Die Einträge der Rubrik: 'Jeri Ryan'
Am längeren Hebel
26.01.2012 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Erst mal nörgeln: Den neuen Vorspann von “Leverage” (VOX) finde ich immer noch unerfreulich – da spricht Timothy Hutton seinen Sermon über Gerechtigkeit in die Kamera, synchronisiert wirkt das bierernst. Dabei ist dies doch eine der vergnüglichsten Serien, die zurzeit laufen! Das Team um “Mastermind” Nathan Ford (Hutton), das mit illegalsten Mitteln dafür sorgt, dass Betrüger nicht durchkommen und arme, abgezockte Leute entschädigt werden, könnte nicht besser zusammengesetzt sein. Nate kommt mit nur vier Profis aus – bei “Ocean’s Eleven” brauchten sie immerhin 11 Leute, dann 12, dann 13. Und wie viele Gefährten hatte Robin Hood noch mal?
Alec Hardison (Aldis Hodge) kennt als “The Hacker” jedes Computerprogramm, und auch wenn es natürlich extrem unrealistisch ist, wie sich der Schlingel in jede Überwachungskamera und alle Sicherheitssysteme hineintrickst, sieht man gern dabei zu, wie er sich hemmungslos über seine eigenen Fähigkeiten freut.
Eliot Spencer (Christian Kane) alias “The Hitter” ist ein dunklerer Charakter. Er haut alles um, was sich ihm in den Weg stellt, und es stellt sich immer jemand in den Weg. All die Kampfsportarten und die rohe Gewalt der Fäuste täuschen aber nicht darüber hinweg, dass Eliot ein mitfühlendes Herz hat, das ihm nur viel zu früh und viel zu oft gebrochen wurde. Außerdem sieht er aus wie David Foster Wallace.
Die coolste Frau im Team hat bloß einen Decknamen: Parker (Beth Riesgraf) ist “The Thief”, eine superschlaue Diebin, die jeden Safe knackt und vor der keine Brieftasche sicher ist. Sie ist – auf eine putzige Art – misstrauisch und wirkt manchmal fast naiv. Dabei ist sie oft nur so mit Zählen, Taxieren und anderen obsessiv-kompulsiven Tätigkeiten beschäftigt, dass für normale Gedanken kein Platz mehr ist in ihrem ulkigen Gehirn.
Auf der Position der Trickbetrügerin, “The Grifter”, gab es gerade eine Umbesetzung: Nates heimliche Liebe Sophie Devereaux (Gina Bellman) ist ihm davongereist, jetzt mischt Tara Cole (Jeri Ryan) mit. Sie beherrscht das Rollenspiel, kann Nate fast die Stirn bieten – und vielleicht wird es ihr sogar gelingen, irgendwann ein normales Gespräch mit ihm zu führen. Denn derjenige, der sich all die Strategien und Finten ausdenkt, der andere Menschen genau einschätzen und deshalb kaltstellen kann, ist wieder mal der mit der größten Schwäche.
Das Einzige, was Nathan Ford nicht im Griff hat, ist er selbst. Er lässt keinen an sich herum, er trinkt, er dreht regelmäßig durch. Dass man den launischen Tyrannen trotzdem so sympathisch findet, liegt nicht nur daran, dass man im Fernsehen immer die schwierigsten Typen liebt (und in der Wirklichkeit meistens auch). Es ist vor allem das Verdienst von Timothy Hutton. Er spielt diesen cleveren Typen mit fast kindlicher Verzweiflung. Ford wurde einst übel mitgespielt, er hat seinen Sohn verloren, ja eigentlich sein ganzes Leben. Aber er weigert sich aufzugeben, er muss an die ausgleichende Gerechtigkeit, eben an “leverage” glauben, sonst bleibt ihm nur der Scotch, und das ist nicht genug. Hutton hat immer noch dieses freundlich-melancholische Jungs-Gesicht, das einen sofort anrührt – dabei sind mehr als 30 Jahre vergangen, seit er mit 20 (als jüngster Schauspieler aller Zeiten) den Oscar für Robert Redfords “Ordinary People” gewann. Ich bestelle mir gleich mal die DVD.
