Davy Jones, 1945-2012
29.02.2012 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Chip: „7A“
Davy: „What number is this Chip?“
Chip & Mike & Pete & Micky: „7A!!!!“
Davy: „Ok, you know what I mean, like don’t get excited man, it’s because I’m short I know.“
Vielleicht musste es der 29. Februar sein, dieser nur alle vier Jahre unnatürlich in den Kalender gequetschte Tag, der der größten Casting-Band aller Zeiten ein Ende bereitet. Am Morgen dieses Tages ist Davy Jones, Sänger der Monkees, in Indiantown, Florida nach einem Herzinfarkt gestorben. Er war die Stimme so unglaublich perfekter Popsongs wie „I Wanna Be Free“ und „Daydream Believer“, die noch immer die Welt anhalten können, wenn sie im Radio laufen.
Jones wurde am 30. Dezember 1945 in der Nähe von Manchester geboren. Mit elf spielte er eine Rolle in der englischen Soap Opera „Coronation Street“. Als er 14 war, starb seine Mutter und er ließ sich zum Jockey ausbilden. Doch schon bald zog es ihn zurück ins Showbiz. Er sang Musicals im Londoner Westend, brachte es schließlich bis zum Broadway und trat in der Ed-Sullivan-Show auf. In derselben Folge wie die Beatles. Die vier Landsleute aus Liverpool sollten entscheidend werden für seine weitere Karriere.
Nachdem die aufstrebenden Filmemacher Bob Rafelson und Bert Schneider den Fab-Four-Film „A Hard Day’s Night“ gesehen hatten, kam ihnen die Idee für eine Comedy-Show um eine Boyband. Davy Jones ging zum Casting und war der erste, für den die beiden Macher sich entschieden. Dazu kamen schließlich ein Folkie aus Greenwich Village namens Peter Tork, ein Singer/Songwriter aus Texas namens Mike Nesmith und der ehemalige Kinderstar Micky Dolenz. Nur zwei von ihnen konnten wirklich ein Instrument spielen, aber gute Musiker gab es genug in Los Angeles. Dazu engagierten Rafelson und Schneider einige der besten Songwriter des Landes – Goffin/King, Boyce & Hart, Neil Sedaka, Neil Diamond … Davy, Mike, Pete und Micky liehen der imaginären Band ihre Körper und ihre Stimmen. So entstand „The Monkees“ – Anarchie für den Fernsehschirm und Gold für die Plattenläden.
Hey, hey, we’re the Monkees
And people say we monkey around.
But we’re too busy singing
To put anybody down.
We’re just tryin’ to be friendly,
Come and watch us sing and play,
We’re the young gneration,
And we’ve got something to say.
Vor allem Nesmith und Tork sahen sich allerdings als ernsthafte Musiker und legten sich bald mit ihrem Produzenten Don Kirshner an. Und so kam es, dass die Monkees sich mit wachsendem Erfolg der Show langsam emanzipierten, aus der Fiktion heraustraten und eine echte Band wurden. Für ihr drittes Album setzte Nesmith seinen Freund Chip Douglas als Produzenten ein, alle Bandmitglieder steuerten Songs bei und spielten die Instrumente selbst– Dolenz hatte für die erste Tournee Schlagzeug gelernt, Nesmith spielte Gitarre, Tork den Bass und der an Statur eher kleine Mädchenliebling Davy Jones, der bei Konzerten immer vorne stehen musste, schlug das Tamburin. So entstanden 1967 mit „Headquarters“ und „Pisces, Aquarius, Capricorn & Jones Ltd.“ zwei Meisterwerke des 60s-Pop. Zeitgeistsampling mit Beatles-Pastiche und Countrysong, klassischem Bacharach-Pop und surrealen Albernheiten.
Die TV-Serie profitierte anfangs ebenfalls vom neuen Selbstverständnis der Band. Die Gags wurden subtiler, das Gelächter vom Band verschwand, die Bandmitglieder führten selbst Regie, spielten mit dem Medium und ihrer eigenen Rolle darin und luden „richtige“ Musiker ein. In der vorletzten Folge ist Frank Zappa zu Gast, in der letzten Tim Buckley. Doch als die Fernsehserie beendet war, schien auch die Band auseinanderzufallen. Ebenso wie Lennon, McCartney, Harrison und Starr gingen auch Nesmith, Dolenz, Tork und Jones zu dieser Zeit immer seltener gemeinsam ins Studio und nahmen ihre Songs lieber ohne die Bandkollegen mit professionellen Studiomusikern wie der legendären Wrecking Crew auf. Nesmith veröffentlichte 1968 ein erstes Soloalbum mit Instrumentalstücken (George Harrison übrigens auch). Im selben Jahr entstand der dadaeske, zynische Spielfilm „Head“, für den Bob Rafelson und Jack Nicholson das Drehbuch schrieben. Auch den Erkennungssong der Band wandelten sie ab.
Hey hey we are the Monkees
You know we love to please
A manufactured image
With no philosophies
Der Film war naturgemäß ein Flop. Denn die Betriebsgeheimnisse des Pop plaudert man nicht ungestraft aus. Tork verließ kurz darauf die Band, ein Album später ging auch Nesmith, der anschließend einige wundervolle Songwriteralben veröffentlichte, MTV erfand und zum Internet-Pionier wurde. Die drei anderen Monkees versuchten sich erfolglos an Solokarrieren, Jones und Dolenz arbeiteten zudem öfter zusammen. Später gab es einige traurige Reunions – mal mit, mal ohne Nesmith. Jones, Dolenz and Tork spielten das letzten Mal im Sommer 2011 als The Monkees , brachen die gemeinsame Tour aber aufgrund von Streitigkeiten ab.
Doch all das kann die großen Taten dieser Band, den Charme, den Witz und die Melodien nicht zerstören. Die Monkees waren gemacht, und sie waren echt, sie kopierten, und sie erfanden, sie waren die ersten Roboter, die die Weltherrschaft übernahmen, und sie waren Pioniere des Country-Rock – eine zeitlang beherrschten sie das bunte Spiel namens Pop besser als jeder andere Künstler auf diesem Planeten. In der offiziellen Geschichtsschreibung kommen sie trotzdem nicht vor. So wurden sie etwa nicht in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Wohl weil Buchhalter und amerikanische Rockjournalisten sie nicht mögen. Man könnte auch sagen: Die Monkees sind keine Band fürs Museum, sie sind und bleiben eine Band für den Moment. Das ist Pop im eigentlichen Sinne. Davy Jones, dessen Todestag sich nur alle vier Jahre jährt, war der erste Monkee, R.I.P.
Tags: Davy Jones · Monkees · Nachruf
„Amerika war immer voll von Leuten, die Hemingway sein wollten.“ Interview mit Eliot Weinberger (2)
03.11.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
In der aktuellen Ausgabe des ROLLING STONE gibt es ein kleines Porträt des New Yorker Essayisten, Übersetzers und Lyrikers Eliot Weinberger. Das zugrunde liegende Gespräch gibt es hier in zwei Teilen.
