Die Einträge der Rubrik: 'Hurricane 2011'
Noch da oder schon auf der Heimreise?
19.06.2011 | Autor: Daniel Koch | in: Hurricane 2011
Die Abreisewelle beginnt bereits am nachmittag: Bei diesem Regen fast kein Wunder, beim Blick auf’s Line-up aber doch ein wenig seltsam. The Kills und Eels sieht man heute noch – und die ja auch nun mal nicht soooo oft in unseren Breitengeraden. Trotzdem: Der Wind zieht und zerrt und pfeift. Der Regen pladdert und pisst – und ich habe schon den dritten Bekannten getroffen, der dank des Regens nun weiß, wo die Löcher im Zelt sind. Da kann man das vielleicht verstehen. Im letzten Jahr verhielt es sich mit dem Wetter ein wenig anders: Da begann’s bescheiden bis beschissen, um von einem wunderbaren sonnigen Sonntagabend beschlossen zu werden. Und auch dort schien das Festival bei den Strokes nur noch halb besucht. Nun also die Frage, ob die Foo Figthers eine Strahlkraft haben, die das miese Wetter vergessen lässt. Wir werden auf jeden Fall ausharren. Die Schuhe sehen ja eh schon so aus:
Tags: Eels · Foo Fighters · Hurricane · The Kills
Wir malen uns eine Line-up!
18.06.2011 | Autor: Daniel Koch | in: Hurricane 2011
Diese Mädels hatten sich das Line-up mit Füller und Buntstift abgemalt. Per Farbcode wurde vorsortiert, was man sehen muss. Allerdings könnte man noch mal diskutieren, ob Portishead wirklich „NICHT“ sind und Sum 41 unter „UNBEDINGT“ laufen sollten. Dass Elbow in der letztgenannten Kategorie sind unterschreiben wir hingegen. Entdeckt und fotografiert von Gerrit Starczewski.
Tags: Elbow · Hurricane · Jupiter Jones · Portishead
“Das wird den Chef freuen!”
18.06.2011 | Autor: Daniel Koch | in: Hurricane 2011
Die letzten Minuten des Festivaltages, und man muss trotzdem noch mal kurz was loswerden – zum Beispiel ein Hohelied auf Beth Gibbons Lächeln und auf die “UUUUHHHHSSSS” und “AAAAHHHSSSS” von Arcade Fire.
Letzte Meldung für heute. Bilder, die bleiben. Beth Gibbons lächelt – und es ist ganz wunderbar. Mindestens so wunderbar, wie der tiefe Bass, den Geoff Barrow da durch die Boxen treibt. Wie sanfte Wellen massieren sie mir den Bauch, während Beth Gibbons in das Mikrofon haucht und jault und säuselt. Und dann eben dieser eine Moment – war es bei „The Rip“ oder bei „Machine Gun“ – wo Gibbons Blick in die Runde streift, Barrow streift, dann Adrian Utley und dann plötzlich bricht dieses freie Lachen heraus, wird geschluckt, fängt sich in einem wunderschönen Lächeln. Verdammt noch mal – wenn das unser Fotograf geschossen hat, möchte ich mit diesem Lächeln an der Zimmerwand aufwachen. By the way: Es kam dann auch die Diskussion auf, wann genau denn eigentlich noch mal „Dummy“ passiert ist. 1994. Hätten Sie es gewusst? Die Antworten der durchaus informierten Gesprächspartner schwankten zwischen 1992 und 1999.
