“Tatort”-Mörder verzweifelt gesucht
14.05.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Bin ich die Einzige, die es bescheuert findet, dass sie jetzt selbst ihren “Tatort”-Mörder suchen muss? Wofür gibt es denn Lena Odenthal und Mario Kopper? “Der Wald steht schwarz und schweiget” war gestern eigentlich endlich mal wieder eine gute Folge aus Ludwigshafen: Odenthal entdeckt einen Toten, wird von fünf jugendlichen Rabauken entführt, Kopper macht sich auf die Suche nach ihr. Inzwischen versucht sie herauszufinden, wer den Erzieher umgebracht hat – und selbst nicht erschossen zu werden. Der eine Halbstarke ist auf Drogen, der andere hat ein Inkontinenzproblem, und alle sind schwerst traumatisiert. Die schlimme Kindheit natürlich! Trotz der Klischees war der “Tatort” spannend wie selten und nicht so verquast wie zuletzt. Aber eine richtige Auflösung gab es am Ende nicht. “AZOK” (“alle zusammen oder keiner”) lautet das Motto der fünf Freunde: Sie verraten nicht, wer es war.
Und damit hört der “Tatort” einfach auf, und wir sollen den Täter im Internet herausfinden. Habe ich nach kurzem Ringen mit der eigenen Faulheit sogar versucht, weil die Runde bei Günther Jauch sowieso langweilig war. Aber da war der WDR-Server schon zusammengebrochen, nichts ging mehr. Die ARD wertet das wahrscheinlich als Triumph, weil angeblich trotzdem noch 20.000 User am Ball blieben und weiterhin wissen wollen, wer es war. Ich auch. Aber dass ich dafür “interaktiv” werden und auf Türen klicken muss, die dann nicht aufgehen, und in Spinde gucken, in denen ich nichts Entlarvendes sehe, das nervt mich sehr. Ich will, dass Ulrike Folkerts den Fall für mich löst – sie ist kompetenter als ich, sie ist sportlicher, und sie wird auch dafür bezahlt.
Am Samstag sollen die Online-Ermittlungen all der Hobby-Kriminologen abgeschlossen sein, dann wird der Fall “der virtuellen Staatsanwaltschaft übergeben”. Bin ich die Einzige, die das lächerlich findet? Crossmedia my ass. Ich sehe doch fern, weil ich nichts tun will. Außer gelegentlich umschalten.
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“Beavis und Butt-head” sind zurück
18.04.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Ach, ich habe sie vermisst! Damals, in den 90er-Jahren, habe ich sie zuerst gehasst, weil sie das lästige Klischee des depperten Metal-Fans zu verkörpern schienen, aber dann musste ich sie doch mögen, weil sie so witzig waren. Und in ihrer Hässlichkeit und Gehässigkeit so rührend. Außerdem waren ihre Popkultur-Analysen stets einwandfrei. “Beavis And Butt-head” trafen auf ihre uneloquente, dumpfe Art sehr oft den Nagel auf den Kopf, und das hat sich nicht geändert. Wie auch sonst nichts. Erwachsen werden die beiden nicht mehr – zum Glück. Butt-head trägt immer noch sein AC/DC-, Beavis sein Metallica-Shirt, und beide sitzen natürlich auf ihrer versifften Couch. Beavis klingt ein bisschen tiefer, aber der größte Unterschied zu damals ist: Es gibt jetzt kaum noch Musikvideos, die man auf MTV gucken könnte (geschweigen denn Hair-Metal- oder Grunge-Bands), deshalb sprechen sie über Sendungen wie “Teen Mom” und “The Bachelor” – oder über die lahmen Vampire in “Twilight”. Folgender Dialog zeigt, wie sehr die beiden Bescheid wissen:
Butt-head: “How come everyone whispers in these movies?”
Beavis: “They are probably embarrassed.”
Ich muss schon lachen, wenn ich die beiden lachen höre. Früher konnte ich das Gegacker von Beavis so gut nachmachen, dass meine Schwester Angst bekam. Heute schaut mich mein Kollege ein bisschen komisch an, dass ich immer noch über die pubertären Späße der beiden lachen kann und darüber, wie sie ein Skrillex-Video auseinandernehmen. Aber sie machen das doch mindestens so gut wie Stefan Raab! Nicht ganz so lustig ist es leider, wenn sie sich über armselige Pornosüchtige in einer Reality-Show lustigmachen – das sind einfach zu billige Opfer. LMFAO hingegen – da sind die beiden Philosophen in ihrem Element:
Beavis: “I thought that, like, the economy sucks and that, like, nobody has a job, but these guys are just spraying around expensive champagne everywhere!”