Teil 2
Sie haben mal in einem Interview gesagt, ihr Stil sei schon vollständig entwickelt gewesen, als Sie 12 Jahre alt waren.
EW: Oh ja, das war eine komische Erfahrung. Vor ein paar Jahren sind meine Eltern gestorben. Und in ihrem Haus habe ich einige Texte gefunden, die ich mit 12 geschrieben habe. Ich hatte einen wundervollen Lehrer an der Junior High School, der in der Mitte des Schuljahres rausflog, weil er angeblich ein Kommunist war. (lacht) Ich habe zwei Sachen für ihn geschrieben. In der einen ging es um Atombunker, in der anderen um die John Birch Society. Kennen Sie die?
Ja, aus einem Bob-Dylan-Song. Die rechten Kommunistenjäger in den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern, die sich nach einem von chinesischen Kommunisten ermordeten Missionar benannten.
Genau. Die galten – so wie heute die Republikaner – als vollkommen verrückt. Eisenhower und Nixon haben sich über die lustig gemacht. Ich habe jedenfalls diese beiden Texte wiedergefunden, die ich damals geschrieben hatte, und war fasziniert von der Tatsache, dass mein Stil sich überhaupt nicht verändert hat. Es kam mir vor, als hätte ich sie am Tag zuvor geschrieben – nur mein Wortschatz hat sich in all den Jahren etwas erweitert. Irgendwie deprimierend. Aber das ist meine Antwort auf Harold Blooms Einflussangst. (lacht)
Sie haben ja tatsächlich für Ihre Essays eine ganz eigene Form gefunden.
Wohl, weil mein Schreiben seine Wurzeln eher in der Lyrik hat. Die zwei Bücher, die mir als Teenager gezeigt haben, welche Möglichkeiten die Essayform bietet, waren D. H. Lawrences „Studies in Classic American Literature“ – eine Reihe von Essays über Melville, Whitman etc, geschrieben in diesem unglaublichen, quasi ekstatischen Stil. Und Artauds „Le Théâtre et Son Double” – allein die Idee, ein Buch über das Theater zu schreiben und mit einem Pestschiff zu beginnen, fand ich fantastisch. Die amerikanische Literatur hatte nie eine Avantgarde des Essays. Da hat sich seit dem 18. Jahrhundert kaum etwas verändert. Das schien für mich vollkommen unerforschtes Territorium. Es gab viele Möglichkeiten, was man mit dieser Form anstellen konnte.
Mir fällt gerade noch jemand ein, der einen ganz eigenen Zugang zu dieser Form gefunden hat: William T. Vollmann.
Ja, er ist sicher ein Spezialfall. (lacht) Vollmann kommt eher aus dem New Journalism der Sechziger und Siebziger. Er erinnert mich an Hunter S. Thompson.
Was ich an Vollmann so interessant finde, ist die Rolle, die er selbst in seinen Texten einnimmt. Er gibt sich – trotz einiger brillanter Gedanken –, nicht als der Intellektuelle, der über den Dingen steht, sondern strahlt etwas Gefährliches, fast Prolliges aus. Kein Typ, mit dem man sich gerne zu einer netten Abendessen mit gepflegter Konversation verabreden würde.
Das kann man wohl sagen. (lacht) Vor allem, wenn er seine Knarre rausholt. Das hat er wohl bei einigen Lesungen gemacht. Aber das ist seine Hemingway-Rolle. Amerika war immer voll von Leuten, die Hemingway sein wollten. Vollmann ist sicher eine sehr besondere Hemingway-Inkarnation.
Sie schreiben ja viele Ihrer Texte mit dem Wissen, dass sie anschließend in Übersetzung erscheinen – hat das einen Einfluss auf Ihr Schreiben?
Das hängt natürlich davon ab, was ich schreibe. Wenn es etwas Politisches ist, denke ich schon daran und versuche einige Referenzen ein bisschen allgemeingültiger zu machen, als wenn ich für ein amerikanisches Publikum schreiben würde.
Wie läuft das bei den Übersetzungen Ihrer Bücher – „Orangen! Erdnüsse!“ zum Beispiel: Standen Sie da in Kontakt mit dem Übersetzer Peter Torberg?
Peter ist ein sehr interessanter Fall, denn er stellt mir nie eine Frage. Er hat schon mein erstes deutsches Buch „Kaskaden“ übersetzt. Und dort gibt es einen Text über den ersten Isländer, der nach Indien geht. Im 17. Jahrhundert. Der Originaltext hat sehr viele archaische Bezeichnungen von Schiffsteilen, und ich dachte, das dürfte schwer zu übersetzen sein. Also habe ich ihm schließlich geschrieben und gefragt: Wie bist du mit diesem Text klargekommen? Und er schrieb zurück: „Kein Problem, ich habe ein nautisches Deutsch-Englisch-Wörterbuch aus dem 18. Jahrhundert.“ Da dachte ich: Okay, den muss ich nicht mehr fragen. (lacht)
Ihre Essays haben – egal, ob in der Übersetzung oder im Original – ein ganz eigenes Tempo. Diese Texte bremsen einen, es ist fast eine meditative Erfahrung, sie zu lesen. Es ist vollkommen unmöglich, sie sich in der U-Bahn oder im Bus vorzunehmen. Am besten liest man sie vor dem Einschlafen.
Das ist mein Ideal eines Lesers: Jemand, der ins Bett geht, ein paar Seiten liest und einen fabelhaften Traum hat.
Klingt wie der Anfang einer Borges-Erzählung.
Oder wie ein Gedicht.
Ein faszinierender Text in „Orangen! Erdnüsse!“ handelt von ihrem Treffen mit dem chinesischen Dichter Gu Cheng und seiner Frau Xie Ye, die er einige Zeit später mit der Axt tötete, bevor er sich selbst erhängte. Ein exzentrischer und sehr unangenehmer Mensch anscheinend. Hat dieses Treffen Ihre Sicht auf sein Werk verändert?
Gu Cheng ist vermutlich der radikalste chinesische Lyriker überhaupt. Jemand, der ein Werk schuf, das sich mit keinem anderen vergleichen lässt. Gerade bei Schriftstellern ist es oft so, dass die Radikalsten von ihnen sich als komplett ausdruckslose, farblose Menschen entpuppen. William S. Burroughs ist da ein gutes Beispiel. Er trug immer seinen grauen Anzug, redete kaum und alles, was interessant an ihm war, war in seinem Kopf und blieb dort auch. Gu Cheng dagegen war auch als Person ein ziemlicher Exzentriker. Er trug immer diesen kegelförmigen Hut, der aus dem abgeschnittenen Hosenbein einer Jeans bestand. Selbst beim Schlafen. Weil er nicht wollte, dass seine Gedanken den Kopf verlassen.
Ein bisschen wie David Foster Wallace, der immer ein Bandana trug, um seine Gedanken beisammen zu halten.
Ob er wohl auch damit geschlafen hat? Tschaikowski legte sich immer die Hand an den Kopf, weil er Angst hatte, der könnte sonst runterfallen.
