Nach Olympia

 

Was ich vermissen werde:

– Die ulkigen Schiedsrichter, Vermesser, Klemmbretthalter: Hat sich jemand nach genauer Betrachtung der irren Hütchen, Brillen und Fönfrisuren ernsthaft gewundert, dass bei Lilly Schwarzkopf und Betty Heidler solche schlimmen Schnitzer passiert sind? Die Freiwilligen sahen allesamt aus wie von der Heilsarmee – oder von Monty Python.

– Die Freude: Es gibt fast nichts Schöneres, als jeden Tag Leute zu sehen, die sich über eigentlich völlig sinnloses Zeug freuen – über Triumphe wie einen gelungen Hammer-Weitwurf, einen Treffer beim Fechten (den normale Menschen niemals erkennen können) oder eine Medaille im Gehen. Gehen!

– Den Pop: Welche andere Nationen (von den USA abgesehen) könnte noch so ein Showprogramm zum Abschluss auffahren? Pet Shop Boys. Madness. Liam Gallagher. The Who. Take That. GEORGE MICHAEL. Meinetwegen auch die Spice Girls.

– Alexander Bommes: Keiner war permanent so vergnügt wie der Typ mit dem Dauerlächeln. Und den besten Namen hat er auch.

– Rudi Cerne: Der nervte nicht, das unterschied ihn von fast allen anderen.

Was nicht:

– Die Klischee-Berichterstattung über das britische Wesen: Wie oft kann man Rolf Seelmann-Eggebert einladen und ihn zu Queen, Tea-Time und Bärenfellmützen befragen? Offensichtlich jeden zweiten Tag.

– Die Schwimm-Wettbewerbe: Selten so viele Pleiten gesehen, so viel Ratlosigkeit, und dann noch Britta Steffens verzweifelte Freude über die Siege anderer – jeden Tag eine neue Qual.

– Die Doping-Diskussionen: Alles gesagt, alles gefragt, und am Ende weiß man sowieso, dass nur eines niemals passieren wird: dass alle “sauber” sind.

– Tom Bartels: Eswaranstrengendjemandemzuzuhörendersehrsehrvielredetunddasohnepunktundkomma-undohnebetonungundohneirgendeinesonstigeregung. Selbst die Auftritte der größten Popstars quatschte er noch mit uninteressanten Bemerkungen zu.

– Franziska van Almsick: Schreckliche T-Shirts. Schreckliche Plattitüden. Und schreckliches Selbstverliebt-in-die-Kamera-Starren.

2016 sehen wir uns im Rio de Janeiro wieder. Ich erwarte Berichte über Caipirinhas, knappe Bademode und die Lebensfreude der Brasilianer, außerdem Siege von Usain Bolt, das Comeback von Michael Phelps – und dass Franzi gerade keine Zeit hat. “Die Hoffnung stirbt zuletzt” – diesen Gemeinplatz habe ich mindestens siebenmal gehört in den vergangenen zwei Wochen.

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