Butt-head: “I heard they have, like, a really rich dad. And then that one tall dude is the other dude’s uncle and then, like, their grandpa is, like, the same guy. So they don’t care.”
Beavis: “Really?”
Butt-head: “Too bad we weren’t born as them.”
Gut, dass wir nicht als Beavis oder Butt-head geboren sind! Zu viele Hormone, zu viel Ablehnung, zu viel Stress im Sportunterricht. Aber wir schauen nächste Woche gern wieder vorbei.
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Altlasten-Alarm beim “X-Factor”
29.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Neulich habe ich von einem Leser den Rat bekommen, den Fernseher einfach abzuschalten, wenn mir das Programm nicht gefällt. Das ist eine gute Idee, aber so schwer durchzuhalten! Bei “DSDS” schaffe ich es seit längerem, weil an der Sendung inzwischen gar nichts mehr spannend, lustig oder auch nur minimal unterhaltsam ist. Aber ich ahne Schlimmes, wenn demnächst wieder “X-Factor” beginnt. Die Jury um Show-Mutti Sarah Connor wurde gerade neu besetzt. Raus mit Till Brönner und Das Bo, rein mit – und jetzt kommt’s: Moses Pelham! H.P. Baxxter! Sandra Nasic! So eine irre Mischung gab es nicht mehr, seit Bohlen fürs “Supertalent” (das noch öder ist als “DSDS”) neben die Barbie-Puppe Sylvie van der Vaart auch noch die treuherzige Tänzerin Motsi Mabuse setzte.
Spontan fühlte ich mich in meine gar nicht so glorreiche VIVA-Zeit zurückversetzt. Als man noch an Musiksender glaubte, Mitte der 90er-Jahre, durfte ich eine Weile für den Teletext der Kölner arbeiten. Die Kollegen waren toll, die Honorare auch, aber die sogenannten Musiker, die hin und wieder zu Interviews vorbeischauten, ließen leider zu wünschen übrig. Die Zicken von Tic Tac Toe hätten man schon damals gern in den Dschungel versetzt, auch Sabrina Setlur und Mr. President begeisterten mich nicht. Die beiden nettesten Typen, die je auftauchten, waren der bescheidene DJ Bobo und – Scooter-Shouter H.P. Baxxter. Der ostfriesische Blonde hatte schon damals eine angenehme Distanz zu seiner Bühnenpersönlichkeit eingenommen, er spielte auf der Bühne mit Vergnügen den aufgedrehten “Hyper Hyper”-Sänger und hatte es ansonsten nicht nötig, sich aufzuplustern. Wahrscheinlich soll er bei “X-Factor” den trockenen Stichwortgeber spielen für den einstigen Pöbler Moses Pelham.
Wo hat sich der eigentlich zuletzt verkrochen? Rödelheim Hartreim Projekt, Schwester S., Xavier Naidoo, Glashaus – was haben wir dem Mann alles zu verdanken! Schlimmer kann der Gewinner von “X-Factor” auch nicht sein. Pelham habe ich in der VIVA-Zeit nur einmal gesehen – aus der Entfernung, bei der “Echo”-Verleihung 1997, als er Stefan Raab die Nase brach. Wenn ich heute sehe, wie Raab bei all seinen Shows bis zur Besinnungslosigkeit kämpft, um zu gewinnen, dann weiß ich, wie viel Beherrschung es ihn gekostet haben muss, nicht zurückzuhauen. Schade eigentlich. Und dann noch Sandra Nasic! Die habe ich auch in bester Erinnerung. Die Guano-Apes-Brüllerin dachte damals ganz offensichtlich, sie wäre ein mindestens so großer Rockstar wie Anthony Kiedis, nörgelte an jeder Kleinigkeit herum (dabei waren die bereitgestellten Brötchen gar nicht so schlecht!) und drangsalierte alle Assistentinnen. Ich dachte nur, wenn ich noch einmal “Open Your Eyes” hören muss, schreie ich lauter als sie.