Und Flaubert dachte, er wäre in einem Zustand ständiger Verblödung. Deswegen schrieb und schrieb und schrieb er, um möglichst viel zu schaffen, bevor er vollkommen vertrottelt war.
Das geht uns doch allen so. Warten Sie nur ab, bis Sie in mein Alter kommen. (lacht)
Sie als New Yorker muss ich das fragen: Kannten Sie Harold Brodkey?
Wie kommen Sie denn auf den? Meine Güte, ja. Der größte Hype, den es jemals in der Literaturszene gab. Quasi die Entsprechung zu Jonathan Franzen heute. Ich dachte, der wäre längst vergessen.
Ich fand seinen Fall immer sehr interessant.
Fall ist das richtige Wort. In den Fünfzigern hat er einen Erzählungsband geschrieben, der von der Kritik gelobt wurde. Und dann kam nichts mehr. Doch egal, wo man hinkam, die Leute redeten vom großen Roman, an dem er angeblich arbeitete. Auch Harold Bloom hat ihn verehrt. Ich habe Brodkey in den Achtzigern mal bei einer Lesung erlebt. Er las drei Seiten, dann kullerten ihm Tränen über die Wangen, und er sagte: „Entschuldigen Sie, ich kann nicht weiterlesen. Dieser Text ist einfach zu schön.“ (lacht)
Sie sind an der amerikanischen Gegenwartsliteratur nicht besonders interessiert. Die würden sowieso alle immer nur über ihre Scheidungen schreiben, haben Sie mal gesagt.
(Lacht) Ja, es heißt ja immer, die Leute sollen über Dinge schreiben, die sie kennen. Aber das sehe ich ein bisschen anders. Mich interessiert das Fremde.
Wann begann Ihre Faszination für China?
Als ich ein Kind war. Ich hatte ein Buch von einem deutschen Autor, der wundervolle Kinderbücher über China schrieb. Eines hieß „Auch du kannst Chinesisch schreiben“ oder so. Dort beschreibt er, wie der bildliche Teil der chinesische Ideogramme funktioniert. Ich habe die Idee einer anderen Sprache aus Bildern schon damals geliebt. In meinen Zwanzigern habe ich Chinesisch studiert, dann ging ich nach Indien. Dort verbringe ich immer noch viel Zeit. Besonders im Winter. Viele meiner Texte haben dort ihren Urspung – in Erfahrungen, Gesprächen.
Trotzdem vermeiden Sie es, über Ihre Erfahrungen in der ersten Person zu berichten.
Ich finde mich einfach nicht so interessant. Deswegen hab ich kaum über mich geschrieben. In den USA denkt man, der Essay sei immer der sogenannte personale Essay. Ich habe mich quasi daraus eliminiert.
Auch Popkultur kommt kaum vor in Ihren Texten.
Ich frage mich auch, warum das so ist. Ich bin ganz sicher ein Filmfreak, aber ich habe nie wirklich gelernt, darüber zu schreiben, wenn man von einem Text über ethnographische Filme absieht. Aber das ist was anderes. Ich habe noch nie versucht, über Musik zu schreiben. Ich weiß auch nicht, wie das geht. Wo ich mich wirklich gut auskenne – und das geht dann schon ins Nerdige – ist afro-amerikanische Musik zwischen 1955 und 1975.
Irgendwann ist Popkultur ja auch zur Normalität geworden, dadurch hat sie viel ihrer Kraft verloren.
Es ist seltsam, das Buch, das fast alle US-Teenager, die sich noch für Literatur interessieren, gelesen haben, ist „On The Road“. Die Beats leben, und die Musik der Sechziger lebt. Auch junge Leute hören das. Das ist in etwa so, als wenn meine Generation in den Sechzigern Dixieland gehört hätte. Einer der Gründe ist wohl, dass Heranwachsende nun mal Rebellen – bad boys, und bad girls – lieben. Und in dieser Zeit gab es die letzten authentischen Vertreter dieser Spezies. Die heutigen bad boys haben einen Multimillionendeal mit irgendeinem Konzern und leben in irgendeinem Herrenhaus, so wie 50 Cent, der in einer Villa im bourgeoisen Connecticut lebt. Rebellen sind heute das Produkt von Marketingstrategien. Junge Leute verstehen das intuitiv und gehen daher in der Zeit zurück, um bei den tragisch-verstorbenen Typen aus den Sechzigern nach Authentizität zu suchen.
Aber alles, gegen das diese Leute einst rebelliert oder scheinbar rebelliert haben, ist doch eh verschwunden. Ihr Verhalten zu kopieren bedeutet doch eigentlich, vollkommen konform mit den Werten unserer Gesellschaft zu leben.
Ja, all die wilden Dinge, die die Beats getan haben, sind nun Teil des konsumgesellschaftlichen Mainstreams. Wenn man Kerouac liest: „Wow, nun trinken wir einen Rotwein, wie rauchen Pot und haben Sex, obwohl wir nicht verheiratet sind.“ (lacht) Aber es geht um das Sentiment.
Sie haben in einem Ihrer Texte festgestellt, dass der Irakkrieg in den Künsten kaum Spuren hinterlassen hat.
Das stimmt. Es ist kein erinnerungswürdiges Gedicht entstanden, kein erinnerungswürdiger Song. Vor allem, wenn man sich anschaut, wie viele bedeutende Gedichte und Songs vom Vietnamkrieg inspiriert wurden.
Hat das auch damit zu tun, dass der Irakkrieg – mit dem Wissen aus dem Vietnamkrieg – von der US-Regierung vollkommen anders inszeniert wurde?
Das spielt bestimmt eine Rolle – sicher aber auch einfach die Tatsache, dass es keine Einberufungen mehr gibt, deshalb muss niemand mehr befürchten, gegen seinen Willen ins Kriegsgebiet eingezogen zu werden.
Hätte es denn überhaupt jemand gemerkt, wenn ein bedeutendes Gedicht über den Irakkrieg geschrieben worden wäre? Lyrik läuft doch heutzutage unter ferner liefen.
Lyrik hat keinen Einfluss mehr, weil es so viel davon gibt. Es gibt ein „Directory of American Poets“, das um die 10.000 publizierte Lyriker aufführt. Als ich 18 oder 20 war, gab es nicht so viele davon, und ich kannte sie alle. Der Grund für diese Explosion liegt in den Creative-Writing-Schulen. Man kann eine komfortable Mittelklasse-Karriere machen, wenn man Creative Writing unterrichtet. In seiner Jugend hat ja jeder Lyrik geschrieben, aber früher kam irgendwann der Punkt, an dem man sich einen Job suchen musste. Da haben sich dann die meisten gegen die Dichtung und für das Geld entschieden. Heute geht beides. Und das führt dazu, dass es immer schwieriger wird, gehört zu werden. Besonders in jungen Jahren. In den Sechzigern gab es die berühmte Anthologie „The New American Poetry“. Fast jeder, der da drin ist, war unter 30 oder in den frühen Dreißigern. Innerhalb der Literaturszene waren alle von ihnen ziemlich bekannt – Ginsberg, Robert Creeley, Gary Snyder usw. Heute findet man kaum noch junge Lyriker mit einem solchen Bekanntheitsgrad.