Ach, und dann mal wieder Arcade Fire, bei denen wir endlich bemerkten: „Die haben schon ziemlich viele UUUHHHSSS und AAAHHHSSS in ihren Songs.“ Egal – diese Band gehört auf diese große Bühne. Schon erstaunlich, wie es diese Indieband schafft, dann auch gleich noch die passende Light- und Visuals-Show dazu auf die Beine zu stellen. Wenn man sich dagegen so anschaut, was U2 mit einer paar Millionen mehr für eine Grütze produziert haben…
Jetzt also die letzten müden Gesichter im Pressezelt und die letzten Worte, die heute so drin sind. Zwei Bühnen weiter drehen derweil die Chemical Brothers an ihren Knöpfen – oder aber sie haben einfach am Anfang ihres Sets auf die „Play“-Taste gedrückt. Weiß man bei ihnen ja nie so genau. Visuell ist das wie immer eindrucksvoll, dennoch denke ich mir, dass es der Typ, der entspannt vor der Nebenbühne im Gras lag richtig machte – der starrte gen Wolkenhimmel, grinste, wippte mit den Füßen und ließ das Geblitze der Chemical Brothers Geblitze sein.
Und nun bin ich raus für heute: Seit Guy Garvey von Elbow wieder den nicest singing barkeeper alive gab, hab ich Bierdurst – der darf jetzt auch mal gestillt werden. Ausführlicher, seriöser und mit Fotos wird’s morgen. Gute Nacht!
P.S.: Die ganze Zeit überlegt, wie denn nun dieser Blog heißen sollte. Und dann stand da plötzlich der langbärtige Fotograf von Agentur X neben mir und sagt: “Das sind hier die fleißigen Redakteure. Noch schnell den Bericht reinhauen in der Nacht, bevor man es vergisst.” Und: “Das wird den Chef freuen.” Hoffen wir’s…
Tags: Arcade Fire · Chemical Brothers · Elbow · Hurricane · Portishead
Im Tanga zu Portishead
17.06.2011 | Autor: Daniel Koch | in: Hurricane 2011
Das Festivalgelände ist geöffnet und Menschen in Borat-Tangas (Foto) lauern vor der Hauptbühne. Ob die alle wegen Portishead da sind?
Nachmittags. Das Gelände ist noch nicht geöffnet. Ein Brezelwagen wird über den Rasen geschoben. Noch ist das Gelände geschlossen. Man ist auf dem Weg zum Rolling Stone-Stand, passiert die Hauptbühne und plötzlich dröhnt da Arcade Fire aus den Boxen – in Konzertlautstärke. Und man steht allein (mit den Brezelverkäufern) auf dieser riesigen Noch-Rasen-Fläche und die Gänsehaut jagt einem über den Körper. Obwohl man ganz genau weiß, dass Arcade Fire am späteren Abend noch viel besser sein werden, wenn 40.000 Menschen gemeinsam den Refrain von „Wake Up!“ singen werden. Ja klar – scheiß Stadionmoment, Herdentierverhalten, doofes Mitgegröhle schreien jetzt die Ich-geh-nicht-auf-Festivals-Menschen – aber dennoch: Es gibt eine Handvoll Bands, die genau das dürfen, weil sie genau das können. Coldplay ist so eine – selbst wenn sie auf Platte inzwischen wie Flüssigseife klingen. Und Elbow ist so eine. Und eben Arcade Fire – die in wenigen Stunden hier spielen werden. Die Verabredungen zum Gemeinsam-Schauen sind schon Tage vorher festgemacht worden – also weiß man, dass man dieses Konzert im Kreise der besten Festivalgesellschaft erleben wird.
Der Auftakt des diesjährigen Hurricane war hingegen recht lebhaft, aber man musste schon mögen, was dort geboten wurde. Kaizers Orchestra zum Beispiel mit ihrem Humpa-Indie, der aus der Ferne oft nach Ska klingt. Oder aber die – sorry – fürchterlichen Irie Révoltés. Das Publikum mochte es seltsamerweise – aber Reggae aus Heidelberg ist doch irgendwie ein Widerspruch in sich, oder nicht? Dennoch: Die zwar auch plumpe, aber wenigstes konsequente Anti-Sarrazin-Haltung kommt beim Hurricane-Publikum anscheinend sehr gut an. Und, um einen Parteikollegen des dummschwafelnden Finanzsenators zu zitieren: „Das ist auch gut so.“
Tja, bleibt nur ein wenig die Sorge, ob denn das weitere Programm hier für einige Mitmenschen funktionieren wird. Denn ein Teil des Publikums schafft sich – frei nach Sarrazin – bereits ab. Oder hat das morgens auf dem Campingplatz bereits erledigt. So zum Beispiel der junge Herr im Bild, der ästhetisch natürlich Borat nacheifert und den man sich irgendwie schwerlich dabei vorstellen kann, wie er im entspannten Rhythmus eines Portishead-Songs kopfnickt.