Und jetzt sollen diese drei Figuren aus der Vergangenheit also über ein Talent für die Zukunft entscheiden. Aber halt, jetzt habe ich wieder einen Denkfehler begangen! Es geht bei Castingshows ja gar nicht um die Zukunft, sondern um die Einschaltquoten. Muss ich mir endlich mal merken.
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Rätseln mit “Rizzoli & Isles”
15.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Eigentlich gibt es ja schon mehr Krimi-Serien, als ein arbeitender Mensch anschauen kann. Und genügend coole Rechtsmedizinerinnen (“Body Of Proof”!) und abgebrühte Polizistinnen (“Die Chefin”!). Außerdem läuft mittwochs schon “Desperate Housewives”, wo auch immer ein Toter die Stimmung verdirbt. Trotzdem: Eine Chance kann man “Rizzoli & Isles” (VOX) mal geben. Die Serie entstand nach den Büchern von Tess Gerritsen, spielt in Boston und bedient sich der genretypischen Spannungs-Zutaten: Zwei attraktive Frauen – Ermittlerin Jane Rizzoli (Angie Harmon) und Forensikerin Dr. Maura Isles (Sasha Alexander) – lösen komplizierte Fälle, wobei die eine “nebenbei” noch von einem Serienmörder verfolgt wird. Erinnert ziemlich an “Profiler”, bloß leider ohne Südstaatenflair und den subtilen Grusel.
Besonders raffiniert ist zumindest der Auftakt der Geschichte nicht, und die hölzerne Übersetzung hilft da kaum. Ich bin ja normalerweise gern bereit, Synchronisationen zu verteidigen (etwa die von “True Blood” oder “House”), aber hier hat man sich offensichtlich wenig Mühe gegeben. Welcher normale Mensch würde denn eine Bestie, die gefinkelte Pläne entwirft, um einen umzubringen, als “Schleimscheißer” bezeichnen? Nicht einmal eine trockene Beamtin wie Jane Rizzoli. Die Besetzung ist vielleicht der größte Schwachpunkt der Serie: Das herbe Ex-Model Harmon ist angeblich erst 39, sieht aber Jahre älter aus – so dass es irgendwie surreal wirkt, dass ihre Mutter von Lorraine Bracco (Dr. Melfi bei den “Sopranos) gespielt wird. Wenn deren Rolle noch größer wird, wenn sich ein paar Ungereimtheiten auflösen und die Fälle etwas origineller werden – dann verstehe ich vielleicht auch die irren Einschaltquoten, die “Rizzoli & Isles” in den USA eingefahren hat. Die Original-Folgen tragen übrigens Titel wie “Sympathy For The Devil”, “I Kissed A Girl” und “Born To Run” – ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das eingedeutscht wird. Geboren um zu rennen!
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Der überregionale Charme von “München 7″
07.03.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Die Bayern übernehmen das öffentlich-rechtliche Fernsehen: Erst bekam die Kabarettistin Monika Gruber ihre eigene ZDF-Show (“Leute, Leute!”), jetzt ermittelt das bewährte Team von “München 7″ mittwochs als Teil der “Heiter bis tödlich”-Reihe in der ARD. G’scheit! Schließlich ist Franz Xaver Bogers Serie viel zu unterhaltsam, um im Bayrischen Rundfunk zu versauern. Was für ein Team, was für G’schichten! Ich muss schon lachen, wenn ich den breiten Rücken von Andreas Giebel sehe – und den kritischen Blick, mit dem er nicht nur Kriminelle straft. Und die Gruberin ist auch dabei! Leider bringt sich als Standlfrau Elfi wieder die unsinkbare Christine Neubauer in Position (Hände in die Hüften, Ausschnitt nach vorn schieben, entrüstet gucken – wie immer), aber sie soll ausnahmsweise nicht weiter stören.
Bogner erschuf in den 80er-Jahren die wunderbaren Serien “Irgendwie und sowieso” (u.a. mit Ottfried Fischer, Olivia Pascal und Elmar Wepper) und “Zur Freiheit” (u.a. mit Ruth Drexel, Michaela May und Udo Wachtveitl), dann noch mehr als ein Jahrzehnt lang “Cafe Meineid”. Seit 2007 kümmert er sich um den “Kaiser von Schexing” – und nachdem “München 7″ 2004 und 2006 so erfolgreich im Dritten lief, kommt die Fortsetzung jetzt also in der ARD – 16 Folgen wurden zunächst gedreht.