Fehlen denen vielleicht die Themen?
Kann sein. Die Verlage beschweren sich, dass sie jetzt alle auf Hunderten von Manuskripten junger amerikanischer Schriftsteller sitzen, die darüber schreiben, wie es ist, jung zu sein und in Berlin zu leben.
(Interview: Maik Brüggemeyer)
Tags: Eliot Weinberger · Ernest Hemingway · Essay · Lyrik · Popkultur · William T. Vollmann
„Das politische System der USA ist kollabiert.“ Interview mit Eliot Weinberger (1)
01.11.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein, Literatur
In der aktuellen Ausgabe des ROLLING STONE gibt es ein kleines Porträt des New Yorker Essayisten, Übersetzers und Lyrikers Eliot Weinberger. Das zugrunde liegende Gespräch gibt es nun hier in zwei Teilen.
Eliot Weinberger wurde 1949 in New York City geboren. Bereits mit 19 wurde er der amerikanische Übersetzer des mexikanischen Dichters Octavio Paz. In seinen Zwanzigern studierte er Chinesisch und übertrug die Werke des Lyrikers Bei Dao ins Englische. Seit den Achtzigern glänzt er mit eigenen Essays, die unter anderem in „Lettre International“ erschienen. Faszinierende, mit der Sensibilität eines Lyrikers und dem Horizont eines Kosmopoliten verfasste Texte, die nicht nur die Grenzen der essayistischen Form, sondern auch die der Sprache neu ausloten. Einer seiner Texte, „What I Heard About Iraq“, machte eine besonders bemerkenswerte Karriere. Aus Zitaten von Politikern, Soldaten und Zivilisten hatte er ein Prosagedicht über den Irakkrieg montiert, das im Internet ein Eigenleben entwickelte und u.a. Theaterstücke, Tanzperformances, und Kunstinstallationen inspirierte. In deutscher Sprache sind von Weinberger bisher drei Bücher erschienen: „Kaskaden“ (Edition Suhrkamp), „Das Wesentliche“ und jüngst „Orangen! Erdnüsse!“ (beide in sehr schönen Editionen im Berenberg Verlag).
Das ist vermutlich Ihr erstes Interview mit dem ROLLING STONE.
EW: Ja, in den USA haben sie mich noch nicht gefragt. Wahrscheinlich würden sie mich zuerst mal nackt in fötaler Stellung fotografieren. (lacht)
Was sagt es über die US-Presselandschaft, dass Sie dort quasi nicht vorkommen und die meisten Ihrer Texte in europäischen Magazinen erscheinen?
Keine Ahnung. Vielleicht bin ich in der Übersetzung einfach besser.
Liegt es daran, dass es keine Schublade gibt, in die Ihre Essays passen – weder thematisch noch formal?
Es ist tatsächlich ein Problem in den USA, dass die meisten Magazine in ihren Formaten gefangen sind. Der New York Review of Books bringt eben nur Besprechungen, der New Yorker bringt Porträts etc. Und zudem werden die Texte redaktionell stark bearbeitet und umgeschrieben. Es gibt bei uns einfach diese Feuilletontradition nicht – literarische Autoren tauchen nicht in Zeitungen auf, um ihre Meinungen über politische oder kulturelle oder soziale Anlässe zu äußern.
In McSweeney’s Magazin “The Believer” schreiben Autoren allerdings durchaus über diese Dinge.
Ja, aber das ist eine kleine Literaturzeitschrift, es gibt jedoch kein Äquivalent zu „Lettre International“ beispielsweise. Es gibt bei uns Platz für lange journalistische Stücke, für Literaturkritik etc., aber die Meinungen von Literaten sind im öffentlichen Diskurs nicht gefragt.
Aber selbst in Deutschland hat man nicht das Gefühl, dass die Feuilletons von klassischen Intellektuellen bestimmt werden. Vielleicht gibt es die auch gar nicht mehr. Es gibt eher das, was man Medienintellektuelle nennt – Leute, die sich nach den Gesetzen der Medien als Intellektuelle inszenieren. Am deutlichsten wird es natürlich, wenn sie im Fernsehen auftreten – Leute wie Slavoj Zizek, Peter Sloterdijk … alle haben diesen nervösen Tick, als hätten sie zu viele Woody-Allen-Filme geguckt, um sich abzuschauen, was man unter einem Intellektuellen versteht.
(Lacht) Ja, wenn ich so drüber nachdenke – das stimmt tatsächlich. Mit Woody Allen ist es ja auch so eine Sache. Ich lebe in New York, bin da aufgewachsen, und egal, in welches Land ich komme, es kostet mich jedes Mal sehr viel Zeit zu erklären, dass ich Woody Allen überhaupt nicht mag, dass eigentlich niemand in New York Woody Allen mag. Und die Leute können das dann überhaupt nicht verstehen. Als ich nach Berlin flog, habe ich im Flugzeug den neuen Allen-Film „Midnight In Paris“ gesehen – sein Problem ist einfach, er kann überhaupt keine Dialoge schreiben. Jede Figur klingt wie Woody Allen, und das ist irgendwann etwas ermüdend.
Vielleicht ist er auch besser in der Übersetzung.
(Lacht) Kann sein. Er hat jetzt bestimmt 40 Filme über New York gemacht, und es ist nicht eine einzige schwarze Figur aufgetaucht oder eine hispanische oder eine Prostituierte …
Prostituierte gibt es bei ihm schon ab und zu. Und zumindest in zwei Filmen, die mir gerade einfallen, gibt es eine mit einem Afroamerikaner besetzte Nebenrolle. Aber, klar, das ist kein reales Bild von New York, soll es wohl auch nicht sein.
Seine Filme handeln von einem New York, dass es nicht mehr gibt. Das ist das New York der 70er-Jahre, das ist lange vorbei.
Allen scheint sich nach diesem New York zu sehnen. Sie offensichtlich nicht …
Nein, überhaupt nicht. Er hat halt diese Fantasie über die Intellektuellen an der Upper West Side. Mir gefällt New York heute besser – zumindest einige Teile von New York.
Wo leben Sie?
In Greenwich Village. Aber natürlich ist auch da alles total gentrifiziert. Nur noch die Reichen können in Manhattan leben. Früher haben in meinem Viertel arbeitslose Schauspieler gelebt, und die Leute haben so gegen ein Uhr nachmittags gefrühstückt. Nun sieht man Hedgefont-Manager, Filmstars und ein paar ältere Leute wie mich, die einfach geblieben sind, sonst sind alle nach Brooklyn gezogen. Dort findet mittlerweile das intellektuelle Leben statt.
Als ich die ersten Texte aus Ihrer Essaysammlung „Orangen! Erdnüsse!“ gelesen habe, kam mir dieser Satz von Wittgenstein in den Sinn: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt”. Es schien mir, als würden sie die Grenzen meiner Sprache verschieben und mir so mehr von der Welt zeigen.