Wo man gerade bei Kopfnicken ist: Kvelertak in der Zeltbühne hat man leider verpasst. Dort sei man herrlich angeschrien worden und hätte sich irgendwo zwischen Turbonegro, Rock’n’Roll und Schweine-Metal befunden, schwärmten die Kollegen. Mist… Aber egal – Schluss für jetzt. Elbow rufen – leider Schweine-Metal-Frei, aber egal. Wenn ich den Typen mit der Borat-Buchse sehe, gibt’s einen Sonderblog…
Tags: Hurricane · Kaizers Orchestra · Portishead
Hurricane: Eine Hassliebe?
17.06.2011 | Autor: Daniel Koch | in: Hurricane 2011
Seit 15 Jahren nur ein Hurricane verpasst – was ist das eigentlich, das einen immer wieder hier hin treibt? Und ebenso begeistert wie erschöpft abreisen lässt?
Jetzt geht wieder alles von vorne los. Man schleicht über die Feldwege und die Bundestraßen im Landkreis Rotenburg an der Wümme. Man ärgert sich im Anreisestau über den breitärschigen Traktor (der mit Güllenresten an den Reifen zudem die norddeutsche Landluft verströmt), man amüsiert sich über die Dorfjugend, die mit ihren Mountainbikes an Kreuzungen herumlungert, und die Anreisenden begafft. Und, auch wie fast in jedem Jahr, wurmt es einen, dass man bei Sonnenschein und 27 Grad startet und bei Nieselregen und 17 Grad ankommt. Und trotzdem ist da diese Euphorie, die sich bei mir inzwischen seit 15 Jahren hält.
Seit Festivalbeginn im Jahr 1997 war ich nur in einem Jahr nicht dort – und das, weil ich dort die Möglichkeit hatte, zum ersten Mal das Glastonbury zu besuchen. Ein guter Grund, wie ich finde. Die Premiere war mein zweites großes Festival überhaupt (die Premiere war das Pinkpop 1996), und schon im ersten Jahr wurde ich dort nicht nur nachhaltig mit dem Phänomen Festival angefixt (was dazu führte, dass ich später mein Volontariat bei Deutschlands größtem und einzigen Festivalmagazin machte), sondern ebenso motiviert, nicht nur den großen Namen auf den Hauptbühnen hinterherzuhecheln. Rammstein? Who the fuck cares… INXS? Gähn… Nein, meine Favoriten in diesem Jahr hießen Son Volt, Sharon Stoned und The Men They Couldn’t Hang. Für den großen Festivalmoment sorgten dann die Lightning Seeds, die damals gerade „Three Lions“ veröffentlicht hatten – und des Songs noch nicht überdrüssig waren. Die Zeltbühne bebte geradezu, als die Band schon mit „It’s coming home!“-Chören begrüßt wurde – und als der Song am Ende gespielt wurde, lagen sich tausende gröhlend in den Armen, wie man es zu der Zeit sonst vielleicht nur von Oasis-Konzerten kannte. Selbst als der DJ danach übernahm, und den noch ebenso frischen „Song 2“ aufdrehte, löste sich die Meute nicht auf und feierte ihn – ganz so, als stünden gerade wirklich Blur auf der Bühne. Der Auftritt von Son Volt hingegen – das pure Gegenteil. Eine Handvoll Fans verstreuten sich im Zelt, nickten bedächtig zur Pedal Steel, lauschten dem zerrauchten und zersoffenen Organ des großen Jay Farrar. Man vergisst das heute schnell, wenn man sich bei den Foo Fighters an 40.000 Menschen reibt – aber das Hurricane hatte schon immer (und hat auch heute noch), diese ruhigen Momente, diese Bands, die auf einem Festival in der Größenordnung normalerweise eben nicht an der Tagesordnung stehen. Im Festival Guide stand in diesem Jahr, glaube ich, das Hurricane habe ein „Indie + x“ –Line-up – das triff die Sache ganz gut. Denn meine Highlights in der Festivalgeschichte heißen zwar auch Foo Fighters, Beatsteaks, Beastie Boys, Beck, Massive Attack, Blur und Pulp, aber auch ebenso Wilco, Madrugada, dEUS, Son Volt, die deutschen Fink, Ween und Built To Spill. Denn: Ja, auch die spielten hier auf diesem als so laut verschrieenen Festival.