Im Mittelpunkt steht natürlich wieder das Polizisten-Duo Xaver Bartl (Giebel) und Felix Kandler (Florian Karlheim). Der eine wird von seiner unerfüllten Liebe zu Elfi gequält, der andere von seiner ehrgeizigen Ehefrau. Und die Verbrechen? Ach ja, die! Eigentlich wurscht, aber es geht einerseits um alberne Flashmobs (ein zu modernes Konzept für die angebliche “Weltstadt mit Herz”), andererseits um die Kosmopolitin Moni, deren hochnäsige Penetranz und wütende Verzweiflung von Gruber mit voller Wucht ausgespielt wird – sie hat aber auch Grund dazu: Ein mieser Typ namens Angelo hat sie übers Ohr gehauen, und jetzt steht sie ohne Geld und Papier am Flughafen. Die Moni hat allerdings Glück, denn sie kennt den Xaver, der bürgt für sie, “total und ganz gern”. Sie dankt’s ihm nicht wirklich, aber ein bisschen Spaß hat er mit der wilden Blondine schon – und der wird weitergehen, denn das Ende ist – ganz krimi-untypisch – offen, der Fall nicht gelöst.
Das heimelige “Hotel am Markt”, das Bartls Schwester Irmi gehört, der Viktualienmarkt, das altmodische Revier – natürlich wird München hier wieder als Puppenstube dargestellt, als gemütliches Weltdorf, dessen Bewohner zwar manchmal grantig sind, aber niemals richtig böse. Das spießige Kleinbürgertum kommt eher nicht vor, zumindest nicht in all seiner Grässlichkeit. Doch wer will schon, dass eine Fernsehserie allzu realistisch ist! Dieses München guckt man sich gern an, und Giebel bewegt sich darin wie eine Schildkröte im Terrarium – bedächtig, stets alles im Blick, nur im Notfall zuschnappend. Aber wo ist Eisi Gulp als Feuerwehrmann Wasti geblieben? Der fehlt noch!
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“Leute, Leute!”: Die Gruberin im ZDF
22.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Das jüngste Kabarettprogramm von Monika Gruber hieß “Wenn ned jetzt, wann dann!”, und als das ZDF verkündete, dass die Komikerin eine eigene Sendung bekommt, dachte man genau das. Die 40-Jährige aus Tittenkofen war längst zu lustig für den “Kaiser von Schexing”, sie hatte sich bei “Wetten, dass..?” elegant aus der Affäre gezogen, als ihr Teleprompter ausfiel – und jetzt also endlich der Triumph: raus aus dem Regional-, ab ins Spätprogramm. Ihre Sendung heißt “Leute, Leute!”, was nicht unabsichtlich an das Boulevard-Magazin “Leute heute” erinnert. Auch bei Gruber geht es “um Prominente, Celebrities, Adelige und andere Leute ohne richtigen Beruf”.
Routiniert spottet Gruber über Wulff und Wepper – am schönsten ist dabei, wie sie immer “G’sicht” sagt und noch bayrisch genug schwatzt, um sich auch derbere Scherze erlauben zu können – im Dialekt klingt vieles einfach eher niedlich, wenn es nicht gerade allzu gschert (für Nicht-Bayern: grob) ist. Zum Thema Whitney Houston fällt ihr dann allerdings auch nur “Scho’ schlimm, ge?” ein, gefolgt von einem Wendler-Witz. Am besten ist sie, wenn sie nicht die leichten Promi-Opfer, sondern das Reporter-Personal aufs Korn nimmt – auch der eigene Sender wird nicht verschont: Herrlich, wie Gruber das gestelzte Bussi-Bussi-Getue der sogenannten Society-Expertin Nadja “fröstel, fröstel” Al-Chalabi bloßstellt.
Etwas unlustig sind leider all die Gäste, die Grubers Redefluss stören und auch sonst nicht viel beizutragen haben. Das Pointen-Pingpong mit Sebastian Pufpaff funktioniert nicht, weil dessen Sätze so einstudiert wirken, dass man nicht mal darüber lachen kann, dass so ein graumelierter Schmierlappen von “Bunga-Bunga-Nutten-Vögelei” redet. Merke auch: Umfragen beim Karneval sind niemals lustig, niemals. Auch nicht, wenn sie von Markus Lanz handeln.