Das hat wohl damit zu tun, dass ich mich mein Leben lang mit Übersetzungen beschäftigt habe. Die Übersetzung erweitert im besten Fall den Horizont der Sprache, in die man übersetzt. Ich kann neue Dinge in die englische Sprache hineinholen. Da Übersetzungen eben immer auch wie Übersetzungen gelesen werden, hat man eine gewisse Freiheit, Dinge zu tun, die in einem anderen Kontext vielleicht seltsam erscheinen würden. Außerdem habe ich den Großteil meines Lebens in New York verbracht, und das ist nun mal die Weltstadt schlechthin – fast die Hälfte der Einwohner wurde in einem anderen Land geboren, und die andere Hälfte sind deren Kinder. Da fühlt man sich als Weltbürger – jedenfalls sicher nicht als US-Bürger. Alles, was auf der Welt passiert, hat irgendwie Auswirkungen auf die Stadt.
Muss seltsam sein, in einer Stadt zu leben, die sich so sehr vom Rest des Landes unterscheidet, dass man sich in der Politik nie wirklich repräsentiert fühlt.
Ja, ich habe schon immer gedacht, New York sollte sich von den USA abspalten und ein Stadtstaat werden – so wie Singapur. (lacht) Was auch noch bemerkenswert ist an New York, ist die verfallende Infrastruktur – wenn man sich allein den JFK-Flughafen anschaut! Früher sagte man scherzhaft, Kennedy sei ein Dritte-Welt-Flughafen – mittlerweile haben allerdings die meisten Dritte-Welt-Länder einen weitaus komfortableren Airport. Auch der Personennahverkehr steht ja kurz vor dem Kollaps. Und der Grund dafür ist natürlich, dass niemand im Kongress Geld an New York gibt – die Abgeordneten wohnen alle in Montana oder sonstwo und verabscheuen New York. Im Vergleich zu den Steuergeldern, die aus der Stadt kommen, fließt ziemlich wenig zurück. New York ist vermutlich die einzige Metropole der Welt, in der seit etwa 50 Jahren keine neue Infrastruktur mehr gebaut wurde. Es gibt eine Brücke, die in den frühen Sechzigern errichtet wurde, das ist das letzte, was dort passiert ist. Seit 75 Jahren bauen sie nun schon einen neuen Streckenabschnitt der U-Bahn unter der 2nd Avenue – und nicht mal ein kleiner Teil davon ist bisher eröffnet. New York ist eine ein bizarre Dritte-Welt-Stadt.
Funktioniert die politische Öffentlichkeit der USA ausschließlich über das Fernsehen?
Ja, klar. Eine Zeitungskultur gibt es nur in wenigen Städten. Aber es ist eben eine bestimmt Art von Fernsehen – die „Fox“-Nachrichten mit ihrer Sensationsgier. Dadurch kommen dann auch obskure Randgestalten in die Öffentlichkeit wie dieser Typ aus Florida, der eine sogenannte Kirche hat und vermutlich so um die zehn Leute, die ihm folgen. Und er kündigt an, er werde den Koran verbrennen. Normalerweise wäre das nicht mal eine Nachricht – irgendein Verrückter, der irgendwo an einer Ecke steht. Aber plötzlich wird das ein großes Ding im Fernsehen und führt zu weltweiten Demonstrationen. So verwandelt sich Sensationsgier in Nachrichten. Und deshalb sind auch die meisten Kandidaten der republikanischen Partei Verrückte. Leute, die im Grunde genommen die gesamte Regierung abbauen wollen – es gab in den USA immer irgendwelche Randfiguren im Untergrund, die das gefordert haben, aber jetzt stehen sie im Rampenlicht.
Welche Rolle spielt denn das Internet für die politische Kultur der USA?
Es gab diese Zeit– kurz nach 9/11 –, als die großen Medien einfach nur das wiederholten, was der Präsident sagte. Das war schon ein bisschen wie in der Sowjetunion. Deshalb waren wir alle auf das Internet angewiesen, um die internationale Presse zu lesen. Das war die einzige Quelle oppositioneller Informationen. Es ist fast vollkommen unmöglich sich vorzustellen, wie wir die Bush-Ära ohne das Internet hätten durchstehen sollen. Das war unsere Lebensader. Erst nach dem Hurricane Katrina wurden die Medien wieder skeptischer gegenüber der Bush-Regierung. Für den Journalismus ist das Internet ein Segen, weil es voller investigativer Journalisten ist, die kaum zu kontrollieren sind. Die Aufdeckung der meisten politischen Skandale der letzten Jahre nahm in den USA ihren Ausgangspunkt im Internet. Eine autoritäre Gesellschaft ist auf die Kontrolle von Information angewiesen. Die Frage ist nun, wie kann man die autoritäre Gesellschaft fortführen, wenn sich die Informationen nicht mehr kontrollieren lassen. Das ist gerade ein großes Problem in China, weil die Hacker immer einen Schritt schneller sind als die Regierung.
Haben Sie mal überlegt, einen Blog zu schreiben?
Die Originalversionen der politischen Artikel, die ich für ausländische Publikationen schreibe, schicke ich per Email an Freunde. Das ist der beste Weg zu publizieren, weil die Leser mit ihren Forward-Button abstimmen. Wenn es ihnen gefällt, leiten sie es weiter. So haben einige der Texte sich im Internet quasi verselbständigt. Speziell die Dinge, die ich über den Irakkrieg geschrieben habe, haben sich im großen Stil verbreitet. Ein Typ in Los Angeles machte daraus ein Theaterstück, das dort für sieben Monate lief, dann tourte es durch England, wurde zu einem BBC-Hörspiel … in Australien machte ebenfalls jemand ein Hörspiel daraus. Außerdem entstanden daraus Tanz-Performances, Kunstinstallationen, das Berliner Literaturfestival organisierte eine weltweite Lesung an hundert verschiedenen Orten – Beirut, Kalkutta und so weiter. Meine Rolle bestand lediglich darin, jedem die Erlaubnis zu geben, der danach fragte. Der Grund für diesen Zuspruch war wohl einfach, dass es sonst keine literarischen Texte zu dem Thema gab.
Sie haben früher kaum über die USA geschrieben – eher über China, Indien, Mittelamerika …
Ja, das hat sich mit dem Amtsantritt von George W. Bush geändert. Da staute sich eine Wut auf, und ich schrieb mehr über Amerika. Nach 9/11 war ich dann eine Art Amerika-Korrespondent für europäische Publikationen. Nach der Wahl von Obama war ich nicht mehr wütend und habe damit wieder aufgehört. Doch nun kommt die Wut zurück, und ich beginne von Neuem, über Politik zu schreiben.
Liegt das an den verrückten Republikanern oder auch an Obama selbst?