Das Hurricane war auch das erste Festival, das man mit einer gewissen Treue verfolgte, und bei dem man einfach wusste, dass man in jedem Jahr seine Freunden und Bekannte dort treffen wird. Oder man reiste gleich mit ihnen an – was dann später zu der für Festivals essentiellen Erkenntnis führte: Wenn man wegen der Musik da ist, sollte man auf Gruppendynamik scheißen. Sonst verpasst man immer nur alles, oder versackt unter dem Zeltpavillon.
Später wurde es für zusehends zu einem Arbeitsfestival. Ein paar Jahre verbrachte ich damit, an den Anreisetagen die Eintrittsbändchen anzubringen. Ein super Job, der ein paar Euro brachte und der beim eigentlichen Festivalbeginn so gut wie beendet war. Die wunderbaren Kollegen der kleinen, dafür zuständigen Firma aus meiner Studienstadt Hildesheim – die Klangpiraten – taten ihr übriges, um auch diese Jahre in guter Erinnerung zu behalten. Auch meine ersten Interviews – zunächst für ein Uni-Radio, später als Praktikant dann als Voluntär für ein Musikmagazin – fanden dort statt.
All diese Erinnerungen schwingen nun mit, wenn man sich hier mit dem Wetter und den Anreiseschwierigkeiten rumplagt – mit der seltsamen Erkenntnis, dass man mich durchaus einen Festivalveteranen nennen könnte. Ich weiß schon jetzt nicht mehr, wie ich all meine Bekannten und Kollegen und Ex-Kollegen hier treffen soll, sorge mich jetzt schon darum, vielleicht das essentielle Konzert des Festivals zu verpassen, weiß jetzt schon, dass ich morgen den Arsch oder zumindest die Füße nass kriegen werde, weiß jetzt schon, dass mich wieder der ein oder andere zu voll getankte „Ich bin nur wegen den Foo Fighters“-Typ nerven wird (vermutlich beim Portishead-Konzert, bei dem er neben mir stehen wird, weil seine Freundin bzw. die Julie vom Nebenzelt die sehen wollte), weiß jetzt schon, dass ich in diesem Jahr noch mehr Arbeit als vorher habe, weil unser Magazin ja präsentiert und deshalb recht ausführlich berichtet – und trotzdem: KANN ES JETZT BITTE ENDLICH LOSGEHEN?
Tags: Foo Fighters · Hurricane · Lightning Seeds · Pulp
1. Update: kurz nach 2.00 Uhr
17.06.2011 | Autor: Julia Maehner | in: Allgemein, Hurricane 2011
Wir konnten heute logischerweise noch nicht aus Festivalgelände, aber am Zeltplatz direkt gegenüber ist einiges los. Besonders begeistert haben uns die Menschen in Ganzkörpertieranzügen und die DJs der Open Air Party.
Endlich angekommen… Und jetzt die Lage checken!
17.06.2011 | Autor: Julia Maehner | in: Breaking, Hurricane 2011
Endlich, nach einer Odyssee von fast 5 Stunden, sind wir am Hurricane angekommen. Im Zelt neben uns spielen sie Mark Coen’s “Walking in Memphis”.
Wir gehen jetzt los und schauen uns mal hin. Es geht lohoos!
Tags: Arcade Fire · Festival · Foo Fighters · Hurricane