Der grasierende Diät-Wahnsinn ist natürlich ein leichtes Ziel für Monika Gruber (die selbst ja einst an Magersucht litt), da bräuchte es die – zugebenermaßen amüsante – Maren Kroymann als “Idylle Seichtenberg” gar nicht. Und dann kommt auch noch Oliver Kalkofe zum Thema “Der Bachelor” (RTL). Natürlich stimmt jeder der gedrechselten Sätze des obersten Fernsehkritikers, natürlich ist das eine grausame Sendung, in der Frauen sich auf peinlichste Weise anbieten – und der Typ auch nichts anderes ist als das männliche Pendant zu einer billigen Schlampe, die obendrein noch aussieht und spricht wie Dieter Bohlen. Wirklich übel, dieses Format. Heute ist das Finale. Wird er die energische Anja oder die süße Sissi wählen? Ich wünschte, ich würde die Namen nicht kennen! Aber dann hätte ich ja auch Georgina, Katja und Jin-Jin verpasst – und andere Verzweifelte ohne richtigen Beruf. Leute, Leute!
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Jetzt offiziell: “House” hört auf
09.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Eine kleine Meldung auf Facebook bestätigt die schon lange kursierenden Gerüchte: “After much deliberation, the producers of ,House M.D.’ have decided that this season of the show, the 8th, should be the last. By April this year they will have completed 177 episodes, which is about 175 more than anyone expected back in 2004.” Gut und schön, aber: warum?? Natürlich hatte Hugh Laurie schon häufiger den Blues und fragte sich, wie lange das noch so weitergehen könne – immer humpeln, immer Medikamente einwerfen, immer scheitern beim Versuch, mit den Mitmenschen auf gewöhnliche Weise zu kommunizieren. Und natürlich war es nach dem katastrophalen Ende der Liebe zu Dr. Cuddy schwierig, sich vorzustellen, dass es noch einmal eine so packende Staffel geben könnte. Aber selbst wenn eine neunte Staffel von “House” nur halb so gut gewesen wäre wie die ersten sieben (die achte läuft auf RTL erst ab dem 6. März), dann heißt das immer noch: besser als 90 Prozent aller anderen Serien. Der lustige Hank Lawson aus “Royal Pains” ist kein Trost, die launische “Nurse Jackie” auch nicht. Also hat Gregory House wieder mal recht: “Things change. Doesn’t mean they get better.”
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Eva, KK und “Das perfekte Model”
01.02.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Als die Trailer langsam nicht mehr auszuhalten war, ging es endlich los – gestern abend: “Das perfekte Model” auf Vox. Zwischen “Unser Star für Baku” und “DSDS”, “The Voice Of Germany” und “Germany’s Next Topmodel”, nach Dschungelcamp und vor “X-Factor” war eine Castingshow aber auch dringend nötig! Und dann noch eine mit solch einem Duo. Es ist – um noch einmal mit Heidi Klum zu sprechen – wunderhübsch, wie gut sich Eva Padberg und Karolina Kurkova ergänzen. Die eine schaut dauernd belämmert bis grimmig, dafür lächelt die andere immer, wenn sie nicht gerade eine Schnute zieht. Deutsche Disziplin trifft auf tschechische Listigkeit – und natürlich sehen beide dabei permanent gut aus. Padbergs spitze Nase passt zu ihren strengen Klamotten, Kurkovas riesiges Gebiss korrespondiert mit den furchteinflößenden Lederhosen, in denen die längsten Beine der Welt stecken. Natürlich erzählen beide, wie schüchtern und unsicher sie früher waren. Laaaaaangweilig.
Sprachbarrieren haben auch beide. Padberg versucht, nicht zu sächseln und dermaßen professionell zu klingen, dass dagegen sogar Heidi Klum natürlich wirkt. KK (so nennt sie sich selbst) spricht putziges Englisch, das aber immerhin, ohne sich allzu große Mühe damit zu geben. Klischees? Klar, gern: Ein Model muss Persönlichkeit haben! Das gewisse Etwas haben! Und – Achtung, Eva weiß es noch besser! – auch mal “unperfekt” sein. Echt! Dabei bemühen sich alle Kandidatinnen, den Anforderungen zu entsprechen – ein Mädchen ist ehrgeiziger als das andere, dünner sowieso. Und ein Transvestit darf auch ein bisschen mitmachen, für die lustige Mischung. Eine Stunde lang habe ich durchgehalten und noch mitverfolgt, wie Padberg an der Uni Münster kein Talent fand, auch im Einkaufszentrum war es schwierig. Kurkova ging lieber gleich zu einer Model-Agentur, die hatten ein hübsches Mädchen im Angebot. Dann musste ich umschalten – zu “Royal Pains”, das immer mit den schönen Zeilen von The Blue Van beginnt: “My independence went away/ I didn’t listen when it said/ ‘Rely on yourself! Trusting someone else/ Is a path for the silent ghost’.” Hat den Model- Aspirantinnen keiner gesagt.