Als Obama gewählt wurde, schien es eine kurze Zeit, als könnten die USA ein normales Land mit einem normalen Präsidenten werden. Er ist artikuliert und brillant und dazu noch sehr vernünftig. Aber es hat nicht lange gedauert, bis die Verrückten zurückkamen. Und nun ist alles außer Kontrolle, denn die Republikaner sind von Leuten übernommen worden, die man nicht mehr als Konservative bezeichnen kann, eher als ultrarechte Anarchisten. Solch extreme Elemente haben noch nie die Macht über eine der beiden großen Parteien übernommen. Das hat natürlich auch zu einer enormen Störung der Regierungstätigkeit geführt – denn diese Leute glauben einfach nicht an Kompromisse. Im Wesentlichen bedeutet das: Sie sind einfach gegen alles, was Obama macht – selbst wenn sie vor einer Woche noch das Gegenteil behauptet haben. Das politische System ist quasi kollabiert – nichts kann mehr angefasst werden. Diese Leute glauben tatsächlich an den völligen Abbau der Regierung – mit Ausnahme des Militärs. Michelle Bachmann hat neulich gesagt, die Leute sollten keine Steuern mehr zahlen. Sie glauben an den Abbau des Bildungsministeriums. Selbst die geringe Sozialfürsorge, die alten Menschen in den USA zusteht, ist vor ihnen nicht sicher. Die Familie sollte sich um die alten Leute kümmern.
Der absolute Laissez-Faire-Kapitalismus.
Ganz genau. Nicht einmal Aufsichtsbehörden soll es geben – niemand sollte das zum Verzehr gedachte Fleisch überprüfen oder die Emissionen von Fabriken. Man kann sie also nicht mal konservativ nennen, denn die Konservativen glauben an die Bewahrung des Status Quo mit kleinen Veränderungen. Diese Leute wollen dagegen einfach alles abbauen. Und die Republikaner haben bisher keine vernünftige Person gefunden, die die Wahl gewinnen kann. Wir haben ja das System der Primaries, um die Kandidaten der Parteien zu nominieren. Und nur Fanatiker wählen in den Primaries. Deshalb entwickeln sich die Republikaner immer weiter in die rechte Ecke. Deshalb gibt es keine vernünftigen Republikaner mehr: Sie können sich einfach bei den Vorwahlen nicht durchsetzen. Aber die meisten Menschen in den USA sind nicht so verrückt, und deshalb werden sie diese Leute auch nicht wählen. Die gute Nachricht ist also, dass Obama es bei der nächsten Wahl ziemlich leicht haben wird. Wenn sie einen normalen, langweiligen Republikaner finden würden, sähe das anders aus.
(Interview: Maik Brüggemeyer)
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Tomas Tranströmer hat den Nobelpreis für Literatur gewonnen
06.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein, Literatur
Halten wir fest: Philip Roth hat den Literaturnobelpreis wieder nicht bekommen.
Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer ist ein würdiger Preisträger, auch wenn ich – außer auf den Webseiten von englischen Wettbüros – noch nie etwas über ihn, geschweige denn von ihm gelesen hat.
Bob Dylan, der von den englischen Buchmachern heiß gehandelt wurde
Bob Dylan, der sich weigert, seine Texte auf die Plattenhüllen zu drucken
Bob Dylan der „moon“ auf „spoon“ reimte, „my“ auf „pie“ und „cousin“ auf „buzzin’“
Bob Dylan, der seine Melodien und Texte zusammenmontiert aus den Melodien und Texten anderer Leute
Bob Dylan, der Copy/Paste erfunden hat, bevor jemand die Tastenkombination Strg+C/Strg+V kannte
Bob Dylan, der Triviales und Hochgeistiges, Literarisches und Cineastisches, lang Vergangenes und kaum Geschehenes mittels seiner Stimme zu einer Geschichte formen kann
Bob Dylan, der Stimmenimitator und der Maskenmann
Bob Dylan, der Erzähler
Bob Dylan, den wir nicht verstehen, weil seine Texte nicht aus Worten und Sätzen bestehen, sondern aus Silben und Lauten
Bob Dylan, der manchmal von der Sprache zu singen scheint, nicht von ihrer Bedeutung
Bob Dylan, der einem die Augen und Ohren nicht durch das öffnet, was er singt, sondern dadurch, wie er es singt
Bob Dylan, der Heimatlose
Bob Dylan, die Spur
Bob Dylan, der Bob Dylan singt, wir nur Bob Dylan Bob Dylan singen kann
Dieser Bob Dylan hat den Nobelpreis für Literatur in diesem Jahr nicht bekommen
Was ein bisschen schade ist, denn das hätte zumindest zu einigen Diskussionen geführt. So hat man morgen die ganze Zeremonie schon wieder vergessen. Auf den Titelseiten wird Steve Jobs (R.I.P.) stehen. Bob Dylan selbst wird es recht sein. Seine Unlust auf akademische Weihen und sonstige Ehrungen hat der Pulitzer-Preisträger schon des öfteren unter Beweis gestellt. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Princeton University 1970 verarbeitete er in seinem Song “Days Of The Locusts”.
“Oh, the benches were stained with tears and perspiration
The birdies were flying from tree to tree
There was little to say, there was no conversation
As I stepped to the stage to pick up my degree …”
Und er war schon damals froh, als er die universitären Hallen wieder verlassen konnte.
“I put down my robe, picked up my diploma
Took hold of my sweetheart and away we did drive”
Bob Dylan spielt heute abend in Dublin.
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Nachtrag: Literaturnobelpreis 2011 für den Stimmenimitator?
05.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Nun wird also tatsächlich Bob Dylan von englischen Buchmachern als der große Favorit auf den Nobelpreis für Literatur gehandelt. Im Falle des Falles wäre das eine ziemliche Sensation. Auf die Begründung kann man gespannt sein, wobei Dylan die beste natürlich schon längst selbst geliefert hat:
I’m listening to Billy Joe Shaver
And I’m reading James Joyce
Some people they tell me
I got the blood of the land in my voice
Eine Auszeichnung Dylans käme fast einer Neudefinition des Preises gleich. Denn ein Dichter im herkömmlichen Sinne ist er ja nicht. Der Reiz seiner Songpoesie liegt mindestens so sehr in der Performance wie in der Materialität. Das gilt natürlich für die Texte von Dramatikern auch, doch Dylans Werk ist zudem ohne diese spezifische Stimme, diesen Körper nicht denkbar. Und dann sind da natürlich noch all die anderen Stimmen aus Literatur, Musik und Film, die aus seinen Lieder immer wieder sprechen. Es wäre eine Auszeichnung für eine Tradition, für einen Stimmenimitator, für Liebe und Diebstahl.
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Literaturnobelpreis 2011. Die Nominierten
03.10.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Literatur
Am Donnerstag wird wieder einmal der Nobelpreis für Literatur vergeben. Ich weiß gar nicht, warum man da jedes Jahr wieder hinschaut, um dann hinterher doch wieder in den alten Post-Preisverleihungsdiskurs zu verfallen, der ungefähr so geht:
1. Philip Roth hat ihn wieder nicht bekommen.
2. All die Großen haben ihn nicht bekommen (was ja nicht mal stimmt, siehe Hamsun, Mann, Eliot, Faulkner, Hemingway, Beckett, Bellow, Coetzee etc).