Tags: Aldis Hodge · Beth Riesgraf · Christian Kane · Jeri Ryan · Leverage · Ordinary People · Timothy Hutton
Der lange Abschied von den “Desperate Housewives”
25.08.2011 | Autor: birgitfuss | in: TV-Fußnoten
Bei ProSieben begann gestern der zweite Teil der siebten Staffel von “Desperate Housewives”, an sich keine große Sache. Aber seit nun bestätigt ist, dass nach der achten Staffel Schluss sein wird, sieht man die Serie mit anderen Augen an – wie eine kranke Freundin, von der man sich langsam verabschieden muss. Und dazu gehört, dass man sich daran erinnert, warum man sie überhaupt mal lieben gelernt hat. Bei den “Housewives” ist das lange her, und mancher Handlungsstrang hat einen zwischendurch an der Zuneigung zweifeln lassen, doch als damals, 2005, alles begann, war man sofort gefangen von…
…dem Liebreiz von Gaby Solis: Wer hat je schöner mit solche charmanter Oberflächlichkeit die Männer verzaubert, immer seinen Willen durchgesetzt – und doch oft mehr Herz gezeigt als alle anderen?
… der Tolpatschigkeit von Susan Delfino: Welcher anderen Frau hätte man verziehen, dass sie nie etwas auf die Reihe bekommt, ihre Tochter erwachsener ist als sie selbst – und sie schließlich passenderweise einen Klempner heiratet, weil sie niemals auch nur einen Nagel in die Wand hauen könnte?
… der Härte von Lynette Scavo: Wie hat Lynette es geschafft, Karriere zu machen, so viele Kinder großzuziehen, den dusseligen Ehemann zu beaufsichtigen – und dabei meistens trotzdem noch alle bei Laune zu halten mit ihrem treffsicheren Sarkasmus?
… der Perfektion von Bree Van de Kamp: Wer hatte je eine perfektere Frisur als die rothaarige Konservative? Wer backt besser? Wer steht sich selbst mehr im Weg, ist aber immer für alle anderen da – und trifft trotzdem immer wieder katastrophale Fehlentscheidungen?
Alle Frauen der Wysteria Lane sind ambivalent, jede hat mindestens ein dunkles Geheimnis, keine passt in eine Schublade. Nicht mal in die aufgeräumten Schubladen von Bree. Auch die Nebenrollen waren stets liebevoll gezeichnet: Die alte Schrulle Karen McCluskey, das schwule Pärchen Bob und Lou, die verkorksten Kinder. Und im Grunde waren die Männer auch nur Randfiguren: Mike war der anständige Handwerker, Carlos Solis der Proto-Macho mit Herz, Tom Scavo das ewige Kind, auch Gärtner und Apotheker gerieten eher holzschnittartig. Keine Konkurrenz für die viel interessanten, weil sagenhaft neurotischen Frauenfiguren. Man konnte allerdings männliche Zuschauer (die wenigen, die es gab) immer gut einschätzen anhand ihrer liebsten Frauenfiguren – ahnlich wie bei “Sex And The City” (hüten Sie sich vor Charlotte- oder Susan-Typen!). Demnächst wird man sich dafür ein neues Koordinatensystem suchen müssen.
Immerhin zwei starke Frauenfiguren folgen jetzt im Anschluss an die “Housewives”, bei “Body Of Proof”. Eine wurde als Hausfrau Katherine Mayfair bekannt: Dana Delany spielt Dr. Megan Hunt, eine knallharte Pathologin, die mit ihrer Besserwisserei allen auf die Nerven geht. Vor allem, weil sie fast immer recht hat. Privat kämpft sie um das Sorgerecht und die Liebe ihrer entfremdeten Tochter. Die Szene, als Hunt – die sich normalerweise garantiert keine Kalorienbomben gönnt – genüsslich in den Geburtstagskuchen biss, den ihr die 12-Jährige auf den Tisch ihres einsamen Luxusapartments gestellt hatte, war schon mal rührender als vieles, was man zuletzt in der Wysteria Lane gesehen hat.
Dazu kommt Jeri Ryan als Hunts Chefin, man sah die herbe Blondine schon in “Star Trek: Voyager” (als Borg Seven Of Nine), “Boston Public” und “Shark”, auch in “Leverage” war sie kurzzeitig dabei. Eine klassische Serienheldin also, der man praktisch jede Figur abnimmt. Solange sie zäh sein darf und den härtesten Mann kleinkriegt – mit einem Lächeln natürlich. Vielleicht die einzige Alternative zu Lynette Scavo.
Tags: Body Of Proof · Boston Public · Dana Delany · Desperate Housewives · Jeri Ryan · Leverage · Shark · Star Trek: Voyager
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