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Am längeren Hebel
26.01.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Erst mal nörgeln: Den neuen Vorspann von “Leverage” (VOX) finde ich immer noch unerfreulich – da spricht Timothy Hutton seinen Sermon über Gerechtigkeit in die Kamera, synchronisiert wirkt das bierernst. Dabei ist dies doch eine der vergnüglichsten Serien, die zurzeit laufen! Das Team um “Mastermind” Nathan Ford (Hutton), das mit illegalsten Mitteln dafür sorgt, dass Betrüger nicht durchkommen und arme, abgezockte Leute entschädigt werden, könnte nicht besser zusammengesetzt sein. Nate kommt mit nur vier Profis aus – bei “Ocean’s Eleven” brauchten sie immerhin 11 Leute, dann 12, dann 13. Und wie viele Gefährten hatte Robin Hood noch mal?
Alec Hardison (Aldis Hodge) kennt als “The Hacker” jedes Computerprogramm, und auch wenn es natürlich extrem unrealistisch ist, wie sich der Schlingel in jede Überwachungskamera und alle Sicherheitssysteme hineintrickst, sieht man gern dabei zu, wie er sich hemmungslos über seine eigenen Fähigkeiten freut.
Eliot Spencer (Christian Kane) alias “The Hitter” ist ein dunklerer Charakter. Er haut alles um, was sich ihm in den Weg stellt, und es stellt sich immer jemand in den Weg. All die Kampfsportarten und die rohe Gewalt der Fäuste täuschen aber nicht darüber hinweg, dass Eliot ein mitfühlendes Herz hat, das ihm nur viel zu früh und viel zu oft gebrochen wurde. Außerdem sieht er aus wie David Foster Wallace.
Die coolste Frau im Team hat bloß einen Decknamen: Parker (Beth Riesgraf) ist “The Thief”, eine superschlaue Diebin, die jeden Safe knackt und vor der keine Brieftasche sicher ist. Sie ist – auf eine putzige Art – misstrauisch und wirkt manchmal fast naiv. Dabei ist sie oft nur so mit Zählen, Taxieren und anderen obsessiv-kompulsiven Tätigkeiten beschäftigt, dass für normale Gedanken kein Platz mehr ist in ihrem ulkigen Gehirn.
Auf der Position der Trickbetrügerin, “The Grifter”, gab es gerade eine Umbesetzung: Nates heimliche Liebe Sophie Devereaux (Gina Bellman) ist ihm davongereist, jetzt mischt Tara Cole (Jeri Ryan) mit. Sie beherrscht das Rollenspiel, kann Nate fast die Stirn bieten – und vielleicht wird es ihr sogar gelingen, irgendwann ein normales Gespräch mit ihm zu führen. Denn derjenige, der sich all die Strategien und Finten ausdenkt, der andere Menschen genau einschätzen und deshalb kaltstellen kann, ist wieder mal der mit der größten Schwäche.
Das Einzige, was Nathan Ford nicht im Griff hat, ist er selbst. Er lässt keinen an sich herum, er trinkt, er dreht regelmäßig durch. Dass man den launischen Tyrannen trotzdem so sympathisch findet, liegt nicht nur daran, dass man im Fernsehen immer die schwierigsten Typen liebt (und in der Wirklichkeit meistens auch). Es ist vor allem das Verdienst von Timothy Hutton. Er spielt diesen cleveren Typen mit fast kindlicher Verzweiflung. Ford wurde einst übel mitgespielt, er hat seinen Sohn verloren, ja eigentlich sein ganzes Leben. Aber er weigert sich aufzugeben, er muss an die ausgleichende Gerechtigkeit, eben an “leverage” glauben, sonst bleibt ihm nur der Scotch, und das ist nicht genug. Hutton hat immer noch dieses freundlich-melancholische Jungs-Gesicht, das einen sofort anrührt – dabei sind mehr als 30 Jahre vergangen, seit er mit 20 (als jüngster Schauspieler aller Zeiten) den Oscar für Robert Redfords “Ordinary People” gewann. Ich bestelle mir gleich mal die DVD.