3. Der Nobelpreis für Literatur ist kein literarischer, sondern ein politischer Preis.
4. Wieder ein würdiger Preisträger dieses Jahr, auch wenn man noch nie was von ihm gehört, geschweige denn gelesen hat.
Kann natürlich sein, dass die Akademie doch ein Einsehen hat und Roth den Preis jetzt, wo Updike tot ist, als einer der letzten Vertreter seiner Art (unglaublich amerikanisch, unglaublich männlich) doch noch bekommt. Dann aber sicher für die falschen Romane. Auch Cormac McCarthy wird in den Wettbüros zurzeit heiß gehandelt. Der letzte amerikanische Preisträger ist auch schon wieder eine Weile her (Toni Morrison, 1993). Wäre ja eine nette Geste, jetzt wo das mit dem Weltmacht-Sein allmählich zuende geht … Wobei Don DeLillo oder Thomas Pynchon sicher die inspiriertere Wahl wären. Auch Bob Dylan wird mal wieder gehandelt. Aber das ist natürlich ein Missverständnis. Wo es doch seit neuestem keine Rolle mehr spielt, ob der Preisträger noch unter den Lebenden weilt, wäre vielleicht Roberto Bolano eine gute Alternative.
Falls das Komitee um Per Wästberg noch Anregungen braucht, hier wären meine Favoriten:
1. Der amerikanische Essayist und Übersetzer Eliot Weinberger, der schon seit langer Zeit die alte Morrissey-Weisheit „America Is Not The World“ beherzigt. Zudem sind seine lyrischen Texte über Götter und die Welten der reinste Genuss.
2. William T. Vollmann, der mindestens so männlich und so amerikanisch ist wie Philip Roth, John Updike und Cormac McCarthy zusammen (er schrieb einen Romanzyklus über Männer und Prostituierte, einen anderen über die Besiedlung des amerikanischen Kontinents), und manchmal gar mit geladener Knarre zur Lesung erscheint. Seine weit über 3000 Seiten starke akribische Abhandlung über Gewalt, „Rising Up, Rising Down“, hat jeden Preis der Welt verdient. Sein „Europe Central“ ist vermutlich einer der packendsten Romane über den Zweiten Weltkrieg überhaupt.
3. Peter Handke – warum? Weil er die schönste Sprache von allen hat – sublim und surreal. Weil er der formal und inhaltlich spannendste und mutigste deutschsprachige Schriftsteller seiner Generation ist. Weil man die (politische) Begründung gerne lesen würde. Weil er vermutlich ablehnen würde.
4. Der umstrittene niederländische Großschriftsteller Adrianus Franciscus Theodorus van der Heijden (kurz: A.F.Th.), der mit seinem Romanzyklus „Die zahnlose Zeit“ einen bilderreichen, sprachmächtigen, dionysischen Romanzyklus verfasst hat, der alle weiteren Coming-of-age-Romane quasi obsolet macht. Nun misst er sich in seinem zweiten Romanzyklus “Homo Duplex” nobelpreiswürdig nur noch mit den griechischen Göttern.
5. Der Engländer Howard Jacobson, der seit vielen vielen Jahren außerhalb seiner Heimat fast unbemerkt einige der komischsten, gewitztesten Romane darüber geschrieben hat, was es heißt, im Hier und Jetzt zu leben.
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“Love & Theft” in der Galerie – die Kunst des Meisterdiebs Bob Dylan
29.09.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Bob Dylan scheint in den letzten Jahren mehr zu malen als Lieder zu komponieren. Nun wurde in New York mit „The Asia Series“ innerhalb von vier Jahren bereits seine dritte Ausstellung eröffnet. Die erste, „The Drawn Blank Series“, wurde 2007 in Chemnitz gezeigt, letztes Jahre folgte „The Brazil Series“ in Kopenhagen. Vor allem die erste Werkgruppe aus Aquarellen und Gouachen wurde von vielen Kritikern gelobt, da Dylan hier – ähnlich wie bei seinen Konzerten – nach dem Remake/Remodel-Prinzip arbeitete und seine Bleistift- und Kohlezeichnungen durch unterschiedliche Kolorierungen immer wieder mit neuem Leben füllte.
Nun wo Dylans Bilder vom Rand der Kunstwelt ins Zentrum gerückt sind und sich nicht mehr länger nur Fans und Musikkritiker für seine Arbeiten interessieren, treten erste Irritationen auf. Es sind die gleichen Einwände, die schon Dylans musikalisches und literarisches Werk begleiteten: Er habe kopiert, plagiiert, geklaut. Die asiatischen Impressionen, die er angeblich auf seinen Bildern festgehalten habe, seien gar nicht seine eigenen. Er habe einfach Fotos von Dmitri Kessel und Henri Cartier-Bresson abgemalt, der Fotograf Okinawa Soba erklärte, dass sechs der insgesamt 18 Gemälde auf Vorlagen aus seinem Flickr-Stream basieren. Einige Journalisten wittern schon wieder einen Skandal.
Es sind nun fast 50 Jahre vergangen, seit das erste Album von Bob Dylan erschien, und noch immer scheint es einige Leute zu geben, die mit seiner Methode nicht vertraut sind und denen es nicht möglich ist, die Traditionen zu identifizieren, in denen er sich verortet. So muss Dylan es in einem sehr interessanten Interview auf seiner Website selbst tun:
Q: While we were looking at the new paintings, you said something like “For better or worse, they are all part of a panorama, of one unit, on the subject of Asia.” Does that mean that you think of The Brazil Series, and now The Asia Series, in the same sort of way that you think of each of your albums?
A: I think so, like concept albums. Johnny Cash did one about the Old West. The New Lost City Ramblers recorded Songs from the Depression. A. L. Lloyd did an album called Farewell Nancy, all sea shanties. Cowboy songs and songs of the great frontier have always made great concept albums. I’ve never done that, and maybe this is my way of doing it.
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Bachmannpreis 2011: Heimsieg in Klagenfurt
10.07.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Literatur
Am Morgen schon konnte man in der FAS die persönliche Bilanz lesen, die die Jungautorin Antonia Baum nach den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literaturkritik in Klagenfurt zieht. Sie echauffiert sich über Literaturvollzugsbeamte, die Texte einsargen, die „Bernhard-Messe“ feiern, den „Schnitzler-Weihrauch“ schwenken und die „Bachmann-Hostie“ essen. Die Erfahrung, sich selbst beim Wettlesen vorzuführen, um anschließend von der Kritikerjury vorgeführt zu werden, hat wohl ihre Spuren hinterlassen. Doch so sehr sich Baum an ihrer Suada gegen das Literaturestablishment und die Generation ihrer literarischen Mütter und Großväter berauscht, desto mehr schreibt sie sich selbst hinein in diese Tradition – lauter Bernhard-Sätze und Goetz-Beobachtungen lugen da aus ihrem Text hervor, wenn auch noch nicht ganz so kaltblütig und hitzköpfig exekutiert.
