sich ihr so hingibt, vergisst er alles andere. Der Schmerz verschwindet. Es ist fast so, als würde er wachsen, während er spielt; man glaubt, er würde jünger, stärker werden. Das ist wie eine Verwandlung. Ich habe oft von Leuten aus dem Publikum gehört, dass sie sich in dem Moment, wo er auf die Bühne kommt, fast Sorgen um ihn machen. Er braucht Hilfe beim Laufen. Und dann sehen sie, wie er sich durch die Musik transformiert. Am Ende – nach zwei erstaunlichen Stunden, während denen er einfach fliegt und spielt –, hat man ein völlig anderes Bild von ihm. Man sieht, was die Musik jemandem geben kann. Das ist ein unglaubliches Erlebnis.
Ich finde seine Aufrichtigkeit und Hingabe wirklich inspirierend. Es gibt nie eine Show, die er für weniger wichtig hält als eine andere, ganz egal, wie viele tausend er schon gespielt hat. Auf einer langen Tour gibt es manchmal Tage, an denen man einfach müde ist und es ruhig angehen lassen will. Aber ich tue das nicht, weil ich von ihm diese Hingabe gelernt habe. Ich habe Ravi an keinem Punkt, Tag oder Moment seines Lebens erlebt, an dem er alles als selbstverständlich hingenommen und sich einfach zurückgelehnt hätte. Er hat nie gedacht, er hätte genug getan – und er hat mehr getan als jeder andere indische Musiker oder jeder andere Weltmusiker oder 92-jährige Mann. Er hat nie diese Einstellung: ,Ich bin so cool, und ihr Glückspilze seid hier, um mich zu sehen.’ Nie! Es ist eher, als würde er einen Dienst leisten, wenn er Musik spielt.
Ich schätze, Musik war immer das Wichtigste für ihn. Wahrscheinlich besteht die Gefahr, dass andere Dinge im Leben nicht mehr so wichtig sind, wenn man sein Leben so sehr der Musik widmet. Erst jetzt, in diesen sehr späten Jahren seines Lebens, werden ihm plötzlich Familie, häusliche Angelegenheiten und solche Sachen genauso wichtig. Früher waren sie ihm auch wichtig, aber sie hatten nicht denselben Stellenwert. Gewissermaßen muss es wohl so sein. Wenn man diese Höhen erklimmen will, kann man das wahrscheinlich auf keine andere Art, als sich so einzubringen.“
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