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Stromberg und die Bürokultur
18.01.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Gestern Abend fragte mich jemand, ob ich morgen “im Büro” bin. Ist eine Redaktion ein Büro? Und wenn ja, sitze ich dann in der gleichen Falle wie die Leute bei “Stromberg”? Gott bewahre. Jeden Dienstag packt mich um 22 Uhr das Grauen (kurz nachdem ich darüber nachdachte, ob ich Ashton Kutscher die Rolle des naiven Nerds bei “Two And A Half Men” abnehmen soll – oder ob das total egal ist, weil er niedlich genug ist). Es ist ja nicht nur Bernd Stromberg selbst, der alles vereint, was an Firmenkulturen schrecklich ist: die Katzbuckelei, die Wichtigtuerei, Rücksichtslosigkeit, Rückgratlosigkeit, all das. Es gibt auf der Welt wahrscheinlich keinen Chef, der nicht mindestens eine Strombergsche Eigenschaft hat, wenn auch in kleinerer Dosierung. Kurze Umfrage unter Freunden: Der eine versucht dauernd, sich mit taktischen Leckerli bei den “Untergebenen” beliebt zu machen, aber Parkplatz/Sekretärin/das letzte Wort würde er nie abgeben. Der andere haut immer auf den Tisch, wenn er nicht weiterweiß. Hauptsache, einer gibt die Richtung vor, selbst wenn er keinen Orientierungssinn hat! Auch gern genommen: So lange Arbeit abgeben, bis keiner mehr Zeit hat, sich zu beschweren. Und im Notfall sagt jeder: Jetzt bitte keine Diskussion mehr! Was natürlich immer noch besser ist, als gleich gar keine Diskussion anzufangen.
Stromberg quälte sich gestern mit einem zittrigen Praktikanten herum, musste aber in der ihm eigenen Klarheit feststellen: “Ich kann mich jetzt nicht um jede Amöbe kümmern, der ein Furz quersitzt.” Zwischen der deprimierenden Kaffeemaschine und den billigen Topfpflanzen sitzen an unaufgeräumten Schreibtischen allerdings auch keine Sympathieträgern, sondern bloß Pfeifen.
Meine Top drei (ohne Ernie, der leider längst zur hysterisch-nervigen Karikatur verkommen ist):
3. Tanja
Sie hat den strengen Blick einer Lehrerin, setzt aber auch mal ein süßliches Lächeln auf, wenn sie Kollegen manipulieren will. Glaubt, alles besser zu wissen – und hat damit wahrscheinlich auch recht. Liebster Satz: “Ulf, jetzt lass mich mal! ”
2. Ulf
Der Minimacho und Dauerselbstüberschätzer versucht immer noch, Karriere zu machen. Hat ein schlichtes Gemüt und schlechte Spermien, manchmal aber auch erstaunliche Einsichten:” Gott kümmert sich nicht um Angestellte.”
1. Jennifer
Wie kann man so dumm sein wie Jennifer? Das überforderte Sensibelchen verspürt permanent “Mutterinstinkte” und redet sich alles schön – nur so konnte sie Stromberg ernsthaft als Partner in Betracht ziehen. Heult mehr, als sie spricht. Vielleicht gut so.
Und wie sieht Stromberg seine Kollegen, wie verhält er sich zu ihnen? Am Ende kam es raus: “Ich will anderen nie eine Grube graben. Ich drücke denen vielleicht die Schaufel in die Hand, aber dann habe ich mit dem Rest nichts mehr zu tun.”
Die Definition von “Büro” geht laut Duden übrigens so, gerade nachgesehen: “ein Raum oder Gebäude, in dem die schriftlichen Arbeiten, die Verwaltung und Organisation einer Firma oder einer Institution erledigt werden”. Es lässt sich nicht leugnen: Ich arbeite in einem Büro.
Zum Trost ein kleines Gedicht von Roger McGough:
The Leader
I wanna be the leader
I wanna be the leader
Can I be the leader?
Can I? I can?
Promise? Promise?
Yippee I’m the leader
I’m the leader
OK what shall we do?
Tags: Stromberg