Es ist natürlich tatsächlich ein bisschen zum Aus-der-Haut-fahren, dass wiederum – wie schon im vorigen Jahr – die junge Generation der Autoren bei der Preisvergabe übergangen wurde. Während der in der Breite verhältnismäßig schwache letzte Jahrgang allerdings auch kaum einen anderen Sieger als Peter Wawerzineks Auszug aus seiner literarischen Symphonie „Rabenliebe“ zugelassen hatte, gab es in diesem Jahr einige starke Texte von literarischen Newcomern. Leif Randt und Thomas Klupp etwa brachten mit ihren unterhaltsamen Gegenwartssatiren die Lust und den Spaß am Wettlesen zurück nach Kärnten, Steffen Popp gab einem den Glauben an die Provinzliteratur zurück, die in den letzten Jahren doch allzu sehr vor Hund, Fuchs und Hase gekommen schien, und Nina Bußmanns ungemein grandios beobachteter Text über das irgendwie intime Verhältnis zwischen einem Lehrer und seinem hochbegabten Schüler hätte alle Auszeichnungen der Welt verdient gehabt.
Gewonnen hat den Bachmannpreis schließlich die Österreicherin Maja Haderlap, die in Klagenfurt lebt und somit sozusagen ein Heimspiel hatte. Ihr Text „Im Kessel“ erzählt anhand des Schicksals einer Familie vom slowenischen Partisanenwiderstand gegen das Deutsche Reich. Man muss da natürlich an Peter Handke denken, der dieses Thema bereits – ebenso wie Haderlap mit autobiografischem Hintergrund – in „Die Wiederholung“ und „Immer noch Sturm“ aufgriff.
Ohne Frage, „Im Kessel“ ist ein historisch und poetisch bedeutsamer Text, ein in kostbare Sprache gefasstes Stück Vergangenheit. Doch die Anstrengung, zumindest Teile der längst unlesbar gewordenen Welt der Gegenwart zu erschließen und wieder lesbar zu machen, hätte auch mal einen wichtigen Preis verdient.
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Sie wollen uns erzählen – Bachmannpreis 2011
03.07.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein, Literatur
Ach, das Schriftstellerleben muss herrlich sein! Dem Alltag entfliehen, aufs Wasser starren, in den Wald gehen, in den Streichelzoo, ein bisschen Yoga für das innere Gleichgewicht, ab und zu im Kaffeehaus ein paar Leuchtchen belauschen und ganz ganz viel über sich selbst und sein Schreiben nachdenken. So jedenfalls inszenieren sich – mit wenigen Ausnahmen – die Autoren, die bei den diesjährigen Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im Wettbewerb um den Bachmannpreis antreten, in ihren für den ORF-produzierten Vorstellungsvideos.
Das Schreiben sei ihnen eine innere Notwendigkeit, sagen sie. Von Sehnsucht ist viel die Rede und von Schmerzen. Scheinbar autistische Autoren-Ichs, die mit der Gesellschaft nicht sonderlich viel zu tun zu haben scheinen. „Ich hab das oft gehabt … beim Schreiben … dieses Gefühl – will das jemand noch mal wissen?“, fragt sich da etwa vermutlich nicht ganz zu unrecht die junge Autorin Antonia Baum.
Nun weiß man natürlich, dass das Fernsehen ein ziemliches armseliges Medium ist, flüchtig und schriftlos, ein großer Tiefgründigkeits- und Inhaltsvernichter, eine Klischeereproduktionsmaschine. Und darum tun einem die Autoren auch ein bisschen leid, wenn sie sich da so naiv und ungeschützt vor die Kamera stellen, um anscheinend stante pede das Unsagbare zu formulieren. Selbst die Ironisierungsstrategien von Thomas Klupp, Nina Bußmann und Leif Randt wirken ein bisschen hilflos. Der Österreicher Daniel Wisser entzieht sich des Aussagezwangs mithilfe seiner elektronische Musik und wirkt ein bisschen eitel. Lediglich zwei Autoren machen eine gute Figur. Thomas Popp, der ganz auf eine Videovorstellung verzichtet, und Maximilian Steinbeis, Autor des unheimlichen Heimatromans „Pascolini“, der sich im Berliner Regierungsviertel filmen ließ und kluge Sachen sagt zum Verhältnis von Journalismus und Literatur, Rationalität und Fantasie.
Ab Donnerstag, 10.15 Uhr, werden die insgesamt 14 Teilnehmer vor die siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Burkhard Spinnen treten und ihre Texte vortragen. Hoffen wir mal, dass die ein bisschen welthaltiger, origineller, unbequemer und komischer ausfallen als die Selbstvorstellungen. Und natürlich hoffen wir auf unterhaltsame und erhellende Jury-Diskussionen.
Ob es wieder so schön wird wie früher mal?
PS: Und so sehen Literaturwettbewerbe in England aus:
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Beijing It All Back Home: Bob Dylan über China
13.05.2011 | Autor: maikbrueggemeyer | in: Allgemein
Viel ist berichtet worden über die Konzerte, die Bob Dylan im April diesen Jahres in Peking, Shanghai und Hong Kong gab. Dylan (einige Journalisten nannten ihn “Protestsänger”) habe vor leeren Sitzreihen gespielt und gebuckelt vor den Zensurbehörden, hieß es, man empörte sich, dass er sich nicht zur Verhaftung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei geäußert hatte. Dylan schwieg zu den Vorwürfen, wie er es eigentlich immer tut. Umso erstaunlicher, dass er nun auf seiner Website www.bobdylan.com ein offizielles Statement zu seiner China-Tour veröffentlichte, und sich gegen einige Anschuldigungen zu Wehr setzt. Er habe den Behörden zwar im Voraus seine Setlisten der letzten drei Monate zugesandt, aber eine Zensur habe es nicht gegeben, die Konzerte seien gut besucht gewesen – und nicht nur von in China beruflich tätigen Landsleuten, sondern vor allem von jungen Chinesen. Dylan mokiert sich zudem über die Berichterstattung in China: Immer wieder habe man ihn als 60s-Ikone präsentiert; an der Seite von Personen wie Joan Baez, Che Guevara oder Allen Ginsberg, die aber in China vermutlich eh niemand kenne. Das Publikum hingegen habe sich vor allem an den Songs der letzten vier oder fünf Alben erfreut.
Ein ungewohnt dünnhäutiges Statement des Songwriters. Vielleicht hat er – auch im Hinblick auf die zahlreichen Würdigungen die in den nächsten Wochen anlässlich seines 70. Geburtstages am 24. Mai erscheinen werden – tatsächlich allmählich genug von all den Deutungen und Kommentaren, die jeden seiner Schritte von der Synagoge in Los Angeles bis ins hinterste Asien begleiten. Da bleibt ihm am Ende der Pressemitteilung nur die Ironie: “Everybody knows by now that there’s a gazillion books on me either out or coming out in the near future. So I’m encouraging anybody who’s ever met me, heard me or even seen me, to get in on the action and scribble their own book. You never know, somebody might have a great book in them.”
Bob Dylan möchte die Rolle als Gewissen einer Generation, ja, der ganzen westlichen Welt, die er aufgrund von zwei Alben Anfang der Sechziger augebürdet bekam, endlich abgeben. Tun wir ihm den Gefallen.
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